Das Kölner Rhein-Energie-Stadion ist trotz Corona Höchstinzidenzen nahezu voll ausgelastet

Volles Stadion in Köln sorgt für Diskussionen

Stand: 29.11.2021, 15:07 Uhr

Kurzfristig hatte das Kölner Gesundheitsamt die Hygiene-Regeln beim ausverkauften Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach angepasst. Die Diskussionen über das volle Stadion in Köln gehen weiter.

Infektionszahlen auf Rekordhoch und eine besorgniserregende neue Virus-Variante. Die Corona-Situation ist aktuell so ernst wie noch zu keinem Zeitpunkt der Pandemie. Die Entscheidung des Kölner Gesundheitsamtes, 50.000 Zuschauer zum Derby in der Fußball-Bundesliga zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach zuzulassen, hat deshalb für Diskussionen und Unverständnis gesorgt.

"Möglich ist dies aufgrund der als tragfähig eingestuften und erfolgreich praktizierten Hygiene- und Infektionsschutzkonzepts mit 2G", hatte FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle am Freitag gesagt. Am Samstag, kurz vor Spielbeginn, passte das Kölner Gesundheitsamt die Regeln aber noch einmal kurzfristig an und weitete die Maskenpflicht aus. Demnach musste eine Mund-Nasen-Bedeckung nun auch am Sitz-, beziehungsweiste Stehplatz getragen werden und nicht nur, wenn Fans sich im Stadion bewegen.

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Maskenpflicht nur teilweise eingehalten

Fans von Borussia Mönchengladbach im Gästeblock in Köln

Fans von Borussia Mönchengladbach im Gästeblock in Köln

Harald Rau, Gesundheitsdezernent der Stadt, begründete die Maßnahme dem WDR gegenüber mit der derzeit verheerenden epidemiologischen Situation. Aus dem gleichen Grund hatte das Gesundheitsamt schon am Freitag eine Maskenpflicht in der Kölner Innenstadt angeorndet. Diese wurde auf den Rängen mal mehr und mal weniger gut eingehalten. In den Fanblöcken weniger als auf den Geraden.

Die Stadt Köln schrieb am Sonntag auf Twitter, man wolle prüfen, ob die Anweisung der Maskenpflicht durch den 1. FC Köln ausreichend durchgesetzt worden sei.

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Der gesundheitspolitische Sprecher der NRW-CDU, Peter Preuß, begründete die Erlaubnis für die Vollauslastung des Stadions mit der Coronaschutzverordnung des Landes und dem Zeitpunkt der Zulassung. Man müsse "geimpften Personen auch die Möglichkeit geben, wieder ins normale Leben zurückzukommen", erklärte Preuß im Deutschlandfunk. "Das heißt noch lange nicht, dass ich ein Stadion mit 50.000 Menschen füllen muss. Ich bin mir sicher, dass eine solche Genehmigung, wie sie wohl erteilt worden ist, heute, unter den Bedingungen, die wir jetzt kennen, nicht erteilt worden wäre."

Preuß rechne aber damit, dass es schon bald gesetzliche Anpassungen bezüglich der zugelassenen Zahl der Stadionbesucher geben werde: "Ich denke, dass das relativ kurzfristig passieren wird, spätestens auf der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz."

Ministerpräsident verteidigt Stadion-Auslastung

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst hatte die Entscheidung, das Kölner Stadion voll auszulasten, in einem ARD-Interview verteidigt. "Wir haben in dieser Woche beschlossen, dass überall im Freizeitbereich 2G gilt, auch in einem Stadion, an der frischen Luft. Ich glaube, das ist bei der Lage in Nordrhein-Westfalen eine angemessene Entscheidung", sagte Wüst.

Ob das auch in den kommenden Wochen so bleibt, ließ Wüst offen. Auch Geisterspiele wie in Sachsen wollte der CDU-Politiker nicht ausschließen. "Das ganze Thema Freizeit und Kontaktbeschränkungen ist sicher eines, an das wir ran müssen", so Wüst. Am Samstag stieg die Inzident in NRW um 4,3 Punkte auf 278,5 Fälle pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen.

Wüst: "Dinge, die nicht zusammen passen"

Am Montag äußerte sich Wüst hingegen kritisch über Bilder aus vollen Stadien. "Wir haben ja Bilder gesehen am Wochenende - auch vom Fußball. Auf der anderen Seite kommen aus anderen Bundesländern - weil wir noch Kapazitäten haben, weil bei uns die Lage noch beherrschbar ist - kommen Patienten zu uns eingeflogen", sagte Wüst. "Das sind Dinge, die nicht zusammen passen. Und an solche Sachen werden wir auch ran gehen."

Gleichzeitig drang der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz darauf, möglichst schnell bundeseinheitliche Schutzmaßnahmen zu ergreifen. "Wir können nicht warten, bis ein neuer Kanzler gewählt wird. Daher braucht es diese Abstimmung in den nächsten Tagen - am besten schon morgen", sagte er in Düsseldorf.

Kritik an der Stadionauslastung in Köln gab es beispielsweise von der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin-Göring Eckardt, die wenig Verständnis für ein volles Fußballstadion in dieser Pandemielage zeigte.

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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der "Bild am Sonntag", er halte volle Fußball-Stadien derzeit für "hochproblematisch". "Die Menschen infizieren sich nicht im Stadion, aber die Anreise und die Feiern nach dem Spiel sind die Infektionsherde. Daher sind Spiele im vollen Stadion aktuell nicht akzeptabel."

Letztes Spiel in vollem Stadion?

Bei vielen Fans im Kölner Stadion schwang auch ein wenig Wehmut mit - denn es dürfte für Monate wohl das letzte Spiel vor 50.000 Fans gewesen sein.

Nun müsse man "abwarten, was die Regierung macht", sagte der FC-Spieler Salih Özcan. Und wie viele Zuschauer am 10. Dezember im nächsten Heimspiel gegen Augsburg dabei sein dürfen.

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Quelle: lt/bh