Handel mit Schutzmasken: "Die Profitgier wird immer größer"

Handel mit Schutzmasken: "Die Profitgier wird immer größer"

  • Preise für Masken steigen fast stündlich
  • Zwischenhändler überbieten sich mit absurden Preisen
  • Interview mit Unternehmenschef Marc Kloepfel

Herr Kloepfel, ihr Unternehmen unterstützt mittelständische Firmen bei Einkäufen auf dem internationalen Markt. Wie schwierig ist es im Moment, überhaupt qualitativ hochwertige Masken zu bekommen?

Marc Kloepfel: In China produzieren mittlerweile unzählige Fabriken Masken für die ganze Welt. Da sind natürlich qualifizierte Unternehmen dabei, die das wirklich können, aber auch welche, die quasi in der Hinterhof-Garage produzieren und von Qualitäts-Vorgaben keine Ahnung haben.

Verkaufen sich solche Masken trotzdem?

Kloepfel: Es sind gerade viele Einkäufer unterwegs, die sonst Elektronikteile handeln oder Spielzeuge - die sollen jetzt Masken kaufen. Da ist sehr viel Unwissenheit unterwegs und gleichzeitig sehr viel Geld. Die Maskenpreise steigen fast stündlich, das Angebot wird immer knapper, die Profitgier immer größer. Dazu kommen immer mehr Regeln vom chinesischen Staat.

Was erleben Sie beim Export von Masken aus China?

Ein Bild von Marc Kloepfel.

Kloepfel: Sehr viele Staaten haben Deals mit der chinesischen Regierung für bestimmte Mengen an Masken. Um die zu erfüllen, leitet China willkürlich Lieferungen, die eigentlich für jemand anderen bestimmt sind, in andere Länder.

Das heißt, die Länder kaufen sich gegenseitig die Waren vor der Nase weg?

Kloepfel: Zwischenhändler werden zum Teil von Regierungen finanziert, zum Beispiel den USA. Wir sehen häufig, dass sie mit Geldkoffern in Fabriken gehen, um die eigentlichen Käufer mit absurden Preisen zu überbieten. Wenn man Ware im LKW hat, muss man die wirklich mit Security schützen. Das bringt eine wahnsinnige Unsicherheit ins Geschäft, weil man sich auf nichts verlassen kann.

Wie groß ist die Gefahr, auf Betrüger reinzufallen?

Kloepfel: Sie können eigentlich keine Masken mehr kaufen, ohne 100 Prozent in Vorkasse zu gehen, daran liegt eine Gefahr. Wir hatten vor zwei Wochen einen Fall, wo wir einige Millionen Masken für einen Kunden kaufen wollten. Der Hersteller hat uns bis zum letzten Moment versichert, dass die Ware da ist und hat immer wieder auf das Geld gepocht. Wir sind misstrauisch geworden und haben einen unserer Mitarbeiter vor Ort in China zum Lager geschickt. Dort stellte sich heraus: Statt der vereinbarten vier Millionen Masken gab es nur 50.000.

Wie kann man seriöse und unseriöse Angebote überhaupt noch unterscheiden?

Kloepfel: Für Qualität muss man gerade überhöhte Preise in Kauf nehmen. Normalerweise sind wir darauf spezialisiert, zu verhandeln. Aktuell kontrollieren wir nur noch die Qualität. Sie müssen sich das so vorstellen: Bei den Lieferanten sitzen im Wartezimmer 30, 40 Leute, die alle die Ware kaufen wollen. Und wenn sie dann verhandeln wollen, dann sagt der: Ok, gebe ich halt dem nächsten meine Ware.

Stand: 08.04.2020, 18:57

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