Astrazeneca - Sollten sich junge Menschen damit impfen lassen?

 Auf einem Tisch steht eine Ampulle mit dem Covid-19 Impfstoff des schwedisch-britischen Pharmakonzerns AstraZeneca.

Astrazeneca - Sollten sich junge Menschen damit impfen lassen?

Wir beantworten Ihre Fragen zum Impfen gegen das Coronavirus. Hier: Astrazeneca - Sollten sich junge Menschen mit diesem Impfstoff impfen lassen?

Wegen mehrerer Fälle von Impfkomplikationen mit besonders schweren Sinusvenen-Thrombosen wurde Astrazeneca in Deutschland eine Zeit lang nur eingeschränkt verimpft. Aktuell ist der Impfstoff für alle freigegeben. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt den Impfstoff wegen der möglichen schweren Nebenwirkungen allerdings nur für Über-60-Jährige. Was bedeutet das für jüngere Menschen, die sich impfen lassen möchten?

Der Stiko-Vorsitzende, Prof. Thomas Mertens, betont, dass es eine Abwägungsfrage sei, ob man sich auch als jüngerer Mensch mit Astrazeneca impfen lassen sollte oder nicht. Wer einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt, etwa durch eine hohe Inzidenz am Wohnort, oder vorerkrankt sei und damit ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf habe, sollte sich auch mit Astrazeneca impfen lassen.

Stiko-Vorsitzende Prof. Thomas Mertens empfiehlt Astrazeneca für Ü-60-Jährige.

Stiko-Vorsitzende Prof. Thomas Mertens empfiehlt Astrazeneca für Ü-60-Jährige.

Anders sei das bei Menschen, die ihr Infektionsrisiko niedrig halten können, etwa durch Homeoffice, und auch sonst keine Vorerkrankungen haben: Wenn kein erhöhtes Risiko vorliegt, empfiehlt der Stiko-Vorsitzende stattdessen einen mRNA-Impfstoff.

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Wie hoch ist das Risiko einer schweren Nebenwirkung?

In sehr seltenen Fällen kann es nach der Impfung mit Astrazeneca zu Thrombosen an der Sinusvene des Gehirns kommen. Etwa ein bis zwei Fälle sind pro 100.000 geimpften Personen aufgetreten. 

Immunologe Prof. Carsten Watzl rät Jüngeren von Astrazeneca ab.

Immunologe Prof. Carsten Watzl rät Jüngeren von Astrazeneca ab.

Laut dem Immunologen Prof. Carsten Watzl von der TU Dortmund liegt das Risiko für jüngere Menschen, solch eine schwere Nebenwirkung durch die Impfung zu erleiden, jedoch höher - bei 1 zu 30.000. Deshalb empfiehlt er die Impfung nicht für Menschen unter 35. Allerdings: ein langer Arbeitsweg sei risikoreicher als die Impfung mit dem Vakzin.

Bei welchen Symptomen sollte ich nach einer Astrazeneca-Impfung alarmiert sein?

Anzeichen für eine Sinusvenen-Thrombose sind unter anderem sehr starke Kopfschmerzen, Schwellungen an Armen und Beinen, Brustschmerzen, Übelkeit oder auch Einblutungen unter der Haut. Diese Warnhinweise können zwischen vier und 20 Tagen nach der Impfung auftreten.

Sinusvenen-Thrombosen können zwar tödlich enden, sind aber behandelbar. Bei entsprechenden Anzeichen sollte man unbedingt zum Arzt gehen.

Warum ist die Impfung mit Astrazeneca für jüngere Menschen risikoreicher als für ältere?

Immunologe Prof. Watzl erklärt das so: "Diese Sinusvenen-Thrombose ist eine ganz spezielle Art der Autoimmunerkrankung. Das heißt, es ist eine Überreaktion oder Fehlreaktion des Immunsystems. Wir wissen, dass das Immunsystem bei jüngeren Leuten eher aktiv ist und bei älteren Leuten nicht ganz so aktiv. Dementsprechend treten auch solche Autoimmunerkrankungen eher bei den Jüngeren auf und leider auch eher bei den Frauen, weil die ein eher stärkeres Immunsystem haben als die Männer."

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Ist Astrazeneca ein Impfstoff "zweiter Klasse"?

Astrazeneca sei zwar eine Impfung, die einen ausreichenden Schutz biete. Trotzdem sei es ein Impfstoff, der "gewisse Haken" habe, so der Stiko-Vorsitzende Prof. Mertens. "Zweite Klasse ist vielleicht zu viel gesagt, aber es wäre nicht die erste Wahl, wenn man wirklich die freie Entscheidungsmöglichkeit hätte."

Die Studienlage bescheinigt dem Impfstoff eine hohe Wirksamkeit. Schon in den Zulassungsstudien zeigte sich: Probanden, die trotz Impfung an Covid-19 erkrankten, mussten nicht im Krankenhaus behandelt werden - selbst wenn sie nur die erste der zwei Dosen verabreicht bekamen. Allerdings nahmen an diesen Studien nur wenige Probanden teil.

Eine Effektivitätsstudie mit hunderttausenden Geimpften zeigte später: Der Astrazeneca-Impfstoff bietet einen 94-prozentigen Schutz vor einer Corona-Erkrankung, die im Krankenhaus behandelt werden muss, gemessen vier bis fünf Wochen nach nur einer Dosis.

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Stand: 03.08.2021, 08:12