Corona-Pandemie: Sind Atemschutzmasken sinnvoll oder nicht?

Diskussion um Mundschutzpflicht: Was bringt er? Aktuelle Stunde 31.03.2020 02:51 Min. Verfügbar bis 31.03.2021 WDR Von Henry Bischoff

Corona-Pandemie: Sind Atemschutzmasken sinnvoll oder nicht?

  • WHO ist gegen allgemeine Mundschutzpflicht
  • Das sorgt für Verwirrung im Kampf gegen Corona
  • Wie sinnvoll ist das Tragen von Atemmasken?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Montagabend (30.03.2020) mitgeteilt, dass sie im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus keinen Nutzen im allgemeinen Mundschutztragen sieht.

Das kommt für viele Menschen in Deutschland überraschend. Denn seit Tagen wird das Tragen eines Mundschutzes als Mittel diskutiert.

Asiatische Länder wie Südkorea und Taiwan scheinen vorzumachen, wie sich damit die Ausbreitung der Corona-Infektionen eindämmen lässt. Und gerade haben Österreich, Tschechien und die Stadt Jena eine Mundschutzpflicht eingeführt.

WHO: Schutzmasken nur für Erkrankte

Aber so einfach ist es wohl nicht: Es gibt laut WHO keinerlei Anzeichen dafür, dass mit einer Maskenpflicht etwas gewonnen wäre.

Vielmehr gebe es zusätzliche Risiken, wenn Menschen die Masken falsch abnehmen und sich dabei womöglich infizieren. "Unser Rat: Wir raten davon ab, Mundschutz zu tragen, wenn man nicht selbst krank ist", so WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan.

Tröpfchen sollen abgefangen werden

Ein einfacher Mundschutz bietet kaum Schutz vor Infektionen. Ist jemand allerdings bereits erkrankt - im Zweifel ohne es zu wissen - lässt sich dadurch eine Ansteckung anderer verhindern. Beim Sprechen, Husten oder Niesen setzen wir Tröpfchen frei.

Das Bild zeigt, wie sich Atemluft beim Husten verbreitet. Am wenigsten mit Maske mit Filter, ohne Maske sollte man in den Ellenbogen husten.

So verbreitet sich Atemluft beim Husten

Wenn man etwa ein Stück Tuch vor dem Mund habe, würden die großen Tröpfchen abgefangen, sagt der Chef-Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten. "Je näher dran an der Quelle, desto besser. Deswegen muss die Maske an der Quelle sein und nicht am Empfänger", so Drosten vor einigen Tagen im NDR-Podcast.

Wem helfen Atemschutzmasken?

Coronavirus - Doc Esser klärt auf 25.03.2020 20:44 Min. Verfügbar bis 25.03.2021 WDR Online

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Masken kein Allheilmittel

Auch für den Virologen Alexander Kekulé, der vor wenigen Tagen eine Masken-Kampagne gestartet hat, sind Schutzmasken kein Allheilmittel. Wie er auf Twitter schreibt, sind aus seiner Sicht Masken nur nötig, wenn der Abstand weniger als zwei Meter zu anderen Personen betrage.

Kekulé weist bei Twitter auch daraufhin, dass die Erfolge in Südostasien auch andere Gründe haben als nur den Einsatz von Masken.

Für die Bundesregierung ist jedenfalls eine Mundschutzpflicht vorerst kein Thema. Ein Mundschutz sei "vielleicht eine sinnvolle Ergänzung zu den ohnehin geltenden Hygieneregeln", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. Dies dürfe aber nicht dazu führen, "dass sich ein falsches Sicherheitsgefühl einstellt".

Laschet kassiert Sprüche im Internet

Wer sich für das Tragen einer Maske entscheidet, sollte darauf achten, dass sie korrekt sitzt: Damit ein Mundschutz wirkt, muss er auch über die Nase gezogen werden.

Genau dies hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bei einem Termin am Montag in Aachen nicht gemacht. Das sorgte für Spott im Netz. In Twitter-Beiträgen wunderten sich Benutzer darüber, dass die anwesenden Ärzte in der Uniklinik Aachen ihn offenbar nicht auf das falsche Tragen aufmerksam machten.

Das WDR-Magazin "Westpol" twitterte eine Filmszene mit Benedict Cumberbatch als Arzt mit Mundschutz unter dem Hinweis "Servicetweet" in Richtung Laschets. Laschet demonstrierte daraufhin persönlich in einem Kurzvideo auf Twitter, wie der Mundschutz richtig über Mund und Nase angelegt wird.

Stand: 01.04.2020, 15:26