Friedliche Ruhe in NRW am "Tag gegen den Lärm"

Čovek drži zapušene uši

Friedliche Ruhe in NRW am "Tag gegen den Lärm"

Von Nina Magoley

  • Dieses Jahr alles anders am "Tag gegen den Lärm"
  • Weniger Verkehr in den Städten, wenige Flugzeuge am Himmel
  • Zunehmender Lärm dennoch weltweites Problem

Aufatmen in Corona-Zeiten. Für Manfred Stößer hat der Ausbruch der Pandemie bei allem Schrecken auch eine unerwartete Erleichterung mit sich gebracht: Er kann jetzt nachmittags in seinem Garten sitzen und ein Gespräch führen, ohne mittendrin verstummen zu müssen, weil ein Flugzeug im Landeanflug über seinen Kopf hinweg donnert. Passend zum "Tag gegen den Lärm", der diesmal auf diesen Mittwoch (29.04.2020) fällt.

Kampf gegen Fluglärm

Stößer wohnt in Siegburg, nicht weit vom Flughafen Köln/Bonn. Seit vielen Jahren kämpft er mit der Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln/Bonn gegen die ständig wachsende Zahl der Flüge, die den Anwohnern besonders nachts die Nerven rauben. 70 Maschinen seien es in einer normalen Nacht zwischen 22 und fünf Uhr, sagt er.

Doch jetzt ist durch die Corona-Krise alles anders, denn der Passagierverkehr ist fast komplett zum Erliegen gekommen. Es sei wieder "wie ganz, ganz früher", sagt Stößer - oder wie 2010, als wegen des Vulkanausbruchs auf Island der Flugverkehr ein paar Tage lang eingestellt war.

Motorradlärm hat zugenommen

Zwei Motorräder fahren in eine Rechtskurve

Schönes Wetter: Gute Zeit für Motorradfahrer

Ganz anders erlebt eine andere Fraktion der Lärmgeplagten die aktuelle Zeit: Die Initiative "Zu Laut!" gegen Motorradlärm. Zwar seien weniger Autos auf den Straßen unterwegs, dafür aber umso mehr Motorradfahrer, stellt Hans Jürgen Laufer, Gründer und Sprecher der Initiative, fest.

Sein Wohnhaus liegt am Ortsausgang von Hattingen, direkt an der L651. "Wir sind die Durchgangsstrecke Richtung Hattinger Hügelland", einer wegen seiner Schönheit und kurvigen Straßen besonders bei Motorradausflüglern beliebten Gegend.

Zwei Prozent aller Herzinfarkte durch Verkehrslärm

180 Motorräder in zwei Stunden hat die Initiative hier zu normalen Zeiten schon gezählt. Jetzt, seit der Corona-Krise, seien es deutlich mehr. "Die Leute fahren nicht weg am Wochenende, dafür setzen sie sich aufs Motorrad", sagt Laufer. Karfreitag sei für die Anwohner "eine Katastrophe" gewesen: "Über dem gesamten Hattinger Hügelland lag ein Lärmschleier."

In NRW sei die Lärmsituation aufgrund der Dichte der Verkehrsnetze und der hohen Bevölkerungszahl "besonders problematisch", stellt das Landesumweltamt fest - zumindest bis zum Beginn der Corona-Krise. Rund 1,4 Millionen Menschen, so das Umweltamt, seien nachts "gesundheitsschädlichen Lärmpegeln von über 55 Dezibel" ausgesetzt, in 64 Prozent der Fälle durch stark befahrene Straßen.

Alltagslärm könne zu gesundheitlichen und psychischen Problemen führen - von Schlafstörungen bis hin zu lebensbedrohlichen Krankheiten. Nach Einschätzung des Umweltbundesamts sind etwa zwei Prozent aller Herzinfarkte dem Verkehrslärm zuzuschreiben.

Hoffnung auf Einsicht

Vielleicht, so hofft der fluglärmgeplagte Manfred Stößer, führe diese Zeit der Krise ja dazu, dass sich Menschen künftig kritischer fragen, wieviel Mobilität wirklich sein muss. Ob Politiker wirklich nach Berlin fliegen müssen, anstatt per Video zu konferieren, oder "ob ich am Wochenende zum Shoppen nach Barcelona fliegen muss".

Stand: 29.04.2020, 06:00