Corona: Wie hilft eine Pneumokokken-Impfung?

Corona: Wie hilft eine Pneumokokken-Impfung?

  • Pneumokokken-Impfung hilft nicht gegen das Corona-Virus selbst
  • Ältere Menschen sollten sich dennoch impfen lassen
  • Gefährlich ist vor allem Kombination Corona+Lungenentzündung
  • Aktuell Engpässe bei der Impfstoff-Lieferung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Senioren angesichts der Corona-Krise dazu aufgerufen, ihre Kontakte in nächster Zeit zu reduzieren und sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Warum?

Was sind Pneumokokken?

Pneumokokken sind Bakterien, die zunächst den Nasen-Rachen-Raum befallen. Sie können aber weiterwandern und sind der häufigste Erreger einer Lungentzündung. Das Robert Koch Institut (RKI) schätzt, dass in Deutschland jährlich über 5.000 Menschen an einer Pneumokokken-Erkrankung sterben.

Wie hilft eine Pneumokokken-Impfung gegen Corona?

Gegen das Virus selbst oder die Lungenkrankheit Covid-19 hat die Impfung keine Wirkung. "Aber gerade ältere und immungeschwächte Menschen erkranken an einer sogenannten Pneumokokkenpneumonie, einer schweren Form der Lungenentzündung, die nicht selten tödlich endet", sagt Lungenfacharzt Doc Esser. "Richtig gefährlich wird die Pneumokokken-Pneumonie, wenn sie sich als bakterielle Superinfektion auf eine Infektion durch das Corona-Virus draufsetzt". Die bereits durch das Coronavirus geschwächte Körperabwehr müsse sich dann zusätzlich der Bakterien erwehren. "Und das kann dramatische Folgen haben und gilt zu verhindern", warnt Doc Esser.

Zudem könne ein Arzt bei einem Patienten mit Lungenentzündung, der gegen Pneumokokken geimpft ist, schneller zu einer Diagnose kommen, weil er diese Bakterien als Auslöser ausschließen kann, fügt Monika Kunze aus der Quarks Medizin-Redaktion des WDR hinzu.

Wer sollte sich impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim RKI hat ihre Empfehlungen für die Pneumokokken-Impfung aktuell angepasst. Der Grund dafür ist, dass wichtige Impfstoffe nur noch eingeschränkt lieferbar sind. Das Paul-Ehrlich-Institut hatte am Freitag (13.03.2020) auf Lieferengpässe bei den beiden Impfstoffen Pneumovax 23 und Prevenar 13 hingewiesen.

Bevorzugt zu impfen sind daher laut RKI im Fall von Pneumovax Patienten mit geschwächtem Immunsystem, Senioren ab dem Alter von 70 Jahren und Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen. Prevenar soll demnach ausschließlich für die Grundimmunisierung von Säuglingen verwendet werden.

"Auch bei Wiederverfügbarkeit der Impfstoffe sollten Pneumokokken-Impfungen ausschließlich dem Personenkreis vorbehalten bleiben, der in den gültigen Impfempfehlungen der STIKO benannt ist", heißt es auf der Website der Kommission. Zuvor empfahl diese, dass Senioren ab 60 eine Pneumokokken-Impfung mit ihrem Arzt absprechen sollten.

Übrigens: Experten empfehlen zudem auch jetzt noch eine Grippeschutzimpfung. Lungenfacharzt Doc Esser sagt: "Auch wenn der Peak der Erkrankungswelle fast erreicht ist, gilt es auch hier, eine Doppelinfektion bei immungeschwächten Personen zu vermeiden." Einige Experten raten auch zu einer Auffrisch-Impfung gegen Keuchhusten bei Erwachsenen. "Im Gegensatz zur Grippe- und Pneumokokken-Impfung würde ich das aber von Fall zu Fall entscheiden", so der Einwand von Doc Esser. Es sei etwas zu berücksichtigen, ob die Person beispielsweise vermehrten Kontakt zu potentiellen Keuchhustenüberträgern habe, etwa im Kindergarten.

Stand: 15.03.2020, 19:11

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