Coronavirus in NRW: Wer ist gefährdet und wer nicht?

Zwei Krankenpfleger, behandeln einen Patienten auf der Intensivstation des Ditan Krankenhauses.

Coronavirus in NRW: Wer ist gefährdet und wer nicht?

Von Jörn Seidel

  • Krankheitsverlauf meist wie einfache Erkältung oder Grippe
  • Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen stärker gefährdet
  • Für Schwangere und Kinder offenbar unproblematisch

Das Coronavirus grassiert in Nordrhein-Westfalen. Trotzdem warnen Virologen weiterhin vor Panikmache. Wer ist nun wirklich gefährdet? Vor allem eine Analyse der chinesischen Gesundheitsbehörden gibt Aufschluss. Sie hat aber auch einen Haken.

Wie umgehen mit Corona?

WDR 5 Tagesgespräch 28.02.2020 49:22 Min. Verfügbar bis 27.02.2021 WDR 5

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Wer besonders gefährdet ist und wer nicht

Vor allem ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen sind gefährdet. Problematisch könne es zum Beispiel für Menschen mit einer chronischen Atemwegserkrankung, mit einer Leber- oder Herzerkrankung oder auch für Diabetiker werden, sagte Virologe Jörg Timm von der Uniklinik Düsseldorf dem WDR (25.02.2020).

Wenig Sorge wegen der Krankheit Covid-19 müssen hingegen Eltern von jungen Kindern haben. Aus China sei ihm bislang kein einziger Todesfall eines Kindes unter zehn Jahren bekannt, so Timm. Auch für Schwangere ist der Krankheitsverlauf offenbar unproblematisch.

Analyse aus China: Männer sterben häufiger

Die chinesischen Gesundheitsbehörden haben in einer umfangreichen Analyse die Daten der mehr als 44.000 Menschen ausgewertet, die bis zum 11.02.2020 in Festland-China als Covid-19-Kranke registriert wurden.

Demnach sind Männer durch das Virus stärker gefährdet als Frauen:

  • Von 22.981 infizierten Männern starben 653. Das ist eine Sterblichkeitsrate von 2,8 Prozent.
  • Von den 21.691 Frauen starben 370. Das entspricht einer Sterblichkeitsrate von 1,7 Prozent.

"Ich halte das für realistisch", sagt Virologe Timm zu der Analyse aus China. Allerdings glaubt er, dass die Dunkelziffer der Infizierten deutlich höher ist. Daher ist die Sterblichkeitsrate - die sich an der Zahl aller Infizierten misst - wahrscheinlich doch geringer.

Wie das Robert-Koch-Institut Ende Februar verkündete, liegt die Wahrscheinlichkeit an Covid-19 zu sterben, bei ein bis zwei Prozent liegt. Bei der Influenza, der üblichen Grippe, ist die Wahrscheilichkeit zehnmal geringer.

Da die Sozialstruktur in der besonders betroffenen chinesichen Metropole Wuhan aber schwächer ist als in Deutschland, liege das Sterberisiko hierzulande bei 0,3 bis 0,7 Prozent, sagte Virologe Stephan Ludwig von der Uni Münster dem WDR (03.03.2020). Bei der Influenza liege das Risiko aktuell bei etwa 0,2 bis 0,3 Prozent.

Statistik: Ab 50 Jahren steigt die Gefahr deutlich

Außerdem geht aus der Analyse der chinesischen Gesundheitsbehörden hervor, dass die Sterblichkeitsrate bei Menschen ab 50 Jahren deutlich ansteigt. Am höchsten ist sie bei den Chinesen ab 80 Jahren - dort liegt sie bei 14,8 Prozent.

Sterblichkeit durch das neuartige Coronavirus nach Alter
AltersgruppeBestätigte FälleTodesfälleSterblichkeitsrate bei Infizierten
0- bis 9-Jährige41600 %
10- bis 19-Jährige54910,2 %
20- bis 29-Jährige3.61970,2 %
30- bis 39-Jährige7.600180,2 %
40- bis 49-Jährige8.571380,4 %
50- bis 59-Jährige10.0081301,3 %
60- bis 69-Jährige8.5833093,6 %
70- bis 79-Jährige3.9183128,0 %
Menschen ab 801.40820814,8 %

Quelle: China CDC Weekly (Agentur der chinesischen Regierung für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten)

Krankheitsverlauf meistens wie normale Grippe

Meistens verläuft die Krankheit wie eine einfache Erkältung oder Influenza - und wird oft sehr ähnlich ohne besondere Medikamente behandelt. Der Körper erhole sich weitgehend selbst, sagen Virologen.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist der Infekt dann häufig nach zwei Wochen überstanden.

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Stand: 05.03.2020, 08:40