Corona in NRW: Sie fragen. Experten antworten.

Corona in NRW: Sie fragen. Experten antworten.

Das Coronavirus und wie man sich davor schützen kann, das beschäftigt derzeit die Menschen nicht nur in NRW. Der Hamburger Virologe Dr. Jonas Schmidt-Chanasit sowie der Arbeitsrechtler Michael Felser beantworten Fragen von WDR-Usern.

Medizinische Fragen:

Immer wieder ist von guter Handhygiene die Rede, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Muss man denn Händedesinfektionsmittel nutzen?

Dr. Jonas Schmidt-Chanasit: Das ist nicht zwingend nötig. Man kann sich die Hände normal mit Seife waschen, das ist völlig ausreichend. Wichtig ist auch, die Hände länger als 30 Sekunden zu waschen. Auch die Räume zwischen den Fingern müssen gereinigt werden.

Können sich eigentlich auch Haustiere mit dem Coronavirus infizieren?

Dr. Jonas Schmidt-Chanasit: Bislang gibt es keine Hinweise, dass auch Haustiere sich anstecken können. Sollte es dafür Anzeichen geben, müssten ebenfalls entsprechende Maßnahmen getroffen werden.

Ist Deutschland ausreichend gegen das Coronavirus gewappnet?

Dr. Jonas Schmidt-Chanasit: Deutschland ist sehr gut vorbereitet. Und die Menschen können sich sehr gut vorbereiten, indem sie auf eine gute Handhygiene achten. Möglicherweise kann es sinnvoll werden, aus Sicherheitsgründen Großveranstaltungen abzusagen.

Sind derzeit Hamsterkäufe sinnvoll?

Dr. Jonas Schmidt-Chanasit: Hamsterkäufe (Vorräte anlegen) sind fehl am Platz. Die Infrastruktur funktioniert gut, die Städte werden wohl auch nicht abgeriegelt.

Sollte man derzeit einen Mundschutz tragen?

Dr. Jonas Schmidt-Chanasit: Das ist für Normalbürger nicht zu empfehlen. Wer unbedingt eine haben möchte, sollte sich einen FFP3-Maske zulegen, da in ihr ein kleiner Filter eingebaut ist. Für Ärzte und Pflegepersonal ist es indes empfehlenswert, Mundschutz zu tragen, um sich nicht möglichen Infektionen auszusetzen.

Ich würde gerne wissen, wie das Vorgehen ist bei Verdacht auf Coronavirus. Normalerweise ist ja der Hausarzt die erste Ansprechperson. In die Praxis zu gehen (wo andere Patienten mit anderen Erkrankungen sind) ist vermutlich aber eher ungut, oder?

WDR: Richtig. Am besten ruft man zunächst an, bevor man in die Praxis geht. Vor allem dann, wenn man Kontakt mit einem Corona-Virus-Infizierten hatte oder jüngst in einem Risikogebiet war. Nur dann besteht ein "begründeter Verdacht". So lautet - zumindest bislang - die Definition des Robert-Koch-Instituts (Stand 26.02.2020).

Die Bundesbehörde empfiehlt Ärzten derzeit, so vorzugehen:

  • Kommt der Patient in die Praxis, bekommt er einen Mund-Nasen-Schutz und hält sich in einem separaten Raum auf.
  • Der Arzt trägt Schutzkleidung und verständigt das Gesundheitsamt.
  • Der Patient wird ins Krankenhaus eingewiesen, getestet und isoliert behandelt.
  • Abweichend von dieser Empfehlung werden aber viele Patienten in Deutschland, die nur leicht erkrankt sind, zur Quarantäne nach Hause geschickt.

Und wie unterscheidet man eine klassische Grippe von den Symptomen des Coronavirus?

WDR: Bei einer Infektion mit dem Coronavirus leiden Betroffene unter Fieber, trockenem Husten, Abgeschlagenheit und Atemnot. Sollten diese Symptome bei Ihnen oder Ihren Angehörigen auftreten, dann kontaktieren Sie bitte einen Arzt.

Arbeitsrechtliche und juristische Fragen:

Darf ich zum Selbstschutz vor dem Coronavirus meinem Arbeitsplatz fernbleiben?

Michael Felser: Also, zum Selbstschutz darf man dem Arbeitsplatz nicht fernbleiben. Entweder man ist krank oder man ist gesund. Wenn man krank ist, darf man zu Hause bleiben, dann muss man für die Krankheit aber auch nach drei Tagen dem Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen.

Und was ist, wenn man Angst hat, sich im öffentlichen Personennahverkehr anzustecken?

Michael Felser: Dann muss man Taxi fahren oder das eigene Auto nutzen. Angst, dass man sich im öffentlichen Personennahverkehr mit dem Virus anstecken könnte, ist jedenfalls kein Grund, nicht zur Arbeit zu fahren.

Coronavirus und Arbeitsrecht: "Einfach zuhause bleiben geht nicht"

WDR 2 26.02.2020 03:58 Min. Verfügbar bis 25.02.2021 WDR Online

Download

Die Kita meines Kindes ist aus Angst vor der Verbreitung des Coronavirus geschlossen. Kann ich in dem Fall als Arbeitnehmer zu Hause bleiben?

Michael Felser: Das kommt darauf an. Grundsätzlich gilt: Man muss klären, ob die Kinderbetreuung nicht anderweitig sichergestellt werden kann. Und vor allem: Immer mit dem Arbeitgeber sprechen. Vielleicht kann man Homeoffice machen oder das Kind mitbringen. Wenn Alleinerziehende die Versorgung des Kindes nicht sicherstellen können, dürfen sie zu Hause bleiben. Nicht jeder, der hustet, der hat Coronavirus.

Wegen Verdachts auf eine Infektion wurde für mich häusliche Quarantäne angeordnet. Muss ich mich daran halten?

WDR: Auf jeden Fall. Zunächst einmal aus moralischen Gründen: Falls sich der Infektionsverdacht bestätigt, können Sie ihre Mitmenschen in Gefahr bringen. Aber auch juristisch ist die Quarantäne für Sie bindend. Laut Infektionsschutzgesetz können Quarantäne-Verweigerer auch zwangsweise in die geschlossene Abteilung eines Krankenhauses eingewiesen werden.

Stand: 27.02.2020, 16:03