Auto-Zulieferer suchen Ausweg aus der Corona-Krise

Auto-Zulieferer suchen Ausweg aus der Corona-Krise

Von Heiko Dolle

  • Auslastung der Werke noch weit unter 50 Prozent
  • Problem: Interesse an Neuwagen stark gesunken
  • Stabilisierung der Lieferkette setzt Betriebe unter Druck

Im Attendorner Werk von Kirchhoff Automotive laufen am Donnerstag (30.04.2020) die letzten Vorbereitungen. Noch stehen die Maschinen still, doch kommende Woche soll die Produktion mit wenigen Mitarbeitern wieder anlaufen. Mit 25 statt 120 Beschäftigten pro Schicht werden dann in dem Werk im Sauerland unter anderem Teile für Autokarosserien hergestellt. Am 11. Mai, so hofft man, soll die Produktion in allen 30 Produktionswerken weltweit auf bis zu 50 Prozent wieder hochgefahren werden. Die Zulieferer folgen damit den Autobauern, die die Produktion wieder anfahren – so etwa Ford in Köln am kommenden Montag (04.05.2020).

Genau wie Kirchhoff hat auch der Hella-Konzern in Lippstadt Kurzarbeit angemeldet, um die Verluste durch die Corona-Krise möglichst gering zu halten. Die weltweit 125 Werke des Herstellers von Lichttechnik und Fahrzeugelektronik sind zurzeit bis zu 30 Prozent ausgelastet. Hella stehe aber "in den Startlöchern", um die Produktion jederzeit hochfahren zu können, sagte Unternehmenssprecher Markus Richter dem WDR. In einem Punkt sind sich beide Unternehmen einig: "Wir sind davon abhängig, dass Autos verkauft werden!"

Autonachfrage stark gesunken

Doch danach sieht es zurzeit nicht aus. Nach einer Studie des Verbandes der Automobilindustrie hat sich der Absatz im März in Europa, China und Indien jeweils halbiert. In den USA und Brasilien ging es ebenfalls deutlich zweistellig abwärts. Die Zulieferer – in NRW sind tausende Menschen in der Branche beschäftigt – rechnen mit sinkenden Umsätzen, äußern sich aber nicht konkret zu Zahlen. Nach einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern befürchtet jedes dritte Unternehmen ein Umsatzminus von mehr als 25 Prozent in diesem Jahr.

Von der Lieferkette abhängig

Autoteile

Produktion kaum noch auf Lager

Ein weiteres Problem ist die Lieferkette: Viele heimische Automobilzulieferer produzieren kaum noch auf Lager, und noch immer sind Unternehmen in Italien und Spanien vom Shutdown betroffen. "Wenn Teile in Italien wegen der Corona-Krise nicht produziert werden, dann kann man sie nicht einfach in Plettenberg bestellen", erklärt Professor Andreas Nevoigt vom Labor für Fahrwerktechnik an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn.

Bei der Firma Hella in Lippstadt sieht man das Problem etwas gelassener. Da viele Unternehmen ihre Produktion eh erst langsam wieder hochfahren, "steht die Lieferkette nicht ganz so stark unter Druck" wie bei anderen Katastrophen, sagt Sprecher Markus Richter. Doch seine Kollegen von der firmeneigenen Abteilung für Krisenmanagement hätten "heiße Wochen hinter sich". Sie sind dafür zuständig, in kürzester Zeit nach Alternativen zu suchen, wenn die Lieferkette zu reißen droht.

Hella reagiert auf Corona-Virus 00:51 Min. Verfügbar bis 28.01.2021

Stand: 30.04.2020, 16:35