Thyssen-Krupp droht Abrechnung der Aktionäre

Thyssen-Krupp droht Abrechnung der Aktionäre

  • Hauptversammlung der Thyssen-Krupp-Aktionäre in Bochum
  • Anlegerschützer wollen Aufsichtsrat nicht entlasten
  • Ärger über Verluste, Stellenabbau, Millionenabfindungen
  • Befreiungsschlag geplant, aber umstritten

Der neuen Thyssen-Krupp-Chefin Martina Merz steht ein langer Tag im Bochumer RuhrCongress bevor. Bei der Hauptversammlung am Freitag (31.01.2020) droht ihr beißende Kritik der Aktionäre: Keine Dividende, kein Gewinn, hohe Schulden, die Aktie in die zweite Börsenliga abgestiegen. Gleichzeitig aber teure Strategie- und Personalwechsel – Thyssen-Krupp steckt tief in der Krise.

Ärger um Millionenabfindung

Für Ärger dürfte da die Millionen-Abfindung für Ex-Chef Guido Kerkhoff sorgen. Der langjährige Finanzchef musste im Oktober nach nur 14 Monaten als Vorstandschef wieder abtreten. Gleichzeitig hieß es aber bei Thyssen-Krupp, seine Strategie sei richtig gewesen und solle weitergeführt werden. Übergangsweise ist die bisherige Aufsichtsratschefin Merz eingesprungen. Für ein Jahr – dann soll es wieder einen neuen Chef geben. Den vierten in vier Jahren.

Anlegerschützer wollen Zeichen setzen

Von "teuren Personalwechseln" und "strategischem Zickzackkurs" spricht die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Sie will den Thyssen-Krupp-Kontrolleuren die Entlastung verweigern. Das hätte keine rechtlichen Folgen, gilt aber als Zeichen des Misstrauens. Offen ist, wie sich große Investmentfonds verhalten.

Mitarbeitern droht Stellenabbau

Unzufrieden sind auch viele Mitarbeiter: Weltweit sollen rund 6.000 Stellen abgebaut werden. Die Verwaltung, etwa am Hauptstandort Essen, soll drastisch schrumpfen. Viele Stahlarbeiter fürchten zudem, dass einzelne Anlagen oder Standorte verkleinert oder geschlossen werden könnten. Auch Teile der Sparten Fabrikbau und Autoteile sollen abgegeben werden. Details sind noch offen.

Debatte um Befreiungsschlag

Um Thyssen-Krupp nach Jahren der Krise dauerhaft zu sanieren, plant Firmenchefin Merz einen finanziellen Befreiungsschlag: Die profitable Aufzugssparte mit 53.000 Mitarbeitern soll verkauft oder an die Börse gebracht werden. Der Konzern hofft auf 15 bis 17 Milliarden Euro. Entschieden werden soll das bis März. Kritiker fragen allerdings, womit Thyssen-Krupp künftig dann seine Gewinne erwirtschaften will.

Stand: 30.01.2020, 21:30

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