Leere Stühle - Gastronomen sind Corona-Verlierer

Leere Stühle - Gastronomen sind Corona-Verlierer

Von Lena Sterz

  • Protestaktion mit leeren Stühlen am Freitag (24.04.2020)
  • Restaurants in NRW leiden unter Corona-Beschränkungen
  • Liefer- und Abholangebot können nicht viel Umsatz auffangen
  • Verband: Größere staatliche Zuschüsse sind nötig

Als Gunter Weber im Januar 2020 das "Punto", die älteste Kneipe Rheinbergs, übernahm, war er zuversichtlich: "Wir hatten viele Reservierungen, viele Veranstaltungen geplant und unser Restaurant liegt in der Fußgängerzone - wir hatten überhaupt keine Angst, den Umsatz nicht zu erfüllen."

Kölner Gastronomen machen mit einer Protestaktion vor dem Dom auf ihre Situation in der Corona-Krise aufmerksam.

Protest in Köln.

Jetzt ist sein Restaurant schon länger als einen Monat geschlossen. Er und sein Geschäftspartner versuchen, über einen Abholservice ein wenig Umsatz zu erzielen. "Im Moment wissen wir nicht, wie es weitergeht und wie lange wir noch durchhalten", sagt er.

Seine neueste Idee, um den Umsatz anzukurbeln: Ein-Liter-Krüge "Bier-to-go". Die würden zwar gut angenommen, aber langfristig sein Geschäft auch nicht retten.

Leere Stühle auf Marktplätzen in ganz NRW

Mit einer gemeinsamen Aktion machen das "Punto" und andere Restaurants, Cafés und Kneipen in ganz NRW auf ihre Situation aufmerksam. Am Freitag (23.04.2020) stehen in Köln, Düsseldorf, Essen und Münster, aber auch in kleineren Orten wie Paderborn und Borken, von 11 bis 13 Uhr leere Stühle auf wichtigen Plätzen.

Dürener Gastronomen machen mit einer symbolischen Aktion auf ihre Situation in der Corona-Krise aufmerksam

Protest in Düren.

Laut Dehoga-Verband NRW haben sich im ganzen Westen Gastronomiebetriebe zusammengetan, um an der Aktion teilzunehmen. Dresdener Gastwirte hatten am vergangenen Freitag (17.04.2020) hunderte leere Stühle und eine festlich gedeckte Tafel vor die Dresdener Frauenkirche gestellt. Eine Woche später findet die Aktion jetzt bundesweit statt.

Verband: Mehrwertsteuer-Senkung reicht nicht

Paderborner Gastronomen machen mit einer Protestaktion auf ihre Situation in der Corona-Krise aufmerksam.

Protest in Paderborn.

Einen ersten Erfolg haben die Gaststätten-Verbände erreicht: Ein Jahr lang wird für sie die Mehrwertsteuer von 19 Prozent gesenkt: Vom 1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021 gilt der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent.

Laut Dehoga-Sprecher Thorsten Hellwig wäre ein Rettungspaket nötig: "Wenn Sie keine Umsätze haben, bringt auch ein reduzierter Mehrwertsteuersatz nix - wo keine Umsätze, da keine Einsparungen." Die schon beschlossenen Soforthilfen würden nicht ausreichen, um die laufenden Kosten zu decken.

Keine Perspektive - Die Gastronomie als Corona-Verlierer

WDR 5 Profit - aktuell 22.04.2020 06:39 Min. Verfügbar bis 22.04.2021 WDR 5


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Der Verband befürchtet, dass Zehntausende Betriebe in NRW Pleite gehen könnten, wenn es keine zusätzlichen finanziellen Hilfen geben sollte.

Öffnungsschritte nach dem 4. Mai

Leere Tische und Stühle auf dem Essener Kennedyplatz bei strahlendem Sonnnenschein

Protest auf dem Essener Kennedyplatz.

Beim Treffen von Bund und Ländern am 30. April 2020 wird die Diskussion um Lockerungen für Gastronomiebetriebe laut NRWs-Wirtschaftminister Andreas Pinkwart (FDP) auf der Tagesordnung stehen - mit Blick auf den 4. Mai.

Gunter Weber aus Rheinberg hofft, dass er vielleicht Mitte Mai wieder öffnen darf: "Wir würden auch alle Auflagen erfüllen, die die Regierung uns stellen würde."

Trinkgeldzahlen in Coronazeiten

WDR 5 Westblick - aktuell 21.04.2020 04:45 Min. Verfügbar bis 21.04.2021 WDR 5 Von Ines Grunow


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Stand: 24.04.2020, 12:02