So lebt NRW mit dem Coronavirus

So lebt NRW mit dem Coronavirus

Von Claudia Wiggenbröker

  • Freizeitgestaltung in NRW eingeschränkt
  • Theater, Kinos, Museen müssen schließen
  • Mindestabstand in Restaurants

Bei dem schönen Wetter ins Schwimmbad? Oder wegen #Coronaferien ins Kino? Erst einmal nicht. Die Landesregierung hat beschlossen, dass das öffentliche Leben in NRW vorsorglich eingeschränkt wird, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Diese Läden bleiben zu

Ab Montag (16.03.2020) bleiben Bars, Discos, Clubs, Spielhallen, Theater, Museen und Kinos geschlossen.

Ab Dienstag stellen dann Fitnessstudios, Schwimm- und Spaßbäder sowie Saunen ihren Betrieb ein. Auch Sportvereine und -einrichtungen dürfen nicht mehr besucht werden.

In Volkshochschulen, Musikschulen und anderen öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen findet kein Unterricht mehr statt.

Behörden schränken Betrieb ein

Wer noch schnell ins Bürgerbüro wollte, muss auch mit Einschränkungen rechnen. Um volle Wartebereiche zu vermeiden, haben diverse Städte ihre Bürgerdienste reduziert.

Viele Ämter stellen auf einen reinen Terminbetrieb um. In einigen Städten können Anträge nun vermehrt per Post, telefonisch oder online gestellt werden. Ob und wie Bürgerbüros und Standesämter auf die Corona-Krise reagieren, ist aber unterschiedlich.

Unter Auflagen geöffnet

Über Geld oder Lebensmittel braucht sich aber niemand Sorgen machen. Geschäfte, welche die Grundversorgung sichern - wie Supermärkte, Drogerien, Apotheken und Banken, bleiben weiter geöffnet.

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Auch Bibliotheken, Gaststätten und Hotels haben offen - sie müssen sich aber an strenge Auflagen halten. Der Zutritt zu Einrichtungshäusern und Einkaufszentren soll nur noch zur Deckung des dringenden Bedarfs erlaubt sein.

In Restaurants werden beispielsweise die Zahl der Gäste beschränkt, sie müssen ihre Daten hinterlassen und ein Mindestabstand zwischen Tischen müsse eingehalten werden, erläutert Thorsten Hellwig vom NRW-Gaststättenverband (Dehoga NRW).

Auswirkungen auf betroffenen Branchen

Hellwig geht davon aus, dass die Corona-Krise "nachhaltige Auswirkungen" auf das Gastgewerbe haben wird. "Das geht weit über verheerend hinaus."

Gerade die kleinen Betriebe bräuchten kurzfristige Hilfen, um überleben zu können - da sie meist nicht ausreichend über finanzielle Rücklagen verfügen.

Welche Hilfen gibt es für Arbeitnehmer, Selbstständige und Unternehmen?

Die NRW-Landesregierung stellt 25 Milliarden Euro Wirtschaftshilfe bereit. "Wir wollen, dass kein gesundes Unternehmen wegen wirtschaftlicher Einbußen an mangelnder Liquidität scheitert", sagte Ministerpräsident Armin Laschet am Donnerstag (19.03.2020). Sollten die Zusagen des Bundes für die Rettung kleinerer Unternehmen nicht reichen, werde das Land auch Soforthilfen auflegen. Bürgschaftsrahmen würden massiv erhöht, gleiches gelte für die Haftungsabdeckung gegenüber Banken.

Auch vom Bund soll Geld fließen: Die Bundesregierung plant ein Hilfspaket von über 40 Milliarden Euro für Solo-Selbstständige und andere Kleinstfirmen. Dabei geht es um direkte Zuschüssen und Darlehen. Zudem wurde bereits eine deutliche Ausweitung von KfW-Kreditprogrammen beschlossen. Auch über Rettungsfonds mit Staatsbeteiligungen an Unternehmen wird nachgedacht.

Entschädigung auch für Selbstständige

Selbstständige haben einen Anspruch auf Entschädigung, wenn für sie eine Quarantäne angeordnet wurde und sie ihrer Tätigkeit nicht im Home Office nachkommen können. Die Entschädigung richtet sich nach dem Verdienstausfall. Bei dessen Berechnung wird das Arbeitseinkommen zugrunde gelegt. In NRW sind die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe für die Entschädigung zuständig. Selbständige, deren Betrieb ruht, erhalten zusätzlich einen Ersatz für die weiterlaufenden Betriebsausgaben "in angemessenem Umfang".

Freischaffende Künstler und Kulturschaffende können eine Einmalzahlung in Höhe von 2.000 Euro beantragen, die nicht zurückgezahlt werden muss. Das sagte NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) am Freitag (20.03.2020).

Stand: 20.03.2020

Das NRW-Finanzministerium teilte dem WDR mit, dass man bereits die Finanzämter angewiesen habe, den "Ermessens- und Entscheidungsspielraum weitgehend auszunutzen" - zugunsten der Betroffenen.

Lieferdienste und Supermärkte profitieren

Beim Online-Supermarkt Picnic ist die Nachfrage um 50 Prozent gestiegen, wie ein Sprecher mitteilte. Daher habe man mehr Mitarbeiter eingestellt.

Der Dienstleister hat zudem auf eine kontaktlose Lieferung umgestellt. Wurden vorher die Einkäufe bis in die Küche getragen, stellen die Fahrer sie jetzt nur noch vor die Haustür.

Auch die Supermarktkette Rewe aus Köln stellt eine erhöhte Nachfrage fest und sucht derzeit nach neuen Angestellten.

Auswirkungen auf Gesellschaft

Für Theater und Orchester werde es ebenso "zu schwer wiegenden Einnahmeausfällen kommen", heißt es beim Deutschen Bühnenverein mit Sitz in Köln.

Zudem würden die "realen Orte des Zusammenkommens" wegfallen, meint Präsident Ulrich Khuon. „Das tut der Gesellschaft nicht gut. Kultur ist eine wichtige Form des Zusammenhalts."

Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass die Maßnahmen gegen das Coronavirus frühestens Ende nächster Woche einen Effekt zeigen. RKI-Vizepräsident Lars Schaade warnte vor sogenannten privaten "Coronapartys". Es sei wichtig, das gesellschaftliche Leben einzuschränken.

Stand: 16.03.2020, 13:15