Mit Tracking von Handydaten gegen Corona

Mit Tracking von Handydaten gegen Corona

Von Jörg Schieb

  • Infektionskette mit Handy-Tracking nachvollziehen
  • Es gibt verschiedene App-Lösungen
  • Tracking mit Rücksicht auf Datenschutz

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn weiß: Wer die Corona-Pandemie eindämmen will, muss schnell handeln. Bei jeder Infektion müssen die Gesundheitsämter in Erfahrung bringen, zu wem der Patient in den letzten 14 Tagen Kontakt hatte. Die Befragung ist aufwendig – und lückenhaft. Denn wer kann sich schon genau an jeden Kontakt erinnern, der möglicherweise zur Ansteckung geführt hat?

Hier kommt das Smartphone ins Spiel - genauer das Tracking von Handydaten. Mit Hilfe von Apps lässt sich ermitteln, wann und wo eine infizierte Person auf andere Menschen getroffen ist und sie womöglich angesteckt hat. Viele Deutsche haben Sorge, mit Apps getrackt zu werden – eine begründete Sorge. Aber es gibt eine Lösung, die keinen Anlass für Bedenken gibt.

Tracking von Handydaten und Daten der Kreditkarte in Südkorea

In Asien sind verschiedene Apps im Einsatz und haben bei der Eindämmung der Pandemie unterstützt. In Südkorea werden die Menschen gewarnt, wenn eine infizierte Person in der Nähe ist. Auch lässt sich nachvollziehen, wo einzelne Personen sich aufgehalten haben. Dazu werden wird auch der Einsatz von Kreditkarten getrackt, Überwachungskameras werden ausgewertet. Ein System, das für Deutschland nicht in Frage kommt. Denn es greift zu tief in die Privatsphäre.

Angeklickt: Coronavirus mit dem Smartphone tracken Aktuelle Stunde 13.03.2020 03:50 Min. Verfügbar bis 13.03.2021 WDR Von Jörg Schieb

Singapur als Vorbild?

In Singapur kommt ein anderes Konzept zum Einsatz. Hier können die Menschen freiwillig eine App laden. Die Smartphones tauschen sich per Bluetooth aus. Die App merkt sich zustande gekommene Kontakte. Etwa, wenn sich Personen mehrere Minuten im selben Raum aufhalten.

Die App weiß aber nicht, wer im Raum ist, sondern merkt sich eine ID, die pseudonym ist – Rückschlüsse auf auf Personen sind nicht möglich. Es werden auch keine Daten zentral gespeichert.

Erst wenn jemand infiziert ist, werden die Kontakte ausgelesen. Aber auch hier: Niemand weiß, wer wann wen getroffen hat. Das System informiert alle Betroffenen, die Kontakt mit der infizierten Person hatten, dass ein Infektionsrisiko besteht. Diese sollen sich melden, in Quarantäne begeben und testen lassen.

Datenschutz trotz Tracking

Das System könnte nun auch in Deutschland zum Einsatz kommen: In punkto Datenschutz unbedenklich – und trotzdem wirksam. Zumindest, wenn viele Menschen mitmachen. Anders als in Singapur soll die App auch keine Handynummer speichern. Eine Identifikation von Personen ist dann komplett ausgeschlossen.

Stand: 01.04.2020, 20:54