Jetzt keine kostenlose Corona-Tests mehr: Das müssen Sie wissen

Eine Person im Schutzanzug hält einen Teststab in ihren Händen

Jetzt keine kostenlose Corona-Tests mehr: Das müssen Sie wissen

Jetzt müssen Bürger für einen Corona-Schnelltest zahlen. Jetzt sind die Bürgertests nicht mehr kostenlos - bis auf Ausnahmen. Welche Kosten drohen? Wo gibt es noch Tests? Hier kommen die Antworten.

Ohne Impfung oder Genesenennachweis ist der Corona-Alltag seit 11. Oktober für viele komplizierter - und auch teurer. Denn Schnelltests, die Nicht-Geimpfte und Nicht-Genesene inzwischen häufig für den Zugang zu Restaurants oder Veranstaltungen brauchen, sind seitdem nicht mehr für alle gratis.

Wie muss man für Schnelltests und PCR-Test nun bezahlen?

Der Preis von Schnelltests ist nicht reguliert und variiert von Anbieter zu Anbieter. Bisher haben die Testzentren eine Vergütung von 11,50 Euro pro Schnelltest bekommen. In vielen Apotheken lässt sich ein Schnelltest für etwa 20 Euro machen.

PCR-Tests, die genauere Ergebnisse liefern, sind dagegen schon seit Längerem kostenpflichtig. Die Kosten dafür variieren sehr stark - abhängig vom Labor, der Teststelle und der Bearbeitungszeit. Ein PCR-Test kostet in den Testzentren ungefähr zwischen 50 und 100 Euro. Soll das Ergebnis innerhalb einer Stunde vorliegen, zahlt man deutlich mehr.

Ausnahmen: Wer bekommt noch kostenlose Schnelltests?

Für alle, die sich bisher nicht impfen lassen konnten, bleiben die Tests kostenlos. Weitere Ausnahmen gelten zum Beispiel für Menschen, für die es erst seit Kurzem eine Impfempfehlung gibt. Dazu zählen unter anderem:

  • Bis zum 31. Dezember 2021 alle Minderjährigen und Schwangere.
  • Darüber hinaus Kinder bis zu einem Alter von zwölf Jahren und drei Monaten. Um das nachzuweisen, reicht ein amtlicher Lichtbildausweis.
  • Personen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Betroffene müssen ein ärztliches Attest vorlegen.
  • Schwangere im ersten Schwangerschaftsdrittel auch über den 31. Dezember hinaus. Als Nachweis dient ein Attest oder der Mutterpass.

Der Arbeitgeber ist weiterhin verpflichtet, allen, die ins Büro kommen, Tests anzubieten - muss aber keinen Nachweis darüber ausstellen. Auch Pflegeheime müssen Schnelltests für Besucherinnen und Besucher mindestens an drei Terminen pro Woche kostenlos anbieten. Gratis bleiben auch die Tests in Schulen.

Wofür brauche ich eigentlich noch einen Test?

In vielen Bereichen gilt die sogenannte 3G-Regel: Man muss einen Nachweis erbringen, dass man genesen, geimpft oder getestet ist. Eine grundsätzliche Testpflicht gibt es in besonders sensiblen Bereichen. Dazu zählen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.

Für andere Bereiche, wie Sport, Kino, Restaurants, Friseure und Veranstaltungen in Innenräume, gilt für Ungeimpfte eine Testpflicht.

Details zur 3G-Regel gibt es unter diesem Link:

Wo kann man sich jetzt noch testen lassen?

Weil die Nachfrage nach Schnelltests sinkt, schließen viele Testzentren. Hier entscheiden letztlich Angebot und Nachfrage.

Das NRW-Gesundheitsministerium teilte dazu mit: "Zwar ist von einem Absinken der Testkapazitäten auszugehen, aber nicht so weit, dass der landesweite, niedrigschwellige Zugang zu Testzentren gefährdet wäre."

In vielen kleineren Orten bieten schon jetzt vor allem Apotheken und Arztpraxen Tests an. Sie sind deshalb besonders wichtig, um ein flächendeckendes Angebot zu erhalten. Von den Apotheken werden zunächst gut 90 Prozent weiter testen, schätzte der Apothekerverband Nordrhein auf Basis einer Umfrage, an der sich 200 Mitglieder beteiligt hatten. Auch der Apothekerverband Westfalen-Lippe rechnete damit, dass viele ihr Angebot erst einmal erhalten - allerdings oft mit eingeschränkten Öffnungszeiten.

Auch viele Teststellen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bleiben geöffnet. Der DRK-Landesverband Westfalen-Lippe teilte vor dem Ende der kostenlosen Schnelltests mit, dass zwei Drittel der cirka 80 Teststellen ihren Betrieb zunächst mit reduziertem Betrieb weiterführen werden.

Welche Kritik gibt es an der neuen Regelung?

Der Sozialverband VdK plädiert für eine Begrenzung der Kosten. Weil keine Höchstpreise festgeschrieben sind, rechne sie mit völlig überteuerten Angeboten, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland".

Menschen mit wenig Geld sollten deshalb nur eine geringe Eigenbeteiligung zahlen müssen, und es müsse mehr Ausnahmen von der Bezahlpflicht geben - zum Beispiel für chronisch Kranke oder Menschen mit Behinderungen, forderte Bentele. 

Patientenschützer forderten flächendeckend kostenlose Schnelltests in Altenheimen. Eine Sonderregelungen für Besucher in Heimen gibt es bisher nicht. Viele der bundesweit etwa 12.000 stationären Einrichtungen verlangten auch von vollständig geimpften Besuchern einen aktuellen und zertifizierten negativen Schnelltest, betonte Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Vor allem in ländlichen Gebieten sei der Nachweis schwer zu bekommen. Zwanzig Kilometer Anfahrtsweg seien für Angehörige unzumutbar.

Auch die Ärztegewerkschaft Marburger Bund sah dem Ende kostenloser Schnelltests mit Sorge entgegen. Zu befürchten sei, dass sich viele Menschen mit Symptomen nicht mehr testen lassen und das Virus sich wieder schneller ausbreitet.

Gesundheitsminister verteidigen den Kurs

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) betonte vor dem Ende der kostenlosen Tests, dass die Länder keine gesetzlichen Möglichkeiten mehr haben, die Tests zu bezahlen. Gleichzeitig verteidigte er den Schritt: "Wir haben Teststellen überall. Das ist kein Problem, sich testen zu lassen. Aber ich sehe das auch so, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen. Und wir haben ja Impfstoff in Hülle und Fülle. Dann ist der Staat nicht mehr zuständig, die Tests zu finanzieren."

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verteidigte den Einschnitt als Sparmaßnahme im Interesse der SteuerzahlerInnen. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erhoffte sich gar Auswirkungen auf die Impfquote, weil die kostenpflichtigen Tests den Alltag für Ungeimpfte teurer und komplizierter machen.

Warum wurden die Gratistests überhaupt abgeschafft? 

Das Ende der kostenlosen Tests für alle hatten Bund und Länder Anfang August beschlossen. Der Grund dafür waren vor allem die hohen Kosten. Für willentlich Ungeimpfte gebe es keinen Anspruch darauf, dass die Allgemeinheit diese dauerhaft übernimmt, sagte etwa Bundesgesundheitsminister Spahn.

Hintergrund, warum nicht mehr der Staat die Tests zahlt, ist, dass allen in Deutschland eine kostenfreie Impfung gegen das Coronavirus angeboten wird. Das soll auch einen Anreiz für noch zögernde Menschen bedeuten: Tests werden mühsamer und kosten nun etwas - Impfungen nicht.

Stand: 19.10.2021, 13:25

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