Lange Schlangen vor den Corona-Impfstellen

Lange Impfschlange vor einem Impfzelt in Münster

Lange Schlangen vor den Corona-Impfstellen

Von Detlef Proges und Jörn Kießler

Die verschärften Corona-Regeln in NRW haben bei vielen Ungeimpften offenbar zu einem Umdenken geführt. Vor den Impfstellen bilden sich lange Warteschlangen. Die Zahl der Erstimpfungen steigt.

In weiten Bereichen des öffentlichen Lebens in NRW gilt seit Mittwoch die 2G-Regel. Wer zum Beispiel ins Restaurant, ins Kino oder auf den Weihnachtsmarkt gehen möchte, muss geimpft oder von einer Corona-Infektion genesen sein.

Dass diese Regelung kommt, stand bereits seit der Bund-Länder-Konferenz vergangenen Freitag fest. Und offenbar hatte bereits diese Ankündigung einen Effekt auf viele Menschen in Nordrhein-Westfalen. Denn vor vielen Impfstellen bilden sich derzeit lange Warteschlangen.

Keine Lust auf tägliche Corona-Tests vor der Arbeit

Lange Impfschlange vor einem Impfzelt in Münster

Trotz Regen: Lange Schlangen vor der Impfstelle in Münster.

Zum Beispiel in Münster. Etwa 150 Meter misst die Warteschlange an diesem Donnerstag vor dem Gebäude der Stadtverwaltung. Unter den Wartenden ist ein Münsteraner, der schon zwei Stunden vor Öffnung des Impfzentrums vor der Tür gestanden hatte. Er wird zum ersten Mal geimpft. "Irgendwie fühle ich mich auch dazu gedrängt", sagt er. Er habe einfach keine Lust mehr, sich jeden Tag vor der Arbeit testen zu lassen.

Auch die Frau hinter ihm in der Schlange kommt zur Erstimpfung. "Ich bin jetzt auch ängstlich geworden", sagt sie. "Mein Onkel hat Corona, und wenn die Krankheit so nah kommt, dann will ich jetzt auch geimpft sein."

Zahl der Erstimfpfungen steigt wieder

Sie sind nicht die einzigen, die sich in dieser Woche zum ersten Mal gegen SARS-CoV-2 impfen lassen. Auch in Dortmund und Hagen bildeten sich lange Menschenschlangen vor den Impfstellen.

Passend dazu verzeichnet das Robert Koch-Institut einen deutlichen Anstieg bei den Erstimpfungen in NRW. Während seit Anfang Oktober im Durchschnitt gut 30.500 Menschen pro Woche eine Erstimpfung erhielten, waren es in dieser noch nicht vollständigen Woche schon mehr als 37.000.

Offenbar fürchten viele Menschen, die bislang nicht geimpft waren, nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Andere, wie den Mann in Münster, schreckt die tägliche Testpflicht am Arbeitsplatz für Ungeimpfte ab.

Lange Schlangen vor Impfstellen in NRW

Beim Großteil der Wartenden handelt es sich aber um vollständig Geimpfte, die sich ihre Auffrischungsimpfung abholen. Vor einer Woche hatte die Ständige Impfkommission (Stiko) die Empfehlung herausgegeben, dass sich alle Menschen ab 18 Jahren boostern lassen sollten.

Auch das zeigt sich in den Zahlen dieser Woche. Seit Montag haben schon mehr als 317.000 Personen in NRW ihren Impfschutz auffrischen lassen. Zum Vergleich: Der wöchentliche Durchschnittswert in den vergangenen sieben Wochen lag bei rund 113.000.

Es ist gut möglich, dass die Impfärzte in NRW in den kommenden Wochen noch mehr zu tun bekommen, sollte die Stiko eine Impfempfehlung für Kinder ab fünf Jahren herausgeben. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat am Donnerstag bereits grünes Licht für die Zulassung des Vakzins für Kinder von Biontech/Pfizer gegeben.

Stand: 25.11.2021, 16:28