In der Schule: Alle 20 Minuten lüften!

In der Schule: Alle 20 Minuten lüften!

Von Lena Sterz / Julius Schmidt

Nach den Herbstferien wird es in NRW-Schulen kalt: Das Bundesumweltamt empfiehlt regelmäßiges Lüften. Lehrer bereiten sich vor.

Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt, alle 20 Minuten die Fenster im Raum für etwa fünf Minuten zu öffnen. In einer Handreichung für die Kultusministerkonferenz (KMK) heißt es, die Fenster zu kippen oder nur teilweise zu öffnen reiche nicht aus. Das sogenannte Querlüften durch gegenüberliegende Fenster sei ideal.

"In manchen Klassenräumen war es schon vor den Herbstferien so kalt, dass alle Schüler die ganze Zeit ihre Winterjacke anhatten," sagt eine junge Lehrerin aus Bonn, die einen kalten Winter in der Schule erwartet. "Ich habe mir jetzt Thermounterwäsche gekauft."

Zwischenruf - Lüften im Winter

WDR 3 Resonanzen 06.10.2020 02:59 Min. Verfügbar bis 06.10.2021 WDR 3

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Wie bereiten sich die Schulen in NRW auf den Corona-Winter vor?

Eine Befragung der Lehrergewerkschaft GEW hatte im September gezeigt, dass sich fast 70 Prozent der Lehrkräfte in Sachen Infektionsschutz durch die gegenwärtigen Maßnahmen der Landesregierung nur mangelhaft (39 Prozent) oder ungenügend (29 Prozent) geschützt fühlen.

An einzelnen Schulen werden "CO2-Ampeln" getestet, die rot leuchten, wenn es Zeit ist zu lüften. Teilweise werden in NRW auch Luftfilteranlagen getestet, etwa in Herne. Aber nur wenige Schulträger scheinen in solche Lösungen zu investieren.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hält Luftfilteranlagen in Klassenräumen gegen das Coronavirus zwar für eine gute Lösung – aber flächendeckend für zu teuer. Die Geräte würden bei rund 100 Euro Kosten pro Schüler "Unsummen verschlingen".

In der Gastronomie oder im Einzelhandel sollen die Luftfilter aber offenbar gefördert werden. "Damit könnten wir gerade im Herbst und Winter neue Möglichkeiten für die Branchen schaffen, ohne dass die Gesundheitsrisiken steigen", zitiert die "Rheinische Post" NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP).

Luftfilter gegen Corona: Wie lösen das andere Bundesländer?

Bayern finanziert als erstes Bundesland Luftfilter und "CO2-Ampeln" für viele Schulen: 37 Millionen Euro stellt der Freistaat dafür zur Verfügung.

Auch das Bundesland Berlin hat angekündigt, Luftfilteranlagen und "CO2-Ampeln" in größerem Stil zu testen. In den meisten anderen Bundesländern setzen die Schulministerien weiter nur aufs Lüften.

Was sagen Wissenschaftler und Gesundheitspolitiker dazu?

Optimal wäre eine Kombination aus hochwertigen Luftfilteranlagen mit Hepa-Spezialfiltern der Schutzklassen H13 oder H14 und Plexiglas-Wänden zwischen allen Schülern, wenn der Abstand von 1,50 Metern nicht eingehalten werden kann. Das sagt Professor Christian Kähler von der Universität der Bundeswehr in München.

Karl Lauterbach (Archivbild vom 26.05.2020)

Karl Lauterbach

SPD-Gesundheitspolitiker und Epidemiologe Karl Lauterbach ist der Meinung, dass die Investition in mobile Luftreinigungsanlagen auch jetzt noch sinnvoll ist, weil seiner Einschätzung nach für Kinder im Jahr 2021 keine Impfungen zur Verfügung stehen werden. Damit Schüler und Lehrer besser vor dem Virus geschützt sind - und weniger frieren müssen.

Corona und Winter Ihre Meinung 08.10.2020 UT DGS Verfügbar bis 08.10.2021 WDR Von Jens Eberl

Stand: 15.10.2020, 13:12