Digitaler Unterricht in NRW - eine Bilanz

Digitaler Unterricht in NRW - eine Bilanz

Von Dominik Reinle

  • Letzter Schultag vor den Osterferien: wegen Corona ein besonderer Tag
  • Für Schüler und Lehrer endet vorerst das Homeschooling
  • Was hat der digitale Unterricht gebracht?

Seit drei Wochen sind die Schulen in NRW wegen der Corona-Krise geschlossen. Für die Schüler hieß das: zu Hause lernen. Das war auch für die Eltern eine Ausnahmesituation, sagte Jacqueline Schneider aus Duisburg am Freitag (03.04.2020) vor den Osterferien dem WDR: "Das Härteste war, keine Ruhephasen zu haben."

Als Alleinerziehende musste sie zusätzlich zu ihrer Arbeit im Homeoffice immer auch ein offenes Ohr für die Schulfragen ihrer beiden Kinder haben. Liegengebliebene Hausaufgaben sollen darum in den Ferien nachgearbeitet werden.

Unterschiedliche technische Ausstattung

"Das Homeschooling-Modell ist schwer und wir Eltern können die Lehrer nicht ersetzen", sagte Andrea Heck, Landesvorsitzende des NRW-Elternvereins dem WDR. Die Krise biete aber auch Chancen, die Kommunikation zwischen Eltern, Lehrern und Schülern zu verbessern.

Allerdings sei die Lernsituation je nach Haushalt unterschiedlich, ergänzte Anke Staar, Vorsitzende Landeselternkonferenz NRW. So hätten einige Schüler zu Hause voll ausgestattete Büros zur Verfügung, andere wiederum hätten "weder einen PC, noch einen Laptop, geschweige denn Online-Zugänge" und könnten nur über Handy oder sogar per Post kommunizieren.

Schulministerium ist "sehr zufrieden"

Dennoch zieht das NRW-Schulministerium ein positive Bilanz: "Angesichts der Herausforderungen können wir sehr zufrieden sein", sagte Staatsekretär Mathias Richter dem WDR. Die Lehrer hätten die Schüler angemessen mit Aufgabenstellungen und Material angeleitet.

Das Ministerium habe die Lehrkräfte insgesamt elf Mal über die sogenannte Schulmail mit den notwendigen Informationen versorgt und in einem guten Kontakt mit allen Schulleitungen in NRW gestanden.

Lerntempo um ein Viertel langsamer

Auch nach Recherchen des WDR-Bildungsexperten Armin Himmelrath lief das E-Learning zu Hause "erstaunlich gut". Im WDR5-Morgenecho sagte er am Freitag: "In der großen Zahl der Fälle sagen die Beteiligten: Doch, das klappt eigentlich ganz gut. Und für die Vorbedingungen, die wir hatten, sogar erstaunlich gut."

Dennoch sei nach Angaben von Lehrern, das Lerntempo beim Homeschooling um etwa einen Viertel langsamer als beim Unterricht in der Schule. Trotzdem: "Die Corona-Krise bringt uns letztlich vier oder fünf Jahre schneller nach vorne, als wir das ohne diese Krise im Bereich digitales Lehren erlebt hätten", sagt Himmelrath.

Schule zu Hause: "Klappt erstaunlich gut"

WDR 5 Morgenecho - Interview 03.04.2020 05:19 Min. Verfügbar bis 02.04.2021 WDR 5

Download

Mehr Chancengleichheit gefordert

Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) steht nun die Politik in der Pflicht: "Die Unterschiede in den Bildungschancen treten derzeit zu Tage, wie sie noch nie zu Tage getreten sind", sagte Maike Finnern, Vorsitzende der GEW NRW, dem WDR.

Das "Hopplahopp" des Wechsels in den digitalen Unterricht habe gezeigt, wie unterschiedlich die Lernsituationen von Schülern seien. Die Politik müsse nun entschieden mehr für gleiche Bildungschancen tun.

Wann öffnen die Schulen wieder?

Ob die Schulen nach den Osterferien wieder öffnen können, ist noch nicht entschieden. Bislang plant das Schulministerium nach eigenen Angaben weiterhin den Schulstart für den 20. April und den Beginn der Abi-Prüfungen für den 12. Mai.

"Es werden aber auch andere Szenarien vorbereitet", sagte Staatssekretär Richter dem WDR. Falls es die Lage erfordere, werde "rechtzeitig neu entschieden" und entsprechend informiert.

Abi findet statt: "Chance vertan"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 26.03.2020 01:41 Min. Verfügbar bis 26.03.2021 WDR 5 Von Armin Himmelrath

Download

Stand: 03.04.2020, 14:01