Impfstoff - Warum kann ich den nicht selber aussuchen?

Impfstoff - Warum kann ich den nicht selber aussuchen?

Wir beantworten Ihre Fragen zum Impfen gegen das Coronavirus. Hier: Wer entscheidet, wer welchen Impfstoff bekommt?

Mittlerweile hat die europäische Behörde drei Impfstoffe gegen Covid-19 zugelassen: Nach den Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna ist seit Ende Januar auch das des Herstellers Astrazeneca und der Universität Oxford auf dem Markt. Entgegen der Ankündigungen aber stehen derzeit von Biontech/Pfizer und Moderna nicht so viele Impfdosen zur Verfügung, wie nötig.

Da es beim Astrazeneca-Impfstoff bisher nicht genügend Tests zur Wirksamkeit bei älteren Menschen gab, hat die Bundesregierung beschlossen, ihn vorerst nur an Menschen unter 64 Jahren zu verimpfen. Die anderen beiden Impfstoffe sind somit den Älteren vorbehalten, solange hier der Vorrat knapp ist.

Eine Wahlmöglichkeit, welchen Impfstoff man bekommen möchte, gibt es also in Deutschland vorerst nicht.

Unterschiedliche Handhabung

Grund dafür ist außer der Knappheit auch die unterschiedliche Lagermöglichkeit: Das Mittel von Biontech/Pfizer muss extrem kühl gelagert und vor der Impfung noch aufbereitet werden. Der Moderna-Impfstoff ist zwar etwas einfacher in der Handhabung - er hält bei Kühlschranktemperatur bis zu einem Monat. Aber auch er wird zurzeit noch nicht in Einzeldosen hergestellt. Der Vektor-Impfstoff von AstraZeneca dagegen lässt sich sehr viel unkomplizierter handhaben. Er kann schon bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden.

Auch in Berlin keine Wahlfreiheit

Eine Ausnahme bildete bisher Berlin: In den fünf Impfzentren der Stadt werden verschiedene Stoffe verimpft. Impfkandidaten konnten zunächst frei wählen, in welchem Zentrum sie sich ihre Dosis abholten - und damit auch den Impfstoff. Dabei wurde aber deutlich, dass der Astrazeneca-Impfstoff von vielen Menschen offenbar verschmäht wird: Laut Bundesgesundheitsministerium seien von den mehr als 30.000 vorhandenen Impfdosen bis zum 15. Februar gerade mal 990 verimpft worden.

Für Menschen unter 65 Jahren gilt die Wahlfreiheit deshalb nun nicht mehr. Entsprechend der Vorgaben der Ständigen Impfkommission sind jetzt auch in Berlin die Stoffe von Biontech und Moderna den über 65-Jährigen vorbehalten. Alle Jüngeren bekommen den Astrazeneca-Impfstoff.

Auch aus Nordrhein-Westfalen wurde gemeldet, dass Hunderte Impftermine mit dem Produkt von Astrazeneca nicht wahrgenommen wurden.

Experten schätzen, dass es später in diesem Jahr eine Auswahlmöglichkeit geben könnte, wenn einige der Impfstoffe einfach über die Apotheken bezogen und von Hausärzten verimpft werden können. Konkrete Empfehlungen zur Verteilung der Impfstoffe gibt die Ständige Impfkommission. Schlussendlich sind für deren Umsetzung aber die Länder zuständig.

Auch das deutsche Biotech-Unternehmen Curevac arbeitet an einem mRNA-Impfstoff, der noch in diesem Jahr zugelassen werden soll.

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Stand: 18.02.2021, 14:37