Coronavirus im Supermarkt - Gastkolumne

Corona: Verkäuferinnen vermissen Respekt Aktuelle Stunde 16.03.2020 03:14 Min. Verfügbar bis 16.03.2021 WDR

Coronavirus im Supermarkt - Gastkolumne

Von Farina Kerekes

  • Farina Kerekes ist Einzelhandelskauffrau aus Essen
  • Kund*innen kaufen mehr als die handelsübliche Menge
  • Eine Gastkolumne

Die letzten drei Wochen waren für mich die mental und körperlich anstrengendsten Arbeitswochen, die ich in meinen zwölf Jahren im Beruf je erlebt habe. Vor ungefähr drei Wochen ging es allmählich los. Auf einmal war das ganze Desinfektionsmittel ausverkauft, das Regal mit Toilettenpapier wurde immer schneller leer, Mehl und Nudeln genauso. Immer wieder die gleichen Fragen: "Gibt es noch Desinfektionsmittel?", "Wann wird wieder Klopapier geliefert?", "Warum sind die Regale so leer?", "Was machen die Leute mit dem ganzen Toilettenpapier?"

Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung, was die Leute mit so viel Toilettenpapier machen. Ich versuche alles, damit möglichst viele Leute Toilettenpapier kaufen können. Leider weiß ich nicht, wer von meinen Kund*innen gerade mehr kauft, als er oder sie tatsächlich benötigt. Ich kann nur immer wieder darauf hinweisen, dass im Einzelhandel nur in haushaltsüblichen Mengen gekauft werden darf, übrigens schon immer.

Erklären, was handelsübliche Mengen sind

Dazu ein Beispiel: Letzte Woche hatte ich eine Kundin an der Kasse, die ungefähr 15 Päckchen Wattepads und einen ganzen Karton voll mit Zahnpasta kaufen wollte. Natürlich habe ich ihr gesagt, dass sie jeweils nur drei Päckchen kaufen kann, da das keine haushaltsüblichen Mengen sind. Nachdem ich ihr noch ausführlich erklären musste, was genau eine haushaltsübliche Menge ist, hat sie nicht ohne zu meckern akzeptiert, dass ein Teil der Artikel im Laden bleiben muss.

Nach ihr habe ich ein Elternpaar abkassiert, das ungefähr 20 verschiedene Babygläschen gekauft hat. Daraufhin sprach mich die Kundin von davor nochmal an, warum "die" mehr als drei Stück kaufen dürften. Natürlich gilt für Produkte, von denen man viel verbraucht auch eine andere haushaltsübliche Menge, als für Produkte, von denen man nicht viel verbraucht! Am Tag verbraucht man deutlich mehr Babygläschen als Zahnpasta oder Wattepads.

Unverständnis bei Kund*innen

Diese Diskussion muss ich gerade regelmäßig führen und nicht selten ist es passiert, dass ich deswegen als "unfreundlich", "lächerlich" und "inkompetent" bezeichnet werde. Da kann ich nur zurückgeben, wer jetzt nicht akzeptieren will, dass Hamstern einfach nicht mehr drin ist, der ist unsolidarisch!

Beruf wichtig für Gesellschaft

Eigentlich mache ich meinen Job echt gerne, egal ob ich Regale auffülle, an der Kasse sitze oder Kund*innen berate. Ich wusste schon immer, dass dieser Job unabdingbar für unsere Gesellschaft ist, jetzt weiß es auch endlich mal der Rest. Ich gehöre jetzt zu den systemrelevanten Berufen.

  • Einzelshandelskauffrau aus Essen
  • Katzenmami
  • Gewerkschaftsmitglied

Stand: 21.03.2020, 15:51