Tausende bei Sonne draußen: Corona-Auflagen meist eingehalten

Tausende bei Sonne draußen: Corona-Auflagen meist eingehalten

  • Auch am Sonntag lockte schönes Wetter viele Menschen vor die Tür
  • Kirschblütenfest in Bonn zog Hunderte an
  • Viele hielten sich an Corona-Verhaltensregeln

Ungewöhnliche Stille herrschte am Sonntagmittag (05.04.2020) am Sorpesee im Sauerland. Bei schönem Wetter oft für Tausende ein beliebtes Ausflugsziel, schien die Lage jetzt aber überschaubar. Das Ordnungsamt war mit vier Zweierteams in Warnwesten unterwegs.

Die WDR-Reporterin sah nur wenige Motorradfahrer, die Pause machten, ab und zu Radfahrer oder kleinere Familien mit Kindern. Meist hielten die Menschen Abstand voneinander. Auch die Parkplätze seien nur vereinzelt belegt gewesen. "Die Sauerländer sind ja von Grund her vernünftig", stellte Jürgen Voss vom Ordnungsamt der Stadt Sundern am Mittag zufrieden fest.

Mehr zu tun hatte die Polizei mit Motorradfahrern, die heute bei Traumwetter zu Ausflügen im Sauerland und im Bergischen, aber auch in der Eifel unterwegs waren. An den einschlägigen Rastplätzen standen dann zeitweise zu viele Biker eng in Gruppen zusammen. Die Mitarbeiter der Ordnungsämter mussten in einigen Fällen dazwischen gehen.

Kirschblüten-Gucken in Zweiergruppen

Paar macht Selfie vor Kirschblüten in einer Bonner Straße

Selfie unter Kirschblüten in Bonn

Highlight in der Bonner Altstadt ist um diese Zeit eigentlich die Blüte hunderter Kirschbäume. Das traditionelle Kirschblütenfest fällt wegen Corona-Krise in diesem Jahr allerdings aus. Der Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan hatte vor dem Wochenende die Menschen darum gebeten, die Kirschblüten diesmal nicht zu besuchen. Aber das Wetter war wohl einfach zu schön: Trotz Warnung waren am Sonntag viele Besucher unterwegs.

"Sehr viele Besucherinnen und Besucher" der Kirschblüte in den Straßen der Altstadt hätten nicht die notwendigen Abstände eingehalten, bemängelte die Stadt Bonn in einer Mitteilung am Sonntagnachmittag. Insgesamt habe die Polizei am gesamten Wochenende 37 Anzeigen wegen nicht erlaubter Ansammlungen schreiben müssen.

Auch an andere Stelle in Bonn hatte die Polizei es mit Uneinsichtigen zu tun: Bei einem Einsatz am Brassertufer hätten die Angesprochenen so aggressiv reagiert, dass zwei von ihnen in Gewahrsam genommen werden mussten.

Menschenmengen in Düsseldorf

Gesperrte Rheintreppe in Düsseldorf

Schließlich gesperrt: Rheintreppe in Düsseldorf

In Düsseldorf mussten Ordnungsdienst und Polizei am Mittag eine Menschenmenge am Rheinufer auflösen. Rund 200 Personen hatten sich dort an der Rheintreppe am Burgplatz angesammelt. Zwar saßen sie fast alle in Zweiergruppen, dennoch sei aufgrund der großen Menge der gebotene Mindestabstand nicht mehr einzuhalten gewesen, so die Polizei.

Größtenteils hätten die Menschen den Platz dann ohne Probleme verlassen. "Die Leute waren einsichtig und haben sich dann dementsprechend verhalten", sagte ein Stadtsprecher. Nur einzelne Gruppen hätten zunächst kein Verständnis gezeigt.

Hochbetrieb mancherorts schon am Samstag

Schon am Samstag hatten Tausende Sonnenschein und milde Temperaturen genutzt, um es sich im Freien gemütlich zu machen. So hatten die Ausgehbeschränkungen Menschen im Aachener Frankenviertel nicht davon abgehalten, sich auf dem Wochenmarkt zu treffen. Rund um einen abgesperrten Spielplatz saßen Bürger klönend zusammen.

In Dortmunder hatte das Ordnungsamt die Bürger gebeten, nur im Uhrzeigersinn um den beliebten Phoenix-See zu wandern. Nach Informationen des WDR waren aber nur wenige Mitarbeiter der Behörde vor Ort, um die Auflagen zu kontrollieren. Viele Spaziergänger liefen offenbar gegen den Uhrzeigersinn - wohl auch, weil die Hinweisschilder nur schwer zu erkennen waren.

Besucher räumen Absperrungen am Baldeneysee weg

Am Essener Baldeneysee gab es verstärkt Kontrollen, weil sich dort am Samstag bereits zahlreiche Motorradfahrer an der Regattatribüne und auf Parkplätzen versammelt hatten, die eigentlich gesperrt waren. Laut einer Behördensprecherin hatten sie die Absperrungen einfach weggeräumt.

Am Sonntag kontrollierte das Ordnungsamt dort bereits seit dem Morgen. Dadurch blieb die Situation weitgehend entspannt. Im Stadtgarten musste das Ordnungsamt allerdings 80 bis 90 Personen auffordern, das Grillen einzustellen und die gebildeten Gruppen aufzulösen.

Ob in Herne, Bochum, Essen, Köln oder anderen Orten in NRW: Überall gab es zwar Ausnahmen, in denen die Polizei oder die Ordnungsämter einschreiten oder sogar Anzeigen erstatten mussten. Insgesamt aber, so der Tenor der Sicherheitsbehörden am späten Sonntagnachmittag, sei bei den meisten Menschen im Freien eine große Bereitschaft erkennbar gewesen, sich an die Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zu halten.

Ausflüge in Zeiten von Corona

Am Wochenende wird das Wetter optimal für eine Fahrt ins Grüne. Aber sind die beliebten Ausflugsziele trotz Corona zugängig? Beispiele aus den Regionen.

Viele Menschen schlendern durch eine Straße mit blühenden Kirschbäumen

Anfang April ist Kirschblüten-Zeit in Bonn - auch in Zeiten von Corona. Anders als in den Vorjahren, als die rosafarbene Pracht Tausende von Fans anzog, soll die Blüte diesmal ohne Zuschauer stattfinden. Oberbürgermeister Ashok Sridharan bittet mit Nachdruck: "Bleiben Sie zuhause!" Verbunden ist der Appell mit der Ankündigung, dass der Stadtordnungsdienst den Bereich Heerstraße und Breite Straße verstärkt kontrollieren wird.

Anfang April ist Kirschblüten-Zeit in Bonn - auch in Zeiten von Corona. Anders als in den Vorjahren, als die rosafarbene Pracht Tausende von Fans anzog, soll die Blüte diesmal ohne Zuschauer stattfinden. Oberbürgermeister Ashok Sridharan bittet mit Nachdruck: "Bleiben Sie zuhause!" Verbunden ist der Appell mit der Ankündigung, dass der Stadtordnungsdienst den Bereich Heerstraße und Breite Straße verstärkt kontrollieren wird.

Der Zugang zum Siebengebirge im Südosten Bonns wird nicht eingeschränkt. Zwar stand eine Sperrung der Wanderparkplätze zur Diskussion. Aber die Verantwortlichen haben sich dagegen entschieden: Schließlich hätten sich die Besucher bisher vorbildlich verhalten - und frische Luft sei wichtig fürs Immunsystem.

Am Niederrhein ist es weiterhin möglich, den Park und die Gärten in Schloss Dyck zu besuchen. Allerdings ist der Einlass in die Anlage reglementiert: Nur eine begrenzte Zahl von Besuchern darf rein. Ist die überschritten, werden Menschen an der Kasse abgewiesen. Daneben gibt es eine Reihe von Verhaltensregeln. Werden die nicht eingehalten, droht ein Hausverbot - oder das Ordnungsamt wird gerufen.

Der Kölner Dom ist noch für Menschen geöffnet, die ihn zum Gebet aufsuchen möchten. Auch zur Beichte können Gläubige zu bestimmten Zeiten kommen.

Ansonsten werde die Stadt Köln mit Orten, die bei schönem Wetter besucht werden können, genauso umgehen wie am letzten Wochenende: "Der Ordnungsdienst kontrolliert die Einhaltung der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW", teilte ein Sprecher dem WDR mit.

Anders am Kemnader See in Bochum: Hier gibt es keine Absperrungen. Das Ordnungsamt hat aber angekündigt, verstärkt Kontrollen durchzuführen.

Entgegen vorherigen Überlegungen soll der Möhnesee bei Soest für Besucher nicht gesperrt werden. Die Gemeinde Möhnesee will aber streng darauf achten, dass die gebotenen Abstände eingehalten werden. Sie rechnet bei schönem Wetter mit vielen Gästen aus dem Ruhrgebiet. Auch am Bigge- und am Sorpesee wollen Ordnungshüter verhindern, dass es Menschenansammlungen gibt.

Ganz andere Wege geht Dortmund: Fußgänger, Radfahrer und andere Sportreibende sollen sich im Uhrzeigersinn um den Phoenix-See bewegen. Dafür hat die Stadt die Fußwege rund um den See ganz offiziell zur Einbahnstraße erklärt. Wenn Menschen unterwegs seien und sich dann auch noch auf den Wegen entgegen kommen und begegnen, seien die Abstandsregeln kaum einzuhalten, so die Stadt.

In der Eifelregion dürfen einige der sogenannten Traumpfade nicht mehr gewandert werden. Wanderer sollten ihren Besuch lieber unter der Woche machen. "Oder Wege aufsuchen, die nicht so bekannt oder ausgeschildert sind. Es gibt gut befestigte Strecken abseits der Wanderpfade", sagt Klaus Schäfer, Geschäftsführer von Eifel Tourismus.

Die sagenumwobenen Externsteine in Bad Meinberg dürfen nicht bestiegen werden, die Stationen dort sind derzeit geschlossen. Die Parkplätze bleiben aber geöffnet. Die Polizei hat angekündigt, stichprobenartig zu kontrollieren.

Auch am Hermannsdenkmal reagierte der Landesverband Lippe sehr früh auf die Corona-Epidemie. Seit dem 13. März ist das beliebte Ausflugsziel samt der Infozentren bis auf Weiteres geschlossen.

Die Stadt Lügde schließt die Zufahrt zum Köterberg. Er ist der höchste Gipfel im Weserbergland und in corona-freien Zeiten bevorzugtes Ziel für Biker.

Sauerland-Tourismus rät Wanderern generell dazu, zuhause zu bleiben. Möchten Naturfreunde dennoch rausgehen, sollten sie nur kurze Etappen laufen. "Und wenn ein Spaziergänger sieht, dass schon viele Autos an einem Wanderparkplatz stehen, sollte er sich eine Alternative suchen", empfiehlt Pressesprecher Rouven Soyka.

Stand: 05.04.2020, 18:23