Teurer ÖPNV: "Da fehlt einfach der Ehrgeiz"

Teurer ÖPNV: "Da fehlt einfach der Ehrgeiz"

  • ÖPNV in NRW extrem teuer im Bundesländervergleich
  • Verkehrsforscher fordert einfacheres Tarifsystem
  • Verkehrsverbünde müssten umdenken

Laut einer ADAC-Untersuchung sind die Ticketpreise für Busse und Bahnen fast nirgendwo in Deutschland so teuer wie in NRW. Warum ist das so, und wie ist der ÖPNV hierzulande aufgestellt?

Heiner Monheim

Heiner Monheim

Verkehrsforscher Prof. Heiner Monheim ist gebürtiger Aachener und seit 1995 Berater für Verkehrsfragen in NRW und anderen Bundesländern. Er analysierte national wie international Verkehrskonzepte, unter anderem in seiner Heimatstadt, in Bonn, Düsseldorf, Köln und Münster.

WDR: Wie bewerten Sie den Preisvergleich des ADAC?

Prof. Heiner Monheim: Das ist schon betrüblich. Die teuren Preise passen überhaupt nicht zum Leitbild der Nahmobilität, an dem sich die Landesregierung seit ein paar Jahren intensiv orientiert.

WDR: Was macht den ÖPNV in NRW so teuer?

Monheim: Das liegt an der Denke der Verantwortlichen. Die Tarife werden ja nicht von den Verkehrsgesellschaften selber definiert. Die werden auf der Ebene der Verkehrsverbünde ausgehandelt. Und da fehlt einfach der Ehrgeiz, nochmal die Märkte richtig in Bewegung zu bringen und deutlich mehr Autoverkehr als bisher zu ersetzen.

WDR: Wir sprechen also von einem strukturellen Problem?

Monheim: Ja. Die Verkehrsverbünde werden kommunal gesteuert. Aber beim ÖPNV sind die Kommunen im Vergleich zum Autoverkehr ziemlich geizig. Selbst viele 'arme' Kommunen geben ja nach wie vor Milliarden aus für neue Parkhäuser oder Fahrbahnsanierungen.

WDR: Was sollten die Kommunen tun?

Monheim: Die Kommunen, die die Kostenunterdeckung tragen, müssen aufhören, diese als Defizite zu bejammern. Das sind ja Zukunftsinvestitionen. Mehr ÖPNV rettet am Ende die Verkehrswende. Und da darf man den ÖPNV nicht kaputtsparen. Das richtet sich vor allem an die Landräte, an den ÖPNV in ländlichen Regionen, der sich leider auch in NRW im Wesentlichen auf Schülerverkehr beschränkt und die sonstige Mobilität völlig ignoriert.

WDR: Was müssen die Verkehrsverbünde tun?

Monheim: Wir brauchen vor allem ein ganz einfaches Tarifsystem, vor dem die Leute keine Angst haben, etwas falsch zu machen. Sie müssen sich ja nur einmal vor einen Fahrkartenautomaten stellen mit den vielen Knöpfchen oder vor einen Fahrplan mit den vielen Fußnoten darunter – das ist alles nicht sehr kundenfreundlich.

WDR: Ihr Fazit?

Monheim: Wir brauchen eine massive Flurbereinigung und am Ende auch eine deutlich günstigere Preislandschaft, die es den Leuten stärker nahelegt als bisher, das Auto im Zweifel sogar ganz abzuschaffen und völlig auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen.

Das Interview führte Frank Menke.

Stand: 19.06.2019, 18:50

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