Priorisierung von PCR-Tests: Viele offene Fragen

Stand: 25.01.2022, 18:23 Uhr

Wegen knapper Laborkapazitäten sollen PCR-Tests nun priorisiert werden. Risikopatienten und Beschäftigte im Gesundheitswesen sollen Vorrang haben. Das wirft Fragen auf.

Von Oliver Steuck

Die Bund-Länder-Konferenz hat es so beschlossen, aber: Wer soll entscheiden, welche Proben Vorrang bei der Auswertung haben? Das Labor? Eine übergeordnete Stelle? Und wie werden entsprechende verlässliche Kennzeichnungen auf den täglich Tausenden von Proben vorgenommen? Beim Medizinlabor Eberhard und Partner in Dortmund fragt man sich deshalb, ob diese Priorisierung die Labore am Ende tatsächlich entlasten oder ihnen nur noch zusätzliche Arbeit bringen wird.

Klare Vorgaben für Umsetzung gefordert

Labore geraten an ihre Kapazitätsgrenzen | Bildquelle: dpa/Uwe Anspach

Auch Prof. Carsten Tiemann vom Labor Krone in Bad Salzuflen tappt in dieser Frage noch im Dunkeln. Was im Bund-Länder-Gespräch gestern beschlossen wurde, ist noch lange nicht umgesetzt. Es fehlten noch die klaren Vorgaben, wie genau die geplante Priorisierung im täglichen Arbeitslauf durchgeführt werden soll, sagt Tiemann. Die Umsetzung der Konferenz-Beschlüsse müsse das jeweilige Bundesland schließlich immer erst noch in einer entsprechenden Verordnung festlegen. Und das bitte so schnell und so konkret wie möglich, wünscht sich Tiemann. Sein Labor wertet täglich etwa 10.000 Tests aus. Das benötigt klare Strukturen.

Abseits der Priorisierung gebe es schließlich auch viele andere Menschen, die ein berechtigtes Interesse an einem PCR-Test-Ergebnis habe, so Tiemann weiter. Etwa weil sie Vorgaben, z. B. bei Reisen, erfüllen müssten. Auch wenn diese Personen ihren PCR-Test künftig privat zahlen müssten, ausgewertet werden müsse er ja trotzdem, nur eben nicht priorisiert.

Testaufkommen auf Rekordniveau

Auch MVZ-Labor-Leiter Norbert Brink aus Münster ist skeptisch, wie viel Entlastung die Priorisierung am Ende bringen werde. Intern würde man schon die ganze Zeit priorisieren. Man habe auch maschinell und personell immer wieder aufgestockt. Trotzdem: Bei aktuell 6.000 Tests täglich sei längst nicht mehr zu gewährleisten, dass die Ergebnisse innerhalb von 24 Stunden vorlägen.

Es gibt regionale Unterschiede, aber durchschnittlich sind die Labore deutschlandweit zu 95 Prozent ausgelastet, teilt aktuell der Berufsverband der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e. V.) mit. 2,4 Millionen Tests wurden demnach in der vergangenen Woche bundesweit durchgeführt. Fast ein Viertel mehr als in der Vorwoche und ein Rekordwert in fast zwei Jahren Pandemie. Jeder dritte Test sei positiv gewesen. Vor einer Woche war es noch jeder vierte. In Nordrhein-Westfalen seien in der vergangenen Woche allein rund 810.000 PCR-Tests ausgewertet worden, so das Landesgesundheitsministerium unter Berufung auf die Rückmeldung der Labore.