Restaurants, Kneipen und Cafés in NRW droht die Pleite

Biergarten des Freischütz in Schwerte

Restaurants, Kneipen und Cafés in NRW droht die Pleite

Von Lars Faulenbach

  • Gaststätten in NRW droht Pleitewelle
  • 85 Prozent der Betriebe wieder geöffnet
  • Soforthilfe reichte Vielen nicht

Kurz nach Mittag im Biergarten des "Freischütz" an der Stadtgrenze zwischen Schwerte und Dortmund. Das Wetter ist schön und rund 40 Menschen sitzen verteilt an den Tischen. Hardy Kurzhals holt nach einer Fahrradtour gerade am Bierwagen die Getränke für sich und seine Frau ab: "Wunderbar, ich finde es ganz klasse, dass man überhaupt wieder irgendwo was trinken kann."

Ausflugslokale haben von Lockerungen profitiert

Ausflugslokale wie der "Freischütz" sind es vor allem, die von den Lockerungen für Gastwirte, zuletzt an Pfingsten profitiert haben, sagt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA.

Vor allem das gute Wetter lockt Gäste trotz der Corona-Auflagen an, hat der Geschäftsführer des "Freischütz" Lars Winterkamp festgestellt: "Im Biergarten merkt man das schon, dass die Leute auch lockerer werden, besser mit der Situation umgehen können."

Kosten werden nicht gedeckt

Trotzdem reicht das bei weitem nicht aus, um die Kosten wieder reinzuholen, die etwa durch Personal und Pacht entstehen. Winterkamp und sein Partner betreiben neben dem "Freischütz" weitere Restaurants und Kneipen sowie eine Disco.

Im "Freischütz" haben sie außerdem einen Saal für 700 Gäste: "Wir sind sehr sehr stark vom Veranstaltungsgeschäft abhängig, und von daher fehlen uns insgesamt auf Unternehmensebene rund 70 Prozent der Umsätze."

85 Prozent der Betriebe wieder geöffnet

So wie Winterkamp geht es vielen Gastronomen in NRW, hat der Dehoga bei einer Befragung seiner Mitglieder herausgefunden. Zwar haben rund 85 Prozent der Betriebe seit den letzten Lockerungen wieder geöffnet. Aber fast alle verdienen deutlich weniger als erwartet, drei Viertel der Betriebe sogar nur die Hälfte oder weniger im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Freie Stühle und leere Kassen

WDR 5 Morgenecho - Interview 25.04.2020 07:27 Min. Verfügbar bis 25.04.2021 WDR 5

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Soforthilfe reicht nicht

Wie bei Lars Winterkamp und seinem Betrieb war die Soforthilfe oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Er und sein Kompagnon haben 25.000 Euro bekommen. "Das hat das uns liquiditätsmäßig drei bis vier Tage geholfen, Motivation für fünf bis sechs Tage gegeben. Aber das ist auch im März gewesen und jetzt sind wir im Juni."

Er brauche weitere substantielle Hilfe durch den Staat. Das gilt für viele Betriebe in NRW. Der Dehoga sieht rund ein Drittel der Gaststätten in NRW in ihrer Existenz bedroht. Deshalb begrüßt er das Hilfspaket, das die Bundesregierung am Mittwochabend geschnürt hat.

"Viele der Maßnahmen gehen in die richtige Richtung. Auf der einen Seite der Zufluss an direkten Mitteln durch Überbrückungshilfe und auf der anderen Seite die Reduzierung von "Abflüssen" durch den reduzierten Mehrwertsteuersatz." sagte Bernd Niemeier, Präsident des Dehoga NRW. Man werde aber genau beobachten, ob die Hilfen tatsächlich ausreichten um die Betriebe zu retten.

Welche Regeln gelten in NRW-Restaurants?

In NRW dürfen Restaurants und Gaststätten seit dem 11. Mai wieder öffnen. Die Erlaubnis gilt für den Innen- und den Außenbereich. Die wichtigsten Regeln aus der Corona-Schutzverordnung und den Hygiene- und Infektionsschutzstandards des Landes:

  • Eine Reservierung ist nicht erforderlich, wird zur Vermeidung von Warteschlangen aber empfohlen.
  • Gäste müssen sich nach Betreten von Restaurants die Hände waschen oder desinfizieren - auch im Außenbereich.
  • Gästen muss ein Platz zugewiesen werden - es gilt Sitzplatzpflicht.
  • Zwischen den Tischen muss ein Abstand von mindestens 1,5 Meter sein.
  • An einem Tisch dürfen maximal zehn Personen zusammensitzen - oder Personen aus zwei Hausständen.
  • Gäste müssen im Innenbereich eine Mund-Nasen-Maske (Behelfsmaske) tragen, solange sie nicht an ihrem Tisch sitzen. So kann etwa beim Gang auf die Toilette vom Mindestabstand zu anderen Tischen abgesehen werden.
  • Angestellte müssen im Kontakt mit Gästen eine Mund-Nasen-Maske tragen.
  • Buffets sind nur erlaubt, wenn die Gäste sich vor jeder Nutzung die Hände desinfizieren.
  • Auf Tischen müssen Listen (einschließlich Einverständniserklärung zur Datenerhebung) ausliegen. Pro Gruppe muss sich dort ein Gast eintragen, damit Kontakte bei Infektionen nachvollzogen und betroffene Gäste informiert werden können. Gastronomen müssen die Listen für vier Wochen aufbewahren.

Diskotheken und Clubs bleiben vorerst weiter geschlossen. Der Grund dafür ist laut Staatskanzlei, dass die Gäste dort keinen festen Sitzplatz haben, an dem sie bedient werden. Somit sei eine Rückverfolgung wie beispielsweise im Restaurant nicht möglich.

Stand: 10.07.2020

Stand: 04.06.2020, 15:30