Laschet findet Tempolimit 130 "unlogisch": Warum Elektroautos kein Argument sind

Laschet findet Tempolimit 130 "unlogisch": Warum Elektroautos kein Argument sind

Von Jörn Kießler

CDU-Kanzlerkandidat Laschet hält Tempo 130 auf Autobahnen für "unlogisch". Seine Begründung: Elektroautos produzierten auch bei höheren Geschwindigkeiten kein CO2. Hat er Recht mit der Aussage?

Die Idee, mit einem Tempolimit auf Autobahnen den Ausstoß von CO2 zu verringern, ist nicht neu. Die Argumentation von Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hingegen schon. "Warum soll ein Elektrofahrzeug, das keine CO2-Emissionen verursacht, nicht schneller als 130 fahren dürfen", so Laschet im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Das sei "unlogisch".

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"Ganz so unlogisch ist das nicht", sagt hingegen der Verkehrsforscher Andreas Knie, der die Forschungsgruppe "Digitale Mobilität" am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) leitet. Denn die Aussage, Elektrofahrzeuge verursachten keine CO2-Emissionen, sei nicht ganz richtig.

Elektrofahrzeuge produzieren auch CO2

Prof. Dr. Andreas Knie

Verkehrsforscher Prof. Dr. Andreas Knie

Mit dem aktuellen Strom-Mix in Deutschland wird bei der Herstellung des Stroms, mit dem die Akkus der Fahrzeuge geladen werden, ebenfalls CO2 freigesetzt. "Runtergerechnet auf die Fahrstrecke bedeutet das, dass ein Elektroauto etwa 50 Gramm CO2 pro Kilometer produziert, bei einem Benziner sind das 125 Gramm pro Kilometer." Natürlich sei das weniger als bei einem Verbrennungsmotor. "Dafür, dass Elektrofahrzeuge von einem Tempolimit ausgenommen würden, reicht es aber nicht", so Knie.

Elektrofahrzeuge als Argument gegen ein allgemeines Tempolimit anzuführen, sei ohnehin unsinnig, sagt Alexander Kaas Elias von Verkehrsclub Deutschland (VCD). "Dafür sind noch viel zu wenige auf deutschen Straßen unterwegs."

Nach Informationen des Kraftfahrt Bundesamtes waren zum 1. Januar 2021 mehr als 48 Millionen Pkw in Deutschland zugelassen. Etwas mehr als 309.000 davon waren Elektrofahrzeuge. Mehr als 46 Millionen Diesel oder Benziner.

Weniger CO2, weniger schwere Unfälle

"Mit einem Tempolimit von 130 Stundenkilometern könnten so 1,9 Millionen Tonnen CO2 jährlich eingespart werden", sagt Kaas Elias. "Mit Tempo 120, wie wir es schon länger fordern, sogar 2,6 Millionen Tonnen." Das ist mehr CO2 als die Demokratische Republik Kongo mit mehr als 86 Millionen Einwohnern nach Daten des "Global Carbon Atlas" im gesamten Jahr 2019 freigesetzt hat.

"Aber es gibt noch viel mehr Argumente, die für ein Tempolimit sprechen", sagt Verkehrsforscher Knie. Mit Tempo 130 erhöhe sich die Fließgeschwindigkeit auf den Autobahnen, mehr Fahrzeuge könnten gleichzeitig unterwegs sein, ohne dass es zu Staus komme, die Zahl der Unfälle werde dadurch ebenfalls gesenkt. "Und nicht zuletzt würde die Sicherheit auf den Straßen verbessert werden", sagt Knie.

Kein relevanter Zeitgewinn ohne Tempolimit

Der ADAC enthält sich einer eindeutigen Positionierung. Hintergrund ist das gespaltene Meinungsbild der Mitglieder. Eine Unternehmenssprecherin weist aber auf Anfrage des WDR daraufhin, dass man auch wenn man schneller als 130 Stundenkilometer fahre, in der Regel keinen relevanten Zeitgewinn erziele.

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Stand: 05.07.2021, 20:08

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