Enkeltrick und Fake-Shops: Betrüger nutzen Coronakrise aus

Ältere Dame mit Telefon

Enkeltrick und Fake-Shops: Betrüger nutzen Coronakrise aus

Von Lisa Schöffel

  • Polizei warnt: Trickbetrüger geben sich als Mitarbeiter des Gesundheitsamts aus
  • Fake-Shops bieten Desinfektionsmittel oder Schutzmasken an
  • Enkeltrick an Corona-Pandemie angepasst
  • Tipp: Bei Hilfsangeboten auf Bekannte zurückgreifen

Trickbetrüger und Kriminelle nutzen die Angst der Menschen in der Coronakrise aus. Das kann unterschiedlich aussehen: Ein freundlicher Mann bietet älteren Menschen auf der Straße an, die Einkäufe hochzutragen – und wenn man selbst oben angekommen ist, ist der Geldbeutel nicht mehr im Korb.

Betrüger nutzen Corona-Krise aus

WDR 5 Morgenecho - Interview 31.03.2020 03:20 Min. Verfügbar bis 31.03.2021 WDR 5

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Auch der sogenannte Enkeltrick wurde inzwischen auf die Coronakrise angepasst: Die Betrüger rufen Senioren an, geben sich als Corona-erkrankte Bekannte aus und überreden ihre Opfer dazu, einem Fremden an der Haustür Geld zu geben.

Betrüger auf Corona eingestellt

Genaue Zahlen zu Fällen dieser Art gibt es nicht. Aber sowohl das NRW-Innenministerium als auch die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes nehmen wahr, dass sich die Betrüger auf Corona eingestellt haben.

Das Bild zeigt eine Mitarbeiterin eines Callcenters mit einem Headset am Schreibtisch.

Callcenter agieren oft im Ausland

"Es ist skrupellos und perfide", sagt Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes dem WDR am Dienstag (31.03.2020). Man wisse, "dass aus Callcentern aus dem Ausland heraus agiert wird. Und da scheut man sich auch nicht, mit Corona den großen Reibach machen zu wollen".

Falsche Polizisten in Schutzanzügen

Eine andere Masche haben Betrüger in Köln, Leverkusen und anderen Städten benutzt. Sie geben sich als Mitarbeiter des Gesundheitsamts oder der Polizei aus. Manche von ihnen tragen sogar Schutzanzüge, um echter zu wirken. Sie wollen sich Zutritt zur Wohnung ihrer Opfer verschaffen oder verkaufen einen falschen Coronatest.

"Alles Betrug", sagt Harald Schmidt: "Das findet nicht unangekündigt statt. Und vor allem muss man auch nichts dafür bezahlen." Wer einen solchen Betrugsversuch erlebe, solle unter 110 sofort die Polizei rufen.

Wem kann man noch vertrauen?

Die Polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt, bei Hilfsangeboten lieber auf Bekannte zurückzugreifen oder zumindest Netzwerke zu nutzen, bei denen man vorher die Kontaktdaten austauschen kann.

Informationsblätter haben auch die Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz erstellt. Sie raten älteren Menschen: "Hilfe annehmen, aber mit Bedacht!"

Abzocke im Internet kann man erkennen

Abzocke mit Corona findet auch im Internet statt: Fake-Shops bieten Atemschutzmasken oder Desinfektionsmittel an – ohne je welche besessen zu haben. Der Käufer zahlt per Vorkasse und erhält keine Ware. Auch Gold wird in solchen Fake-Shops verkauft. Denn als Krisenwährung sei das besonders attraktiv, erklärt Bastian Kolmsee von Trusted Shops, einem Unternehmen, das Gütesiegel für Online-Shops vergibt.

Wer im Netz einkauft, kann Fake-Shops aber erkennen: Wenn auf der Seite keine Telefonnummer oder Email-Adresse angegeben ist, sollte man stutzig werden. Außerdem sagt Kolmsee: "Klassische Indizien sind, dass nur Vorkasse angeboten wird, viele Rechtschreibfehler vorkommen und wenn ein Shop ein Gütesiegel anzeigt, auf das ich nicht klicken kann."

Fake-Formulare für Soforthilfe

Auch eine andere Betrugsmasche betrifft die Unternehmer: Im Netz tauchen Fake-Formulare für die Soforthilfe auf. Bei der Antragstellung sollten die Unternehmen genau überprüfen, ob sie wirklich auf der offiziellen Seite des NRW-Wirtschaftsministeriums oder der KfW sind.

Stand: 31.03.2020, 10:00