"Herausforderung angenommen" - digitale Zuflucht in Corona-Zeiten

Facebook-App auf einem Smartphone

"Herausforderung angenommen" - digitale Zuflucht in Corona-Zeiten

Von Ingo Neumayer

  • Online-Spiele und -Quizze boomen in Corona-Zeiten
  • Social Media für viele die einzige Verbindung nach außen
  • Verbraucherzentralen weisen auf Datenschutzprobleme hin

Corona-Zeiten sind Boom-Zeiten für soziale Medien. Seit der Einführung der Kontaktbeschränkungen steigen die Zugriffszahlen auf Facebook, Instagram, Twitter und Co. deutlich. Und zwar nicht nur, was Informationen und Nachrichten angeht.

Auch Zerstreuung, Unterhaltung und Ablenkung stehen hoch im Kurs: Welcher Star ist dein Doppelgänger? Wer war Platz Eins der Hitparade in der Woche deiner Geburt? Wie sahst du mit 5, 15 oder 25 aus?

Wer derzeit Facebook und ähnliche Plattformen aufruft, wird dort schnell diese oder ähnliche Aufrufe und Spiele finden: "Herausforderung angenommen!"

Psychologe: Social Media sorgt für "Verbundenheit"

Für Psychologen ergibt sich dort ein interessantes Beobachtungsfeld. "Soziale Medien sind für viele Menschen derzeit die einzige Möglichkeit, Verbundenheit und Zugehörigkeit herzustellen", sagt Phillip Ozimek, Sozial- und Medienpsychologe an der FH Münster.

Psychologe Phillip Ozimek

Psychologe Ozimek: "Riesenchance für das Wohlbefinden"

Für ihn bieten die Vernetzungsaspekte der sozialen Medien eine "Riesenchance für das psychische Wohlbefinden", die es vor 20 oder 30 Jahren nicht gegeben hätte.

Den Hang zu Spielen und Challenges nennen Psychologen "Eskapismus", also eine Art "Online-Flucht in eine heile Welt". Allerdings ist es für Ozimek bedeutsamer, sich mit anderen zu verbinden: "Man kann erfahren, was die anderen Menschen machen, was sie worüber denken, womit sie sich beschäftigen. Das geht auf verschiedene Arten – und eben auch in Spielform."

Nostalgie und heile Welt

Viele der Spiele und Challenges bedienen nostalgische Reflexe: Tolle Konzerte, Frisuren von früher, der letzte Urlaub. Auch dafür findet Psychologe Ozimek eine Erklärung: "Bei einigen herrscht Untergangsdenken, als würde man nie wieder auf Konzerte gehen können oder in den Urlaub fahren. Mit dem Blick zurück kann man der unsicheren Zukunft etwas entgegenstellen."

Datenschutz nicht außer Acht lassen

Allerdings stellt sich hier wie so oft in sozialen Medien die Frage: Was gibt man von sich Preis? "Jedes dieser Phänomene bringt natürlich Datenschutzfragen mit sich", sagt WDR-Digitalexperte Dennis Horn.

Wo landen meine Daten und was passiert mit ihnen? "Diese Fragen kann man schwer beantworten, da die Spiele sehr unterschiedlich gelagert sind", so Horn.

Die Verbraucherzentrale NRW weist immer wieder auf die Probleme hin, die bei der Nutzung von Facebook-Apps und -Spielen entstehen. Wer sichergehen will, dass keine Daten weitergegeben werden, sollte seine Einstellungen prüfen – oder auf das Spielen verzichten.

Stand: 18.04.2020, 06:00

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