Haarschnitt trotz Corona-Verbot: Eine Friseurin berichtet anonym

Eine Friseurin schneidet Haare (Symbolbild).

Haarschnitt trotz Corona-Verbot: Eine Friseurin berichtet anonym

  • Corona zwingt viele Berufsgruppen zur Pause
  • Friseure mussten wegen Ansteckungsgefahr wochenlang ihre Salons schließen
  • Viele Kunden wollten gerne die Haare geschnitten haben
  • Wir haben mit einer Friseurin gesprochen, die sich nicht an das Verbot gehalten hat

Friseursalons in NRW dürfen ab Montag (04.05.2020) wieder unter Hygieneauflagen öffnen. Darauf warten viele Kunden. Die Geduld hatten in den vergangenen Wochen nicht alle: Wir haben mit einer arbeitslosen, gelernten Friseurin gesprochen, die trotz Verbots ihre Dienste per Aushang angeboten hat. Da sie sich nicht an das Verbot gehalten hat, möchte sie anonym bleiben.

WDR.de: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, den Aushang aufzuhängen und Haarschnitte anzubieten?

Aushang, in dem jemand einen Haarschnitt anbietet

Friseurin: Das ist schon aus der Not heraus geboren. Von beiden Seiten. Von den Kunden her, weil die mich angesprochen haben, die möchten gern die Haare geschnitten haben und wissen nicht, wie. Und viele Männer - vor allem mit den Kurzhaarschnitten - fühlten sich sehr sehr unwohl. Und weil das Geld natürlich sehr, sehr knapp ist. Und dann hab ich gesagt: 'Ok, dann mach ich das!'.

WDR.de: Sie haben Aushänge gemacht, mit Ihrer Telefonnummer. Wer hat sich denn bei Ihnen gemeldet?

Friseurin: Überwiegend Männer und überwiegend die, die gewohnt waren, sehr regelmäßig zum Friseur zu gehen.

WDR.de: Sind das denn eher besser betuchte?

Friseurin: Ich habe Kunden, die immer noch regelmäßig arbeiten. Aber auch Schüler und Studenten, die im Moment nicht so viel Geld verdienen.

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WDR 4 Zur Sache 23.04.2020 02:02 Min. Verfügbar bis 23.04.2021 WDR 4 Von Stephan Karkowsky

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WDR.de: Wie viele Leute melden sich bei Ihnen?

Friseurin: Das ist nicht so viel. Vielleicht fünf Leute in der Woche.

WDR.de: Und wie funktioniert das dann? Kommen die Leute zu Ihnen oder fahren Sie hin?

Friseurin: Ich fahre hin. Ich hab auch nicht so viele Flyer verteilt. Ich wollte das wirklich aus der Not heraus.

WDR.de: Haben Sie sich vor einer Corona-Ansteckung geschützt?

Friseurin: Auf jeden Fall. Ich hatte beim Arbeiten immer eine Maske auf. Die Kunden haben sie teilweise nicht aufgesetzt, aber ich schon.

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WDR 5 Westblick - aktuell 20.04.2020 03:41 Min. Verfügbar bis 20.04.2021 WDR 5

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WDR.de: Auch Handschuhe?

Friseurin: Nein, nur eine Maske. Danach habe ich mir einfach die Hände gewaschen.

WDR.de: Können Sie denn vernünftig arbeiten, wenn die Kunden die Masken tragen?

Friseurin: Ja, es gibt Masken, die werden einfach nur hinter den Ohren angelegt, und das geht wunderbar.

WDR.de: Hatten Sie auch mal ein mulmiges Gefühl und Angst, dass Sie sich anstecken könnten?

Friseurin: Ja, vielleicht anfangs bei den ersten zwei, drei Kunden. Da hat man noch ein bisschen mehr drüber nachgedacht. Ich hab auch die Kunden gefragt, ob sie nicht Angst hätten. Also die Ehrlichkeit setze ich voraus - dass mich niemand anruft, der selbst krank ist.

WDR.de: Haben Sie denn nicht auch Angst gehabt, dass Sie die Polizei anruft oder so?

Friseurin: Ja, natürlich. Ich glaube, so einen Anruf hatte ich auch schon. Der wollte unbedingt meinen Namen wissen. Ich weiß nicht, ob das ein Polizist war oder nicht. Ich hab dann einfach aufgelegt. Damit muss ich natürlich rechnen. Aber ich hab ja gesagt: Das sind vier, fünf Leute in der Woche. Das ist - glaube ich - für das Finanzamt oder die Polizei nicht so relevant. Da passieren viel schlimmere Sachen.

Das Gespräch führte Giselle Ucar.

Wenn keiner Geld ausgibt – Existenzkampf in Zeiten von Corona Servicezeit Teil 1 von 2 24.04.2020 29:24 Min. UT Verfügbar bis 24.04.2021 WDR

Stand: 28.04.2020, 20:18