Fotos aus der Coronazeit - für die Geschichtsbücher von morgen

Graffiti auf dem Boden: 'Richtig niesen'

Fotos aus der Coronazeit - für die Geschichtsbücher von morgen

Von Susanne Schnabel

  • Wissenschaftler bauen Online-Archiv für Alltagserfahrungen auf
  • Jeder kann sich mit Fotos, Videos und Texten beteiligen
  • Wettbewerb für Kinder und Jugendliche von der Körber-Stiftung

Forscher der Universitäten Hamburg, Gießen und Bochum bauen derzeit mit Hilfe von Bürgerinnen und Bürgern ein zeithistorisches Archiv zur Corona-Pandemie auf. Es soll eine möglichst umfassende Sammlung von Dokumenten und Eindrücken des Lebens während der Krise entstehen. Ziel des Projekts ist es, künftigen Generationen das Material zur Erforschung der Ereignisse des Jahres 2020 zu liefern.

Nachdenkliches und Lustiges aus dem "Coronarchiv"

Kinder bemalen eine Fensterscheibe mit einem Regenbogen

Der Regenbogen ist für Kinder das Symbol der Hoffnung in der Krise. Layanne aus Telgte hat ihre Kinder Amy und Sam beim Malen fotografiert und schreibt ins Archiv: "Jeder Regenbogen ist ein Lächeln des Himmels, das uns daran erinnert, dass nach trüben Tagen auch wieder die Sonne für uns scheint."

Der Regenbogen ist für Kinder das Symbol der Hoffnung in der Krise. Layanne aus Telgte hat ihre Kinder Amy und Sam beim Malen fotografiert und schreibt ins Archiv: "Jeder Regenbogen ist ein Lächeln des Himmels, das uns daran erinnert, dass nach trüben Tagen auch wieder die Sonne für uns scheint."

Sandra aus Krefeld hat mit ihren Kindern Luisa und Niklas einen Zoo im Garten eingerichtet: "Meine fünfjährige Tochter wollte so gerne, nach zweieinhalb Wochen 'Zuhause sein', mal wieder in den Zoo. Leider ist es zurzeit nicht möglich, da haben wir uns einen eigenen Zoo gemalt und konnten hier jedes Tier in Ruhe und ganz alleine bestaunen."

Die kleine Luisa lernt in dieser Zeit auch, was Solidarität bedeutet und hängt regelmäßig Lebensmittel an den "Gabenzaun" in Krefeld. Mutter Sandra sagt: "Wenn es einem gut geht, hat man die Verantwortung und Pflicht dafür zu sorgen dass es anderen auch gut bzw. besser geht."

"Mutti-Tasking Extrem(!)" hat Roxy aus Witten ihr Foto betitelt. "Ich habe das Gefühl, noch nie zuvor so gefordert worden zu sein wie währen dieser Krise", schreibt die Mutter und berichtet von ihrem Alltag: Haushalt, kochen, Video-Konferenzen, mit den Kindern spielen, Gartenarbeit und Masken nähen.

Hier geht es zum "Drive-In-Abstrichtest" in Leverkusen. "MrMan" schreibt dazu: "Für mich zeigt es einfach, wie wandelbar alles ist. Vor Jahren war dort ein Freibad, dann wurden Flüchtlingsunterkünfte errichtet und jetzt kann man sich dort auf Corona testen lassen."

"Meine erste (Menschen)schlange", schreibt "JuKö" aus Kriftel am Taunus und ergänzt zu seinem Foto: "Nur mal kurz zum Drogeriemarkt war gestern. Heute heißt es WARTEN. 15 Personen dürfen maximal rein. Verständnis ist da. Geduld auch. Toilettenpapier fehlt mal wieder. Hamsterkaufdauerbrenner! Aber gut, was wir haben ... das ist Zeit ..."

Herbert aus Gießen hat ein Foto dieser Litfaßsäule im Coronarchiv eingereicht und schreibt dazu: "Ein seltener Anblick für eine ansonsten gepflegte Werbeplattform, der deutlich macht, wie viele 'nachgeordnete' Branchen von dem Veranstaltungsverbot betroffen sind."

Ein fotografiertes Graffito von Helen aus Berlin, das auch in NRW thematisch passen würde. Sie schreibt: "Zehntausende Erntehelfer*innen werden zur Spargelernte eingeflogen, um für einen mageren Lohn in Deutschland zu arbeiten. ... Gleichzeitig wird die Aufnahme von tausenden Menschen in überfüllten griechischen Lagern mit dem Argument möglicher Infektionsrisiken (für die Menschen in Deutschland) abgelehnt."

Svenja und Marvin aus Münster haben "Ja, ich will" gesagt, trotz Corona: "Mit Mundschutz und unseren Eltern in zwei Metern Abstand vorm Standesamt. Das war zwar erst seltsam, so ganz ohne Freunde, aber wir haben im Laufe des Tages durch eine tolle Aktion unserer Trauzeugen 50 Videos von all unseren Freunden und Verwandten bekommen."

Verschiedene Aspekte des Krisenalltags

Das "Coronarchiv" ist als Internetbibliothek konzipiert und besteht aus Texten, Fotos, Social-Media-Beiträgen und Videos, die verschiedene Aspekte des Krisenalltags aus unterschiedlichsten Blickwinkeln abbilden. Jeder kann mit wenigen Kicks seine Beobachtungen hochladen, die zusätzlich mit Metadaten wie dem Entstehungsort und -zeit für die künftige Analyse versehen werden.

Mittlerweile sind fast 1.000 Beiträge eingegangen (Stand 26.04.2020), was Christian Bunnenberg von der Ruhruniversität Bochum sehr freut. Er hatte die Idee zu dem Projekt. "Gerade am Anfang bezogen sich die Einreichungen sehr stark auf Mangel. Dann ging es kurze Zeit später vor allem um Distanz. Mittlerweile findet man auch sehr viel an Reflexion", so der Historiker.

Historiker-Projekt: Corona-Archiv

WDR 3 Kultur am Mittag 27.04.2020 06:30 Min. Verfügbar bis 27.04.2021 WDR 3

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Wettbewerb für Kinder und Jugendliche

Die Körber-Stiftung ruft Kinder und Jugendliche im Rahmen eines Mitmach-Wettbewerbs auf, sich mit der Corona-Krise zu beschäftigen und ihre Erfahrungen und Ideen für das "Coronarchiv" zu dokumentieren.

Stand: 26.04.2020, 10:00

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