Computertaste mit der Aufschrift Fake News

Influencer sollen für Geld Fake News über Biontech verbreiten

Stand: 26.05.2021, 17:54 Uhr

Dubiose Quellen bieten Influencern Geld für die Verbreitung von Fake News über den Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer. Auch MrWissen2go wurde kontaktiert. Die Spuren führen nach Russland.

Der Kampf gegen die Corona-Pandemie war von Anfang an auch ein Kampf gegen Fake News. Aktuell wird weltweit Influencern Geld angeboten, damit sie Fake News über Biontech/Pfizer verbreiten, von angeblichen Impf-Toten ist die Rede. Angeblich kommen die dubiosen Angebote von einer Social-Media-Agentur in London. Nach Recherchen des ARD-Magazins Kontraste und Netzpolitik.org führen die Spuren nach Russland.

Auch Bundesinnenministerium mit Fall befasst

Beim Absender der E-Mail-Nachricht mit dem zweifelhaften Angebot handelt es sich demnach um eine Briefkastenfirma mit Verbindungen nach Russland. Mehrere Personen aus Russland lassen sich dem Unternehmen zuordnen. Technisch gibt es Überschneidungen mit einer anderen Agentur, ebenfalls mit Verbindungen nach Russland. Der Fall beschäftigt nach Recherchen von Kontraste und Netzpolitik.org auch das Bundesinnenministerium und die Sicherheitsbehörden.

MrWissen2go sollte mitmachen

Neben YouTubern in Frankreich, Brasilien, Venezuela und Indien wurde in Deutschland auch der als MrWissen2go bekannte Journalist und YouTuber Mirko Drotschmann kontaktiert. Er verbreitet auf seinem werbefreien YouTube-Kanal locker aufbereitetes Wissen für junge Menschen.

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Plumpe Kontaktanbahnung

Im Gespräch mit dem WDR schildert er es habe von der Agentur in London keine vorsichtige Kontaktanbahnung gegeben: "Da wurde direkt mit der Tür ins Haus gefallen." Ihm wurde Geld geboten, wenn er bei einer Kampagne gegen Biontech und für Astrazeneca werbe. Konkret sollte er einen Link verbreiten "mit angeblichen Daten eines Hacks zu Todesfällen bei Biontech-Impfungen". Ziel der Kampagne sei, Astrazeneca zu pushen und Biontech schlecht zu machen.

Er solle das bitte als persönlich Meinung ausgeben, "das ist in Deutschland klar illegal", so Drotschmann. Eine konkrete Summe sei ihm nicht genannt worden, aber von anderen wisse er, dass durchaus vierstellige Beträge gezahlt wurden. "Es scheint ein größeres Budget vorhanden zu sein", schlussfolgert der YouTuber.

Wer steckt hinter der Kampagne?

Drotschmann ist sich sicher, "dass nicht nur London eine Rolle spielt, sondern vor allen Dingen Moskau". Auch seine Recherchen belegen die Verbindungen nach Moskau. Bleibt die Frage, wer wirklich dahinter steckt.

Entsprechende Nachfragen an die Agentur seien mit dem Hinweis, das sei geheim, beantwortet worden, sagt Mirko Drotschmann. Er findet es bemerkenswert, wie plump vorgegangen wurde. Denkbar ist seiner Meinung nach auch, dass "jemand gucken wollte, wie weit die Leute für Geld gehen". Dann wäre die Fake-News-Kampagne selbst ein Fake.

Hart umkämpfter Impfstoff-Markt

Fakt ist, dass auf dem Weltmarkt mehrere Impfstoffe miteinander konkurrieren. Von den in der EU zugelassenen Impfstoffen genießt der von Biontech/Pfizer ein besonders hohes Vertrauen. Da auch künftig immer wieder Auffrischungen der Covid-Impfungen nötig sein werden, handelt es sich um ein sehr zukunftsträchtiges Milliardengeschäft.

Der russische Impfstoff Sputnik V ist nicht in der EU zugelassen - noch nicht, die Prüfungen durch die EMA laufen derzeit. Bereits Anfang April war der offizielle Twitter-Account des russischen Vakzins aufgefallen, weil mit irreführenden Zahlen Russland an die Spitze der Impfstatistik geschummelt wurde.