Corona-Krise bedroht NRW-Flughäfen

Dortmunder Flughafen macht dicht

WDR 5 Westblick - aktuell 31.03.2020 05:30 Min. Verfügbar bis 31.03.2021 WDR 5 Von Sonja Gerhardt

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Corona-Krise bedroht NRW-Flughäfen

Von Claudia Wiggenbröker

  • NRW-Flughäfen mit Kurzarbeit
  • Düstere Aussichten für Rest des Jahres
  • Experte: Krise könnte Aus für kleinere Airports bedeuten
  • Eurowings-Schrumpfkurs wohl ohne Folgen für NRW-Angebot

Seit einer Woche sind Osterferien. Doch dieses Jahr heben von den NRW-Flughäfen nicht unzählige Familien in den Urlaub ab: Der Passagierverkehr ist durch die Corona-Pandemie nahezu zum Erliegen gekommen.

Kurzarbeit an NRW-Airports

Seit Montag (06.04.2020) gilt in Köln/Bonn Kurzarbeit. Das dort boomende Frachtgeschäft kann die Verluste im Passagierverkehr nicht ausgleichen. Auch Düsseldorf fertigt zwar Rückhol-, Medizin- und Frachtflüge ab. Trotzdem hat der Airport Kurzarbeit für seine rund 2.300 Beschäftigten angemeldet - und zwar gleich bis zum Jahresende.

Am Flughafen Weeze am Niederrhein gilt ebenfalls Kurzarbeit. Die Flotte der irischen Fluggesellschaft Ryanair, die als einzige Airline Linienflüge von und nach Weeze anbietet, bleibt zurzeit am Boden. Die Terminalgebäude am Flughafen Münster/Osnabrück sind geschlossen. Die wenigen Passagiere werden nun in dem Bereich abgefertigt, wo sonst nur private Flüge starten. Auch dieser Flughafen hat Kurzarbeit angemeldet - rückwirkend zum 1. März.

Dortmund von Betriebspflicht befreit

Der drittgrößte NRW-Flughafen in Dortmund plant derzeit Kurzarbeit. "Eine Betriebsvereinbarung ist in Arbeit. Wir gehen davon, dass nicht alle 440 Mitarbeiter im gleichen Ausmaß betroffen sind", sagte Pressesprecherin Davina Ungruhe dem WDR.

Die Bezirksregierung Münster hatte den Flughafen vorerst von seiner Betriebspflicht befreit. Er ist damit nicht geschlossen - allerdings dürfen nur noch Maschinen nach vorheriger Genehmigung durch den Airport starten und landen. Auch für die Fliegerstaffel der Polizei und für Flüge der Luftrettung bleibt der Flughafen geöffnet. Doch für 2020 rechnet der Flughafen mit einem "deutlichen Minus" in seinen Geschäftsbüchern.

Experte: Krise könnte Aus für kleinere Airports sein

"Es ist zu befürchten, dass die Corona-Krise das Aus für kleinere Flughäfen bedeuten kann", sagt Verkehrsforscher Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg-Essen. Schließlich steckten die meisten schon vor der Krise in den roten Zahlen.

Doch auch auf die größeren Flughäfen wie Düsseldorf und Köln/Bonn wird das Virus wohl einen "nachhaltigen Effekt" haben, so Schreckenberg: "Es muss sich erst einmal zeigen, wie schnell sich die Menschen wieder eng nebeneinander in ein Flugzeug setzen - wenn die Reisebeschränkungen dann aufgehoben sind."

Und das kann Monate dauern - schätzt zumindest der Vorstand der Airline Lufthansa. Bis die weltweite Nachfrage nach Flügen wieder so hoch ist wie vor der Krise, könnten sogar Jahre ins Land ziehen.

Eurowings auf Schrumpfkurs

Die Lufthansa gab diese Woche bekannt, dass sie den Flugbetrieb ihrer Kölner Tochter Germanwings einstellt. Die Flotte der Düsseldorfer Airline Eurowings, die ebenfalls zur Lufthansa gehört, soll schrumpfen. Auf das Angebot an den NRW-Flughäfen soll das aber keine spürbaren Auswirkungen haben.

Stand: 11.04.2020, 06:00