Corona: Besser zehn Meter Abstand beim Joggen

Corona: Besser zehn Meter Abstand beim Joggen

Von Jörn Kießler

  • Forscher untersuchen Mindestabstände beim Sport
  • 1,5-Meter-Regel gilt nicht beim Spazieren, Joggen und Radeln
  • Bis zu 20 Meter Abstand nötig als Schutz vor Corona-Infektion

Seit der Kontaktbeschränkungen wegen des Coronavirus' sind Sportarten wie Joggen oder Radfahren sehr beliebt. Viele Menschen in NRW gehen aber auch einfach auf einen Spaziergang, damit ihnen zuhause die Decke nicht auf den Kopf fällt.

Wenn sie dabei das Risiko einer Ansteckung minimieren wollen, sollten sie von anderen Menschen aber wesentlich mehr Abstand halten, als die empfohlenen 1,5 Meter. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die Wissenschaftler der Universitäten Eindhoven (Niederlande) und Leuven (Belgien) durchgeführt haben.

Infektionsrisiko im Windschatten

Dafür ließen die Forscher Sportler hinter- und nebeneinander sowie diagonal versetzt laufen und Rad fahren. Gleichzeitig machten sie die Aerosole, also die Mikrometer großen Speichelpartikel, beim Ausatmen sichtbar.

Das Ergebnis: Sportler im Windschatten haben ein erhöhtes Risiko, die Aerosole ins Gesicht zu bekommen und sich mit dem Coronavirus anzustecken. Wenn der Läufer oder Radfahrer davor infiziert ist.

Forscher: mehr Mindestabstand einhalten

Deshalb empfiehlt die Studie einen Mindestabstand von fünf Metern bei Spaziergängern, zehn Metern bei Joggern und 20 Metern bei Radfahrern - vorausgesetzt, man läuft oder fährt direkt hinter ihnen.

Zwei Spaziergänger gehen im Abtand von fünd Metern hintereinander, ein Radfahrer fährt im Abstand von zehn Metern hinter einer Joggerin, zwei Rennradfahrer fahren im Abstand von 20 Metern hintereinander.

Anders sieht es aus, wenn man sich diagonal versetzt oder nebeneinander bewegt. Dann sei das Infektionsrisiko geringer. Beim Überholen eines anderen Joggers oder Radfahrers muss man also nicht einen riesigen Bogen um ihn machen.

Tipp: beim Überholen Kopf abwenden

"Ich empfehle Sportlern, beim Überholen den Kopf einfach vom anderen Sportler abzuwenden", sagt Prof. Wilhelm Bloch, Leiter der Abteilung Molekulare und zelluläre Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Er hält die durch die Studie definierten Abstandsregeln für sinnvoll. Zwar sei die Gefahr, dass die Aerosole lange in der Luft ständen, gerade im Freien gering.

"Das Problem ist aber, wenn ein Sportler sie doch einatmet", erklärt Bloch. "Unter Belastung atmen wir nicht nur viel mehr, wir ziehen die Luft auch viel tiefer in die Lunge, wo sich viel sensibleres Gewebe befindet."

Sportmediziner empfiehlt Bewegung im Freien

Dadurch könne der Krankheitsverlauf von Covid-19 möglicherweise schwerer verlaufen, sagt Bloch. "Gesicherte Erkenntnisse darüber, was eine Infektion mit SARS-CoV-2 in der Lunge bedeutet, gibt es aber noch nicht."

Wie hilft Sport gegen das Virus?

Coronavirus - Doc Esser klärt auf 06.04.2020 18:54 Min. Verfügbar bis 06.04.2021 WDR Online

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Trotzdem rät der Sportmediziner weiter dazu, Sport im Freien zu machen. "Das Risiko, sich dabei mit dem Coronavirus anzustecken, ist gering", sagt er. "Da ist es gefährlicher, sich in einem geschlossenen Raum mit anderen Menschen aufzuhalten, wo sich die Aerosole aus der Atemluft über Stunden halten können."

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WDR 5 Morgenecho - Interview 17.04.2020 04:28 Min. Verfügbar bis 17.04.2021 WDR 5

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Stand: 17.04.2020, 21:28