Gefährdete Menschen vor Corona schützen - aber wie?

Gefährdete Menschen vor Corona schützen - aber wie?

Von Oliver Scheel

  • Coronavirus: ältere und vorerkrankte Menschen schützen
  • Welchen Beitrag kann jeder dazu leisten?
  • Sind Absagen von Veranstaltungen richtig und wichtig?

Das Coronavirus ist laut bisheriger Erkenntnisse vor allem für ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen gefährlich. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rief daher dazu auf, das eigene Verhalten zu überdenken, um andere einer möglichst geringen Ansteckungsgefahr auszusetzen. So sollten alle "Bürgerinnen und Bürger abwägen, auf welche Veranstaltungen verzichtet werden kann".

Wie schütze ich gefährdete Menschen?

Der WDR-TV-Arzt Heinz-Wilhelm "Doc" Esser erinnerte daran, dass junge Menschen sich keine großen Sorgen vor dem Virus machen müssen. Im WDR-Podcast sagte er, "vier von fünf Fälle werden das Virus kaum bemerken".

Doc Esser

Doc Esser glaubt dass wir Corona in den Griff bekommen werden.

Aber die, die schon vorerkrankt seien, die gelte es zu schützen. "Die können wir nur schützen, wenn wir Großveranstaltungen vermeiden, wenn wir versuchen, die Ausbreitung so gering wie möglich zu halten", so der Mediziner.

Der ehemalige Präsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, fand deutlichere Worte: "Wer jetzt immer noch zu einem Fußballspiel geht, und sich mit 35.000 anderen infizieren möchte, dem kann ich auch nicht mehr helfen", sagte er im ZDF.

Veranstaltungen absagen?

"Im Augenblick schon", sagt Doc Esser: "Wir müssen das Ausbreitungstempo beeinflussen. Dann ist der Anteil der schwer erkrankten Menschen für das Gesundheitssystem besser zu verkraften."

Man müsse die Lage aber von Tag zu Tag neu beurteilen. "Momentan gibt es eine berechtigte Sorge darüber, dass Kindergärten Brutstätten sind. Die Infekte werden von den Kindern meist gut vertragen, aber Erwachsene fesseln sie für drei bis vier Tage ans Bett. Vielleicht kommt also der Zeitpunkt, an dem wir sagen, jetzt schließen wir die Kindergärten." Auch so könne man ältere Menschen schützen.

Reisen in Zeiten von Corona

WDR 5 Profit - aktuell 06.03.2020 03:12 Min. Verfügbar bis 06.03.2021 WDR 5

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Kinder nicht zu Großeltern

In einem NDR-Podcast sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité, Christian Drosten, man solle "Kinder in den kommenden Monaten nicht mehr in die Betreuung der Großeltern geben".

Doc Esser: "Wir kriegen das hin"

"Wir kriegen das hin", sagen unisono Montgomery und Esser. Es könne allerdings gut sein, dass wir noch "ein Jahr oder zwei Spaß haben werden an Corona. Wenn zwei Drittel aller Deutschen eine Corona-Infektion durchgemacht haben, wird es langsamer, einfach weil nicht mehr so viele infiziert werden können", so Esser.

"Es wird ganz schön knirschen im System. Das liegt vor allen Dingen daran, dass wir zu wenig Pflegepersonal haben. Die Intensivstationen sind jetzt schon rappelvoll. Wir haben Influenza, Lungenentzündungen", sagt Esser. Das heißt, die Angestellten sind jetzt schon weit über dem Limit. Deshalb müsse man nach der Bewältigung der Pandemie sich fragen, was im Gesundheitssystem geändert werden müsse.

Bürgertelefon zum Coronavirus: 0211 / 9119 1001

Das Bürgertelefon der Landesregierung zum Coronavirus hat eine neue Rufnummer: 0211 / 9119 1001.

Das Bürgertelefon ist montags bis freitags von 7.00 bis 20.00 Uhr sowie samstags und sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr geschaltet. Die Ansprechpartner beantworten allgemeine Fragen zum Corona-Virus und zur Vorbeugung. Bei medizinischen Fragen sollten sich Bürger an den Hausarzt wenden.

Stand: 10.03.2020, 12:06