Verschärfter Stellenabbau bei Thyssenkrupp

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Verschärfter Stellenabbau bei Thyssenkrupp

Von Jörg Marksteiner

Es drohen "schmerzhafte Schritte": Thyssenkrupp verschärft seinen Stellenabbau. Weitere 5.000 Mitarbeiter sollen gehen, insgesamt 11.000 weltweit. Auch wegen Corona.

182.000 Euro Verlust im Alltagsgeschäft: Die Corona-Krise hat Thyssenkrupp voll erwischt. Der Ruhrkonzern aus Essen reagiert mit einem drastisch verschärften Stellenabbau: In den kommenden Jahren sollen weitere 5.000 Mitarbeiter gehen. Insgesamt sind es dann 11.000 weltweit.

Stellenabbau: Noch offen, wen es trifft

Noch ist unklar, welche Firmenteile und Standorte es in NRW trifft. Allerdings werde der Hauptteil in Deutschland wegfallen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. „Wir können sie im Moment aber nicht ausdrücklich ausschließen“, sagt Personalvorstand Oliver Burkhard. Üblicherweise einigen sich bei Thyssenkrupp aber Firmenspitze und Arbeitnehmer. Die IG Metall ist im Ruhrkonzern stark vertreten.

Bilanz Thyssenkrupp: Milliardenverlust und Stahl-Sorgen

WDR 5 Profit - Topthemen aus der Wirtschaft 19.11.2020 03:24 Min. Verfügbar bis 19.11.2021 WDR 5


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IG Metall lehnt Stellenabbau ab

„Bei den Kosten darf es keine Denkverbote geben“, sagte Firmenchefin Martina Merz bei der Online-Pressekonferenz. „Da muss auch über Tabus gesprochen werden.“ Die IG Metall zeigte sich verärgert: „Pauschale, konzernweite Abbauprogramme lehnen wir ab“, sagte Vorstandsmitglied Jürgen Kerner.

Der Essener Stahl- und Industriekonzern leidet besonders unter den coronabedingten Auftragseinbrüchen aus der Autoindustrie. Thyssenkrupp liefert u.a. Bleche sowie Autoteile wie Stoßdämpfer, Lenkungen. Rechnet man das das inzwischen verkaufte Aufzuggeschäft heraus, dann hat Thyssenkrupp unter dem Strich ein Minus von 5,5 Milliarden Euro gemacht.

Stahl: Entscheidung im Frühjahr

Besonders hoch waren die Verluste in der Stahlsparte. Die 27.000 Stahlarbeiter machen sich seit Jahren Sorgen um ihre Zukunft. Wichtige Standorte in NRW sind neben dem Hauptwerk in Duisburg auch Dortmund, Bochum, Hohenlimburg und das Siegerland. „Eine Grundsatzentscheidung für den Stahlbereich wird voraussichtlich im Frühjahr 2021 getroffen“, sagte Finanzvorstand Klaus Keysberg.

Das Management sucht seit Monaten Käufer, Partner oder Fusionskandidaten. Laut Gewerkschaft gibt es bislang nur Interesse für Teilbereiche. Das wäre aber „Rosinenpickerei“. Für die gesamte Sparte bietet nur der britische Konzern Liberty Steel – allerdings bislang ohne Details wie Kaufpreis, Investitionssummen oder Konzepte zu nennen.

Betriebsrat: Staatseinstieg statt Schnäppchenjäger

Das Liberty-Angebot sehen die Betriebsräte kritisch: „Was wir am wenigsten brauchen, ist ein Schnäppchenjäger, der uns billig kauft und am Ende abwickelt“, sagte Stahl-Betriebsratschef Tekin Nasikkol in einem Interview. Außer Ankündigungen habe man bislang nichts gesehen. Derzeit gilt beim Stahl eine Jobgarantie bis 2026.

Für Betriebsräte und Gewerkschaften ist klar, dass der Staat bei Thyssenkrupp einsteigen soll. Bislang lehnen Land und Bund eine Staatsbeteiligung am größten deutschen Stahlkonzern ab. Bestätigt hat das Unternehmen aber Gespräche über finanzielle Hilfen. Eine Rolle könnte dabei der milliardenschwere Wirtschaftsstabilisierungsfonds spielen, der coronageschädigten Großunternehmen helfen soll.

Stand: 19.11.2020, 14:55

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