Corona-Expertenrat: Steiniger Weg zurück in die Normalität

Köln: Wenig Spaziergänger gehen am Dom entlang.

Corona-Expertenrat: Steiniger Weg zurück in die Normalität

  • Experten äußern sich zu Lockerung der Corona-Maßnahmen
  • Schrittweise Öffnung von Schulen, Unis und Einzelhandel denkbar
  • Keine Großveranstaltungen auf absehbare Zeit

Seit nunmehr fast einem Monat gelten in NRW im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus strikte Ausgangsbeschränkungen, die das öffentliche Leben weitgehend lahmlegen. Eine von der Landesregierung eingesetzte Expertengruppe - u.a. der Bonner Virologe Hendrik Streeck, der frühere Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio und der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Michael Hüther - hat nun Maßgaben und Vorschläge für Lockerungen der Einschränkungen vorgelegt. Ein möglicher Weg könne darin bestehen, "einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens nach und nach wieder zuzulassen".

Gesundheitssystem darf nicht überfordert sein

"Großveranstaltungen wie Fußballspiele der Bundesliga mit Zuschauern, aber auch Messen und Kongresse werden auf absehbare Zeit nicht stattfinden können", heißt es in dem 15-seitigen Papier, das seit Sonntag (12.04.2020) dem WDR vorliegt. An schrittweise Lockerungen sei erst zu denken, wenn sichergestellt sei, dass das Gesundheitssystem "absehbar nicht überfordert ist".

Laschet hält Ansprache im WDR-Fernsehen

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will sich am Sonntagabend (19.55 Uhr) im WDR-Fernsehen und -Radio zu den aktuellen Entwicklungen in der Corona-Krise äußern.

In dem Experten-Papier heißt es, ein möglicher Weg könne darin bestehen, "einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens nach und nach wieder zuzulassen". Dazu gehörten Schulen, Universitäten und der Einzelhandel. Bei den Schulen solle es dabei zeitversetzten Unterricht und Unterschiede je nach Alter geben. In Kitas und im "Präsenzunterricht" sollten zuerst vor allem Lehrkräfte arbeiten, die nicht zu Risikogruppen gehören.

Die Tests sollten ausgeweitet werden, wenn die Infrastrukturen bereitstehen - Zielmarke seien bundesweit 500.000 Tests pro Tag. Menschen mit Symptomen und bestätigten Kontaktpersonen sollten grundsätzlich immer getestet werden. Auch sollten die Infektionsketten möglichst lückenlos zurückverfolgt werden.

Öffnung orientiert sich an vier Kriterien

Die Schritte und Geschwindigkeit der Öffnung sollen sich an vier Kriterien orientieren. Zunächst müsse bestimmt werden, wo die Gefahr einer Ansteckung besonders hoch sei. Zweitens gelte die Frage: "Für wen wäre eine Ansteckung besonders gefährlich?" Drittens komme es darauf an, was "für Wirtschaft und Gesellschaft besonders wichtig" sei. Zuletzt schließlich müsse bedacht werden, wie gut sich jeweils Schutzmaßnahmen umsetzen ließen.

Es werde aber bei der Wiedererlangung der alten Freiheiten Rückschritte geben, also einen neuen Anstieg der Kranken-Zahlen, heißt es weiter. Jede neue Infektionswelle werde erfordern, Schritte wieder zurückzugehen, so die Experten.

In der kommenden Woche soll auf Bundesebene entschieden werden, ob Teile der Beschränkungen aufgehoben oder verändert werden können.

Stand: 12.04.2020, 15:37