Berufskollegs öffnen: "Ein Restrisiko bleibt"

Berufsschülerinnen im Unterricht an Elly-Heuss-Knapp-Berufsschule in Düsseldorf

Berufskollegs öffnen: "Ein Restrisiko bleibt"

  • Berufskolleg in Gelsenkirchen öffnet für Prüfungsklassen
  • Nur sechs Schüler pro Klassenzimmer erlaubt
  • Einbahnstraßen auf den Gängen, Einzeltermine für Risikogruppen

Die Diskussion um die Schulöffnungen kreist derzeit häufig um Gymnasien. Dabei sind die Berufskollegs mindestens genauso stark betroffen. Denn in NRW gibt es mehr Schüler an beruflichen Schulen als an allgemeinbildenden. Und für diejenigen Berufskolleg-Schüler, bei denen Prüfungen anstehen, ist der Unterricht ab Donnerstag (23.04.2020) laut Schulministerium "verpflichtend".

Prüfungsvorbereitung soll Schülern Sicherheit geben

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 20.04.2020 03:16 Min. Verfügbar bis 20.04.2021 WDR 5 Von Peter Hild


Download

Gorden Skorzik ist Schulleiter des Berufskollegs Königstraße in Gelsenkirchen. Dort gibt es 2.300 Schüler, 1.000 davon sind im Abschlussjahr, 330 müssen in den kommenden Wochen eine Prüfung machen.

WDR.de: Am Samstag bekamen Sie per Mail aus dem Schulministerium die Vorgabe, dass ab Donnerstag verpflichtender Unterricht für viele Ihrer Schüler stattfinden muss. Waren Sie überrascht?

Gorden Skorzik, Schulleiter Berufskolleg Gelsenkirchen

Schulleiter Skorzik: "Kommt die Öffnung zu früh?"

Gorden Skorzik: Uns war schon klar, dass wir uns zuerst um die Prüfungsklassen kümmern. Allerdings fehlte uns die Zeit. Wir hatten lediglich drei Tage zur konkreten Vorbereitung, da hätten wir mehr Luft gebraucht. Zudem stellt sich die Frage, ob die Öffnung nicht zu früh kommt. Aber das kann man erst in zwei Wochen beantworten.

WDR.de: Was haben Sie unternommen, um Ihre Schule wieder öffnen zu können?

Skorzik: Wir haben 32 Räume zur Verfügung, in denen wir den Abstand von 1,50 Metern einhalten können. Dort sitzen dann maximal sechs Schüler, die am Eingang abgeholt und dorthin begleitet werden. Es sind immer dieselben sechs Schüler, die immer auf demselben Platz sitzen. Auf den Gängen herrscht ein Einbahnstraßensystem, es gibt Kollegen, die "Flurwache" halten. Schüler, die zur Risikogruppe gehören, werden einzeln betreut. Es gibt einen Reinigungsplan, Desinfektionsmittel ist vorhanden. Wir empfehlen zudem Lehrern und Schülern, Masken zu tragen.

WDR.de: Wie gehen die Schüler mit der Situation um?

Skorzik: Die Schüler sind bereit, die wollen unbedingt ihren Abschluss machen. Es ist mir wichtig, dass wir gerade die Schüler in den schwächeren Bildungsgängen nicht vergessen. Die haben es ohnehin schwer auf dem Arbeitsmarkt und brauchen einen Abschluss, der etwas wert ist.

WDR.de: Wie sieht es in Ihrem Kollegium aus?

Skorzik: Das Kollegium besteht aus 142 Personen, von denen sind derzeit 88 einsatzfähig. Der Rest zählt zur Risikogruppe, hat die Altersgrenze von 60 überschritten oder ist krank geschrieben.

WDR.de: Fühlen Sie sich ausreichend vorbereitet? Oder haben Sie Bauchschmerzen, wenn Sie am Donnerstag öffnen?

Skorzik: Beides. Wir sind vorbereitet, aber am Ende können wir nur minimieren. Ein Restrisiko bleibt auf jeden Fall.

Das Interview führte Ingo Neumayer.

Corona: Großes Stühlerücken in bergischen Schulen Lokalzeit Bergisches Land 20.04.2020 02:31 Min. Verfügbar bis 20.04.2021 WDR Von Petra Dierks

Stand: 22.04.2020, 14:41