Gesundheitsämter: Corona-Warn-App bedeutet Mehrarbeit

Gesundheitsämter: Corona-Warn-App bedeutet Mehrarbeit

  • Hotline der Corona-Warn-App offenbar zu kompliziert
  • Gesundheitsämter werden stattdessen angerufen
  • App-Arbeit kommt für Gesundheitsämter hinzu

Lange hat es gedauert, seit Dienstag (16.06.2020) ist sie da: Die deutsche Corona-Warn-App. Gemeinsam von SAP und der Deutschen Telekom entwickelt, kann sie in den App-Stores von Google und Apple heruntergeladen werden. In den ersten 24 Stunden wurde sie 6,5 Millionen Mal heruntergeladen.

Die Nachverfolgung von Kontaktpersonen eines Infizierten ist wichtig, um die Ausbreitung des Virus zu unterbrechen - und auch im Zusammenhang mit der App Aufgabe der Gesundheitsämter. Das bedeute mehr Arbeit für die Ämter, bemängelt die Notfall-Medizinerin Ute Teichert. Die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes ist auch Direktorin der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf.

WDR: Frau Teichert, welche Erwartungen haben Sie an die App?

Dr. Med. UteTeichert

"Daten aus der App sollten direkt an die Gesundheitsämter gehen"

Ute Teichert: Ich erwarte jedenfalls keine Entlastungen, ganz im Gegenteil: Ich gehe davon aus, dass die Gesundheitsämter mehr Arbeit haben werden. Das liegt daran, dass die App zusätzlich zur bisherigen Kontaktpersonen-Ermittlung der Gesundheitsämter läuft. Sie ist eine technische Ergänzung. Für die Pandemie-Bekämpfung ist das etwas Gutes. Wir werden im Falle eines Corona-Ausbruchs mehr Kontaktpersonen über die App erkennen, und genau das wollen wir ja auch. Die Fälle müssen aber dann auch bearbeitet werden, und das bedeutet noch mehr Aufwand für die Gesundheitsämter.

WDR: Gibt es noch weitere Probleme?

Teichert: Neben der App-Betreuung kommt zusätzlich noch die Beantwortung von Fragen auf die Gesundheitsämter zu. In Berlin hat es in den ersten Stunden nach dem Start über 400 Anrufer gegeben, die Fragen zur App hatten.

Da wussten viele nicht, was sie tun sollen, denn die Nummer der App-Hotline ist offenbar zu kompliziert. Da gibt es viele Möglichkeiten für Zahlendreher zum Beispiel. Daher haben sich viele an die Corona-Hotline der Gesundheitsämter gewandt. Die war völlig überlastet am ersten Tag.

Wenn dann neben der regulären Tätigkeit auch noch die "App-Betreuung" hinzukommt, ist das irgendwann einfach sehr viel.

WDR: Was würden denn generell helfen?

Teichert: Es würde helfen, wenn Daten, die in der App sowieso erfasst werden, direkt an die Gesundheitsämter weitergeleitet werden würden - zum Beispiel Labordaten. Das würde den Gesundheitsämtern unheimlich viel Arbeit abnehmen.

Aber da gab es im Vorfeld Bedenken beim Datenschutz, die ich auch prinzipiell verstehen kann. Direkte Übermittlung der Daten aus der App an die Behörden ist daher derzeit nicht möglich, was dazu führt, dass Patienten oder Kontaktpersonen in der App und bei den Gesundheitsämtern angeben müssen.

Das Gespräch führte Matthis Jungblut.

Stand: 18.06.2020, 06:00