Corona-Lockerung: Weniger Platz in den Städten

Corona-Lockerung: Weniger Platz in den Städten

Von Peter Schneider und Christian Basl

  • Erste Woche Corona-Lockerungen: Innenstädte werden voller
  • Datenanalyse zeigt deutliche Veränderungen gegenüber den vergangenen Wochen
  • Mehr als dreimal so viele Passanten in den Einkaufsstraßen

Die erste Woche der ersten Lockerungen in der Corona-Krise ist vorbei. Lässt sich diese Veränderung im Leben der Menschen auch in Zahlen ablesen? Eine Analyse von Passantendaten und verschiedenen Verkehrsmeldungen zeigt, dass die Normalität noch weit entfernt ist.

Im Durchschnitt der vergangenen Wochen kamen pro Tag gut 90 Prozent weniger Passanten in die Innenstädte. Doch mit der Öffnung der Geschäfte am 20. April kommen die Kunden zurück.

In Münster, Aachen und Dortmund hat sich der Mittelwert pro Tag mehr als verdreifacht. Auf der Schadowstraße in Düsseldorf gab es im Wochenvergleich die geringste Steigerung.

Mehr Passanten - aber kein Einkaufsboom

In den Kassen der Einzelhändler machte sich die höhere Besucherfrequenz noch nicht bemerkbar, wie Jörg Hamel vom Handelsverband Nordrhein-Westfalen sagte: "Die Konsum-Neigung der Menschen ist gerade extrem niedrig. Die Leute gehen raus, genießen das Bummeln und eine Art Freiheit. Aber sie denken nicht direkt ans Einkaufen", sagte er dem WDR.

Der detaillierte Blick auf die Kölner Hohe Straße zeigt die Entwicklung der vergangenen Wochen. Die Hohe Straße steht dabei exemplarisch für fast alle Innenstädte in NRW: Nach dem Erlass der Kontaktbeschränkungen sieht man einen deutlichen Einbruch der Passantenzahlen.

Anschließend bleiben die Zahlen auf niedrigem Niveau, ehe sie mit dem 20. April wieder nach oben gehen. Erstmals kann man jetzt auch wieder von den Zahlen auf den Wochentag schließen.

Noch sind längst nicht alle Geschäfte geöffnet. In Bielefeld, Köln und Neuss hatten nach einer Stichprobe des Einzelhandel-Beratungsunternehmens EHI etwa drei Viertel aller Geschäfte ab Montag wieder geöffnet. In Köln waren in der Hohe Straße und der Schildergasse nur etwas mehr als die Hälfte der Läden offen, während in Neuss knapp 90 Prozent geöffnet hatten.

Beim Blick auf die einzelnen Branchen zeigt sich, dass hier die Schwankungen geringer sind. Textil- und Schuhhändler liegen mit 70 Prozent im hinteren Bereich - haben auf Grund ihres hohen Anteils an Innenstadtgeschäften aber deutlichen Einfluss auf den Gesamtschnitt.

Woher stammen die Daten?

Innenstädte

Der Dienst “Hystreet” zeichnet in rund 60 Städten in Deutschland mit einer Art Lichtschranke auf, wie viele Menschen sich in Fußgängerzonen aufhalten. Diese Daten wurden für NRW-Städte ausgewertet. Beim Vergleich der einzelnen Wochen wurde die Woche der Lockerungen von montags bis samstags mit dem Mittelwert der zweiten und dritten Woche des Lockdown verglichen.

Verkehr

Um die Veränderung im Straßenverkehr zu untersuchen, kamen Daten des WDR-Verkehrsstudios und Informationen des Navigationsgeräteherstellers TomTom zum Einsatz.

Stand: 26.04.2020, 13:55

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