Ticker vom Freitag (20.03.2020) zum Nachlesen

Ticker vom Freitag (20.03.2020) zum Nachlesen

  • Laschet noch gegen Ausgangssperre in NRW
  • Ansammlungsverbote in Dortmund, Leverkusen und Köln
  • Kinder-Notbetreuung auch am Wochenende
  • Alle aktuellen Entwicklungen hier im Live-Ticker

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Das öffentliche Leben wird wegen des Coronavirus immer weiter heruntergefahren. Hier im Live-Ticker halten wir Sie über die Entwicklungen auf dem Laufenden.

Armin Laschet bei WDR 2: Ausgangssperre nur letztes Mittel

Eine Ausgangssperre gegen die Ausbreitung des Coronavirus bleibt für NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) "wirklich das allerletzte Mittel". Schon jetzt seien zahlreiche Grundrechte wie die Bewegungsfreiheit und die Religionsfreiheit eingeschränkt worden, sagte er am Freitag in einer Hörer-Fragestunde bei WDR 2.

"Der Staat muss sorgsam überlegen, wie weit kann er gehen." Richtig sei: "Wenn wir die ganz große Ausgangssperre verhindern wollen, müssen andere Bereiche noch heruntergefahren werden." Es gebe aber eine Vorstufe, ein Betretungsverbot auf öffentlichen Plätzen, ergänzte Laschet. Am Sonntag (22.03.2020) wollen sich Bund und Länder über Ausgangsverbote abstimmen.

Ansammlungsverbote in Leverkusen, Köln und Dortmund

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus gilt ab Mitternacht nach Leverkusen auch in und Dortmund ein Ansammlungsverbot. Ab Samstag (21.03.2020) ist es dort verboten, sich in Gruppen mit mehr als vier Menschen in der Öffentlichkeit aufzuhalten. Ausnahmen gibt es für Menschen in Lebensgemeinschaften. Das gab die Stadt heute Vormittag bekannt.

Kurz zuvor hatte bereits die Stadt Leverkusen verkündet, dass man ab sofort nur noch alleine in die Öffentlichkeit darf. Ausgenommen sind dort Personen, die eine Wohn- oder Lebensgemeinschaft bilden. Auch dringende berufliche Treffen sowie Einkäufe des täglichen Bedarfs sind von der Relegung in Leverkusen ausgenommen. Die Bestimmungen gelten dort zunächst bis 19. April.

Am Nachmittag kündigte auch die Stadt Köln an, Menschenansammlungen mit mehr als zwei Personen konsequent aufzulösen. "Ganz egal wie schön das Wetter am Wochenende auch werden mag, jetzt ist nicht die Zeit, sich mit Freunden zu treffen. Wer das nicht begreift, gefährdet die Freiheit aller", erklärte Stadtdirektor Stephan Keller. Umsetzen soll das das Ordnungsamt.

Ausgangsbeschränkungen in einigen Bundesländern

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat heute weitreichende Ausgangsbeschränkungen für den ganzen Freistaat angekündigt. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist ab Samstag (21.03.2020) nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt.

Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Auch Hessen, Bremen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Hamburg und Baden-Württemberg haben die Beschränkungen verschärft. In allen Bundesländern werden ab Samstag Restaurants und Gaststätten geschlossen. Außerdem wurde die Obergrenze bei Versammlungen deutlich reduziert auf drei (Baden-Württemberg) bzw. fünf (Hessen) oder sechs (Hamburg) reduziert.

NRW halbiert Regionalbahn-Verkehr

Wer jetzt noch Regionalbahnen nutzt, muss sich erheblich einschränken. Bis Ende nächster Woche wird das Fahrplanangebot im Schienen-Personen-Nahverkehr in NRW auf die Hälfte reduziert. Das verkündete NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) am Freitag (20.03.2020) auf einer Pressekonferenz der Landesregierung.

Das Angebot sollte nur noch von Menschen genutzt werden, die in der kritischen Infrastruktur tätig sind, sprich von Pflegern, Lebensmittelverkäufern, Ärzten und anderen, forderte er.

Er bat um Verständnis, dass nicht überall sofort die neuen Sonderfahrpläne aushängen könnten. Aktuelle Verkehrsinformationen gebe es auf www.mobil.nrw. Außerdem verkündete Wüst: Das Straßennetz werde weiter unbeschränkt zur Verfügung stehen.

Notbetreuung auch am Wochenende

Eltern mit systemrelevanten Berufen in Nordrhein-Westfalen können ihre Kinder auch an Wochenenden und in den Osterferien zur Notbetreuung in die Schule oder Kita schicken. Die Regelung zur Bewältigung der Corona-Krise gelte ab Montag (23.03.2020), teilte das Schulministerium an Freitag mit.

Ab Montag sollen mehr Familien Anspruch auf eine Notbetreuung haben. Laut Landesregierung reicht es dann, wenn ein Elternteil zur kritischen Infrastruktur gehört – bislang mussten beide einen wichtigen Job haben.

Hildener Unternehmen bringt Corona-Schnelltester auf den Markt

Seit Freitag (20.03.2020) ist ein Coronavirus-Schnelltester der Firma Qiagen aus Hilden auf dem Markt. Das Coronavirus kann damit innerhalb von einer Stunde festgestellt werden.

Für die Herstellung der Geräte samt Teststäbchen hat das Biotech-Unternehmen sein Personal aufgestockt und die Produktionskapazitäten massiv erweitert. Die Testgeräte kosten mehrere tausend Euro. Sie können nicht von Privatpersonen, sondern ausschließlich von medizinischen Einrichtungen bestellt werden.

Task Force mit Niederlanden und Belgien

Nordrhein-Westfalen, die Niederlande und Belgien haben eine "Task Force Corona" gegründet. Diese soll laut Staatskanzlei "den gegenseitigen Informationsaustausch verbessern, Aktivitäten synchronisieren und Fragen von gemeinsamen Interesse zur Krisenbewältigung klären". Dabei gehe es insbesondere um die Situation in grenznahen Regionen im Hinblick auf den Grenzverkehr und die Verfügbarkeit von Intensivbetten.

"In Krisenzeiten sind der Austausch von Informationen und konzertiertes Vorgehen über die Grenzen hinweg essentiell", sagte NRW-Ministerpräsident Laschet. "Die Task Force kann schnelle Absprachen treffen und auf neue Entwicklungen reagieren."

Drastischer Anstieg von Kurzarbeit in NRW

Die Coronavirus-Krise hat in den vergangenen Tagen zu einem drastischen Anstieg der Kurzarbeit in NRW geführt. Seit dem vergangenen Montag seien bei den Arbeitsagenturen in NRW mehr als 13.000 Anzeigen von Kurzarbeit eingegangen, bei denen Betriebe die Pandemie als Grund genannt hätten, berichtete die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit am Freitag in Düsseldorf. Zum Vergleich: Im ganzen Februar 2020 zeigten in NRW nur 404 Betriebe Kurzarbeit an. Im ganzen Jahr 2019 waren es 3.648 Unternehmen.

Wüst: Nicht in den Urlaub fahren

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) hat an alle Bürger appelliert, möglichst keine Reisen mehr anzutreten. Dies sei unverantwortlich. "Wer sich jetzt ohne Sinn und Verstand in Not bringt, dem ist nicht zu helfen", sagte er: "Bitte bleiben Sie zu Hause. Brechen Sie nicht in den Urlaub auf."

Um gestrandete Urlauber zurückzuholen, wurde am Düsseldorfer Flughafen das Nachtflugverbot vorübergehend aufgehoben. "Ich möchte nicht, dass Urlauber, die eh schon stundenlang am Flughafen unter häufig nicht guten sanitären Bedingungen ausharren, in NRW noch eine Odyssee im Bus mitmachen müssen", sagte Wüst: "Deshalb war das in dieser Ausnahmesituation jetzt okay."

Der Flugverkehr in Düsseldorf sei um 70 bis 80 Prozent gesunken, deshalb sei es auch mit Blick auf dem Lärmschutz "sicher vertretbar, wenn einige Maschinen in den Nachtstunden runterkommen, um unsere Leute nach Hause zu bringen".

Krankenhäuser im Kreis Heinsberg schlagen Alarm

Den drei Krankenhäusern im vom Coronavirus besonders betroffenen Kreis Heinsberg geht die Schutzbekleidung aus, obwohl vom Land Nachschub angekündigt wurde. Kritik üben die Krankenhausleiter vor allem an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

"Herr Laumann hat uns klar zugesagt: Er versorgt uns. Von diesen Zusagen sind bisher 300 Masken im Krankenhaus Erkelenz angekommen. Und das ist natürlich viel zu wenig, bei einem Tagesverbrauch von ungefähr 500 bis 800 Masken", sagt Jann Habbinga, Chef des Erkelenzer Krankenhauses. Das Wochenende werde man "noch gut schaffen", danach gebe es jedoch keine Sicherheit mehr.

Hilfe von der Bundeswehr und Masken aus China

Unterstützung erhält der Kreis Heinsberg nach Angaben von mehreren Nachrichtenagenturen von der Bundeswehr. Die Truppe helfe mit 3.000 der aktuell besonders schwer erhältlichen FFP2-Schutzmasken, 15.000 normalen Schutzmasken, 8.000 Kitteln und zwei Beatmungsgeräten, heißt es.

In Köln wird in der kommenden Woche eine Lieferung von 700.000 Schutzmasken aus China erwartet. Die ersten Schutzmasken sollen schon am Montag eintreffen.  Dr. Jürgen Zastrow, von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein sagt, dass man sich auf die Zusagen der Bundesregierung zur Lieferung der Schutzmasken nicht länger verlassen wollte.

Kutschaty: Schwere Zeit für Opposition

Aktuell ist es für die Opposition im Landtag nicht einfach, wahrgenommen zu werden. Einerseits müssen die Parteien, die nicht in der Regierung sitzen, ihre wichtige Kontrollfunktion wahrnehmen, andererseits gilt es auch, die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu unterstützen. Der SPD-Fraktionschef im Landtag, Thomas Kutschaty, hat im WDR 5 Westblick erklärt, wie schwierig dieser Spagat gerade ist, und wie die Zusammenarbeit mit der Landesregierung inzwischen läuft.

Parlamentarische Opposition in Corona-Zeiten

WDR 5 Westblick - aktuell 20.03.2020 11:57 Min. Verfügbar bis 20.03.2021 WDR 5

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Corona-Briefing NRW #5 - Pendeln mit der Opposition

WDR RheinBlick 20.03.2020 18:48 Min. Verfügbar bis 20.03.2021 WDR Online

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Kinderärzte: Gefahr häuslicher Gewalt steigt

Der Kinderärzte-Verband hat Familien aufgerufen, sich bei Überforderung durch die Corona Krise frühzeitig Hilfe zu suchen. Weil Schulen und Kitas geschlossen sind, stünden viele Eltern derzeit vor besonderen Herausforderungen. Dadurch steigt nach Ansicht der Kinderärzte auch die Gefahr häuslicher Gewalt. Hilfe gebe es zum Beispiel von Wohlfahrtsverbänden oder dem Jugendamt. 

Gewerkschaft der Polizei kritisiert fehlende Ausrüstung

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert eine mangelhafte Schutzausrüstung der NRW-Polizei gegen das Coronavirus. Trotz der massiv gestiegenen Infektionsgefahr seien die Polizisten in NRW "noch immer völlig unzureichend" gegen das Coronavirus geschützt, teilte die Gewerkschaft am Freitag mit. In den meisten Polizeibehörden gebe es nur wenige Schutzanzüge und deutlich zu wenige Einmalhandschuhe. Der Großteil der ausgegebenen Atemschutzmasken habe zudem nur die niedrige Schutzklasse FFP1.

WDR-Programm für Grundschüler

Damit zu Hause wegen geschlossener Schulen keine Langeweile aufkommt, bietet zeigt das WDR Fernsehen ab Montag (23.03.2020) drei Stunden extra moderiertes Programm für die jüngsten Schülerinnen und Schüler - morgens von 9 bis 12 Uhr strahlt das WDR Fernsehen eine speziell für Grundschüler zusammengestellte Sendestrecke aus.

Grundschullehrerin Pamela Fobbe und WDR-Moderator André Gatzke

WDR-Moderator André Gatzke moderiert den neuen Vormittag gemeinsam mit der Grundschullehrerin Pamela Fobbe. Beide führen nicht nur durchs Programm, sondern animieren die Schüler zu Hause auch zum Mitmachen und Mitdenken.

BAMF: Asylanträge erstmal nur noch schriftlich

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus die Praxis für Asylanträge geändert. Flüchtlinge dürfen jetzt nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung nicht mehr persönlich einen Antrag stellen, sondern müssen dies schriftlich tun.

Ein BAMF-Sprecher betonte, dass die Anträge aber weiter bearbeitet würden. Gefordert hatte diesen Schritt der Personalrat des BAMF. In einem Brief an die Behördenleitung hieß es, durch die persönlichen Anhörungen bestehe eine erhebliche Ansteckungsgefahr für Mitarbeiter und Flüchtlinge.

Soforthilfe für Kulturschaffende in NRW

Professionelle Kulturschaffende will die Landesregierung wegen ausfallender Veranstaltungen finanziell unterstützen. Jeder Betroffene könne bis zu 2.000 Euro Soforthilfe beantragen, bestätigte NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) am Freitag. Die Formulare würden unverzüglich auf der Website ihres Ministeriums unter www.mkw.nrw zur Verfügung stehen.

McDonald's-Mitarbeiter helfen bei Aldi aus

Wer bei Aldi einkauft, könnte demnächst einen McDonald's-Mitarbeiter an der Kasse vorfinden. Die beiden Unternehmen haben eine ungewöhnliche Partnerschaft geschlossen, teilte die Fastfood-Kette am Freitag mit. Wegen des eingeschränkten Restaurantbetriebs werden viele McDonald's-Beschäftigte derzeit nicht benötigt. Gleichzeitig sucht Discounter Aldi händeringend Mitarbeiter für den Verkauf und das Auffüllen der Regale. McDonalds-Mitarbeiter würden daher gezielt an Aldi Nord oder Süd vermittelt, falls sie das wollen.

Corona-Krise: Löhne in der Metall- und Elektroindustrie steigen nicht

In der Metall- und Elektroindustrie haben die Tarifpartner einen Pilotabschluss in NRW erzielt. Unter dem Eindruck der Corona-Krise einigten sich IG Metall und Arbeitgeber am Freitag darauf, die Löhne in diesem Jahr nicht zu erhöhen. Arbeitnehmer mit kleinen Kindern erhalten zusätzliche freie Tage und Kurzarbeiter können auf Zuzahlungen setzen.

Restaurantkette Vapiano ist zahlungsunfähig

Die Corona-Krise hat die ohnehin angeschlagene Restaurantkette Vapiano in die Insolvenz getrieben. "Aufgrund des drastischen Umsatz- und Einnahmenrückgangs ist zum heutigen Tag der Insolvenzgrund der Zahlungsunfähigkeit für die Vapiano SE eingetreten", teilte das Unternehmen am Freitag in Köln mit. Zugleich richtete das Unternehmen einen "dringenden Appell an die Bundesregierung zur schnellen Umsetzung der wirtschaftlichen Hilfen in der Covid-19-Krise". Damit hofft der Vorstand, den innerhalb einer Frist von drei Wochen gebotenen Insolvenzantrag doch noch abwenden zu können.

Netflix und Youtube drosseln Datenmengen

Auch beim Streamen von Videos muss man sich von nun an einschränken. Nach Netflix reduziert nun auch der Videodienst Youtube in Europa seine Übertragungsqualität. Um die Belastungen des Netzes in Zeiten verstärkter Heimarbeit, Ausgangssperren und geschlossener Schulen zu reduzieren, wird die Google-Tochter nach eigenen Angaben ihre Datenmengen drosseln. Zuvor hatte bereits der Video-Streaming-Dienst Netflix angekündigt, seine Datenmengen in Europa zunächst für 30 Tage zu drosseln.

Europaweite Radio-Aktion am Freitag

Zahlreiche öffentlich-rechtliche und private Rundfunkstationen in Europa machten heute gemeinsame Sache. Um 8.45 Uhr spielten sie wegen der Corona-Krise zeitgleich den Song "You’ll Never Walk Alone" von Gerry and the Pacemakers. Auch WDR 2 und WDR 4 machten mit.

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Corona: Muss uns eine Ausgangssperre vor uns selbst schützen? Folge 2 | #wirreden

01:30:51 Std. Verfügbar bis 19.03.2021

Bürgertelefon zum Coronavirus: 0211 / 9119 1001

Das Bürgertelefon der Landesregierung zum Coronavirus hat eine neue Rufnummer: 0211 / 9119 1001.

Das Bürgertelefon ist montags bis freitags von 7.00 bis 20.00 Uhr sowie samstags und sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr geschaltet. Die Ansprechpartner beantworten allgemeine Fragen zum Corona-Virus und zur Vorbeugung. Bei medizinischen Fragen sollten sich Bürger an den Hausarzt wenden.

Stand: 20.03.2020, 21:19