Corona-Wochenende: Was ist mit dem Abstand?

Fußgängerzone nach der Lockerung der Corona-Beschränkungen

Corona-Wochenende: Was ist mit dem Abstand?

  • Viele Menschen werfen Corona-Regeln über Bord
  • Psychologe Jürgen Margraf: Die Menschen schätzen das Virus falsch ein
  • Verhaltensregeln jetzt erst recht einhalten

Jugendliche ziehen grüppchenweise durch die Innenstadt, im Supermarkt kaufen Männer für einen größeren Grillabend ein, Pärchen sitzen eng umschlungen auf der Parkbank - alles ohne Maske und ohne Abstand. Die Maske wäre zwar erst ab Montag ein Problem. Aber auch die Abstandsregel, die schon lange gilt, wird über Bord geworfen, als gäbe es kein Corona.

Dabei hat das Virus noch vor einigen Wochen Angst und Schrecken verbreitet. Hamsterkäufe waren die Folge, Händewaschen wurde Pflicht und Zuhausebleiben die neue Norm - bis jetzt jedenfalls. Seit einigen Tagen wimmelt es draußen geradezu. Haben die Menschen keine Angst mehr vor Corona?

Ungeduld und ein falsches Gefühl der Sicherheit

Ein Mann mit grauen Haaren steht mit einem Anzug bekleidet vor einer Glasfassade

Warnt vor falschem Sicherheitsgefühl: Psychologe Jürgen Margraf

"Da kommen mehrere Dinge zusammen", sagt Jürgen Margraf, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Ruhr-Uni Bochum. "Die Menschen werden ungeduldig, vor allem junge Leute wollen endlich raus." Außerdem ist den Meisten das Virus, das sie anfangs bedrohlich fanden, nicht mehr so fremd. Jetzt hätten sie das Gefühl: "Uns kann nichts passieren" - und wiegen sich in Sicherheit. Also halten sie keinen Abstand mehr und verzichten auf die Maske, solange es geht: "Die sieht ja auch uncool aus und müffelt", wie Margraf sagt. Er trägt sie trotzdem konsequent.

Die Ansteckungsgefahr ist gestiegen

Hände waschen, Männerhände

Bleibt ein Muss: Händewaschen

Denn Margraf hält es mit Bundeskanzlerin Merkel, die warnt, wir seien noch nicht über den Berg. Die Forschungsergebnisse der Virologen überzeugen ihn: Margraf findet Maske, Händewaschen und Abstand wichtiger als vorher. Er lässt keinen Zweifel daran, dass er die Lockerungen für verfrüht hält und verweist auf die Zahlen: Inzwischen gebe es mehr als 150.000 Infizierte ind Deutschland, und "damit ist auch das Risiko viel höher, angesteckt zu werden". Und weil das Vertrauen in die Möglichkeiten der Medizin übertrieben sei, bliebe nur eines: alle Verhaltensregeln beachten. Margraf: "Jetzt haben wir noch die Möglichkeit, das Virus in den Griff zu bekommen."

Picknicks am Rhein? Verboten!

Jetzt steht wieder ein Wochenende vor der Tür, das nicht ganz so sonnig, aber regenfrei wird. Wahrscheinlich wird es dann auch wieder unerlaubte Picknicks am Rhein und Motorradfahrer-Treffen im Sauerland geben. Polizei und Ordnungsämter haben schon angekündigt, dass sie ein Auge auf die Sonnenhungrigen haben und notfalls ein Bußgeld verhängen werden. Kostenpunkt: 200 Euro - pro Person.

Abstandsgebot und Treffen: Welche Regeln gelten in der Öffentlichkeit?

Derzeit dürfen sich in NRW laut Corona-Schutzverordnung bis zu zehn Menschen im öffentlichen Raum ohne Mindestabstand treffen, wenn der Inzidenzwert vor Ort niedrig ist (weniger als 35 Neuinfektionen pro 100.00 Einwohner). Diese Obergrenze gilt nicht bei Verwandten in gerader Linie (Geschwister, Ehegatten, Lebenspartnerinnen und Lebenspartner) oder wenn alle Personen zu nur zwei Haushalten gehören.

Zudem gilt generell ein Mindestabstand von 1,5 Metern. Wo dieser nicht eingehalten werden kann, zum Beispiel im öffentlichen Nahverkehr und Geschäften, gilt eine Maskenpflicht.

Sobald es in einer Kommune mehr als 35 Neuinfektionen pro 100.00 Einwohner in einer Woche gibt, gelten diese Regeln:

  • Veranstaltungen, Versammlungen und Kongresse mit mehr als 1.000 Personen sind verboten.
  • An besonderen Feste wie Hochzeiten dürfen außerhalb der eigenen Wohnung maximal 25 Menschen teilnehmen.
  • Bei Konzerten, Aufführungen und Versammlungen in geschlossenen Räumen sowie bei Sportveranstaltungen gilt auch am Sitz- oder Stehplatz eine Maskenpflicht.
  • Auch in der Öffentlichkeit gilt an stark besuchten Orten wie Fußgängerzonen eine Maskenpflicht. Wo genau, wird vor Ort entschieden.

Ist der Grenzwert von 50 Neuinfektionen überschritten, werden die Regeln noch einmal verschärft:

  • Bei Veranstaltungen sind nur noch 100 Personen erlaubt - egal ob drinnen oder draußen. Für mehr Teilnehmer braucht es eine Ausnahmegenehmigung der Behörde.
  • Gastronomische Einrichtungen wie Restaurants oder Bars müssen um 23 Uhr schließen. Die Sperrstunde gilt bis 6 Uhr. Auch der Verkauf von Alkohol an Tankstellen oder Kiosken ist in dieser Zeit verboten.
  • Besondere Feste wie Hochzeiten sind nur noch für zehn Menschen erlaubt (gilt ab Montag).
  • In der Öffentlichkeit dürfen sich außerhalb von Familien und Personen zweier Haushalte nur noch Gruppen von höchstens fünf Personen treffen.

Stand: 23.10.2020

Stand: 24.04.2020, 20:23