Coronavirus: 300 Karnevalsfeiernde sollen in Quarantäne

Eine Prinzenkappe im Gegenlicht

Coronavirus: 300 Karnevalsfeiernde sollen in Quarantäne

  • 300 Besucher der Kappensitzung sollen in Quarantäne
  • Betroffene sollen sich bei den Behörden melden
  • Kreis: Mehrere Hundert bereits unter häuslicher Quarantäne
  • Supermarktkette möchte mit Lieferdienst helfen

Ein mit dem Coronavirus infiziertes Ehepaar aus Gangelt im Kreis Heinsberg hat vor dem Ausbruch der Krankheit viele Kontakte gehabt und am gesellschaftlichen Leben teilgenommen. Unter anderem haben sie Karneval gefeiert. Der Krisenstab des NRW-Gesundheitsministeriums hat daher am Mittwoch (26.02.2020) rund 300 Besucher einer Karnevalsveranstaltung aufgerufen, sich bei den Behörden zu melden.

Konkret handelt es sich um alle Besucher der Kappensitzung im Ortsteil Langbroich-Harzelt am 15. Februar. Alle Besucher und ihre Familien müssten für 14 Tage in häusliche Quarantäne gehen, teilte das NRW-Gesundheitsministerium in der Nacht zum Donnerstag mit.

Ein Arzt aus dem Kreis Heinsberg, der an der Sitzung teilnahm, ist bereits positiv getestet worden und befindet sich in Quarantäne.

Karnevalsverein meldet Mitglieder-Liste

Der Gangelter Karnevalsverein hat inzwischen nach eigenen Angaben die Namen seiner Mitglieder gemeldet. "Wir haben dem Kreis jegliche Unterstützung angeboten", sagte der Präsident des Karnevalsvereins "Langbröker Dicke Flaa", Wilfried Gossen, am Donnerstag. Unter den Karnevalisten herrsche zwar Besorgnis, aber keine Panikstimmung.

Sitzungsteilnehmer sollen sich melden

Alle Besucher der Kappensitzung werden gebeten, sich umgehend per E-Mail unter infektionsschutz@kreis-heinsberg.de mit folgenden Daten zu melden: Name, Adresse, Rufnummern, Geburtsdatum und Hausarzt. Seit Donnerstag gibt es für die Betroffenen auch ein Online-Meldeformular:

Das Ministerium bittet die Besucher der Sitzung darum, nicht die Notrufnummern zu blockieren oder selbstständig Arztpraxen oder Krankenhäuser aufzusuchen.

Coronavirus in NRW: "Möglichst lokal halten"

WDR 5 Morgenecho - Interview 27.02.2020 07:24 Min. Verfügbar bis 26.02.2021 WDR 5

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Bürgermeister: Gemeinde ist sehr motiviert

Nach Angaben von Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen haben sich bereits viele der Sitzungsteilnehmer gemeldet und es würden stündlich mehr. Die Gemeinde sei sehr motiviert, beim Eindämmen des Ausbruchs zu helfen. Eine Supermarkt-Kette habe bereits angeboten, einen Lieferdienst für Bürger einzurichten, die von der Quarantäne betroffen sind.

Mehrere Hundert Menschen bereits in Quarantäne

Der Sprecher des Kreises Heinsberg, Ulrich Hollwitz, schätzte am Donnerstagvormittag, dass inzwischen mehrere Hundert Menschen unter häuslicher Quarantäne stehen. Neben den Besuchern der Karnevalssitzung gelte die Quarantäne auch für das Personal und Kinder des Kindergartens, in dem die Frau des infizierten Paares beschäftigt ist. Und sie gelte auch Menschen, die in den Haushalten dieser Betroffenen leben. Genaue Zahlen erhebe der Kreis nicht.

Das Robert-Koch-Institut hat für Menschen, die nun in Quarantäne müssen, folgende Ratschläge zusammengestellt:

  • Zu Hause bleiben: Es ist sehr wichtig, dass die Quarantäne- und Hygieneregeln genau eingehalten werden - auch wenn die Betroffenen keine Beschwerden haben sollten. "Wenn Sie sich einmal unsicher sind, wie Sie sich in besonderen Situationen verhalten sollen oder welche Hygieneregeln zu beachten sind, fragen Sie vorher bei Ihrem Gesundheitsamt nach!"
  • Unterstützung finden: Für die medizinische Versorgung sollten Haus- und Fachärzte kontaktiert werden, auch das Gesundheitsamt kann helfen und zum Beispiel Medikamente organisieren. Für der Versorgung mit Lebensmitteln sollten Familie, Freunde und Nachbarn darum gebeten werden, einzukaufen und die Waren vor der Tür abzustellen. Auch hier hilft im Zweifel das Gesundheitsamt.
  • Familie im Blick: Für Familien mit Kindern kann häusliche Quarantäne eine besondere Herausforderung sein. Das Robert-Koch-Institut rät, zum Beispiel mit den Kindern so gut es geht in Kontakt zu bleiben. "Wenden Sie sich an Ihr Gesundheitsamt, wenn Sie Unterstützung bei der Versorgung Ihrer Kinder brauchen oder wenn Sie Hinweise darauf haben, dass Ihre Kinder im Kindergarten oder der Schule ausgegrenzt werden."
  • Seelische Gesundheit pflegen: Mit einer Quarantäne können psychosoziale Belastungen einhergehen. Dazu gehören zum Beispiel Ängste und Sorgen vor einer Ansteckung, das Gefühl, ausgegrenzt zu werden, Einsamkeit, Anspannung oder Schlafstörungen. Daher sollten Betroffene per Telefon oder Internet Kontakt zu Bezugspersonen halten. Auch Sport könne helfen, Spannungen abzubauen.
  • Rechtliche Bestimmungen: Verstöße gegen eine angeordnete Quarantäne können mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden. Die Anordnung einer Quarantäne ist rechtlich im Infektionsschutzgesetz geregelt. Erwerbstätige, die wegen einer angeordneten Quarantäne einen Verdienstausfall erleiden, haben in der Regel einen Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung.

Stand: 27.02.2020, 13:03