Tempolimit: Streit um 130 auf der Autobahn

Tempolimit: Streit um 130 auf der Autobahn

  • Neue Debatte um Geschwindigkeitsbegrenzungen
  • Umweltaspekte spielen kaum eine Rolle
  • Auch psychologische Gründe wichtig

Das Thema lässt niemanden kalt: Sollte es auf Autobahnen eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 Kilometern pro Stunde geben? Für den Klimaschutz und mehr Sicherheit? In der nachrichtenarmen Zeit zwischen den Jahren hat der Vorstoß der neuen SPD-Vorsitzenden Saskia Esken ein altes Thema wieder auf die politische Agenda gebracht.

Gegner und Befürworter schenken sich nichts - weder in der Politik, noch in den Kommentaren der WDR-User. Diskutiert wird dabei allerdings kaum über die positiven Effekte, die ein Tempolimit auf die Umwelt haben könnte. Der Streit dreht sich vor allem um das Thema Sicherheit.

Nur eine Neiddebatte?

"Es gibt kein sachliches Argument für ein Tempolimit. Das ist eine reine Neiddebatte, geführt von Menschen, die sich kein anständiges Auto leisten können", meint zum Beispiel Christian Ellerbrock bei Facebook.

Er und viele andere sehen sich durch die aktuelle Unfallstatistik bestätigt: Demnach sind Autobahnen schon jetzt sicherer als andere Verkehrswege. Im Jahr 2018 wurden auf Autobahnen nur 6,7 Prozent der Unfälle mit Personenschaden und nur 12,9 aller Verkehrstoten gezählt.

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Andere warnen sogar vor neuen Gefahren durch ein Tempolimit. "Wer mit 130 km/h daher dümpelt, schläft eher ein oder ist abgelenkt", meint zum Beispiel User "Ch Bra". Laut Umweltbundesamt gibt es allerdings bisher keine empirischen Belege, dass die Konzentration von Autofahrern durch ein Tempolimit nachlässt.

Wenige, aber schwere Unfälle

Hingegen verweisen die Befürworter eines Tempolimits darauf, dass es zwar weniger Unfälle auf Autobahnen gibt - aber die Folgen eines Crashs dort umso schwerer sind. Laut Deutschem Verkehrssicherheitsrat kamen 2018 bei Unfällen in der Stadt auf 1.000 Unfälle mit Personenschaden fünf Getötete. Auf Autobahnen waren es 21.

Auch die allgemeine Verkehrskultur könnte durch ein Geschwindigkeitsbegrenzung gewinnen, sagen die Befürworter. "Ich fahre oft durch Frankreich und merke nach einigen Kilometer wie entspannt das Fahren mit 130 km/h doch ist", schreibt Tom Barrell. Frankreich hatte im Sommer 2018 zusätzlich ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern auf Landstraßen erlassen. Die Zahl der Verkehrstoten war daraufhin auf den historisch niedrigsten Wert gefallen.

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Für Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management ist das Thema Tempolimit so emotional aufgeladen, dass eine sachliche Diskussion kaum möglich ist. "In Deutschland ist das Thema 'schnelles Fahren' ähnlich belegt wie in Amerika das Thema des Waffenbesitzes." In beiden Fällen fühlten sich Menschen durch eine Regulierung in ihrer persönlichen Freiheit bedroht.

Das sieht Verkehrspsychologe Jörg Michael Sohn ähnlich: "In Deutschland gibt es den gesellschaftlichen Konsens, dass Autofahrer und Autos wichtig sind." Daraus folgend habe sich die Idee durchgesetzt, dass es ein Anrecht auf schnelles Fahren gibt.

Übrigens: Während der Ölkrise galt schon einmal ein allgemeines Tempolimit von 100 Stundenkilometern auf Autobahnen - vom November 1973 bis März 1974. Der ADAC hatte mit einer beispiellosen Lobbykampagne gegen das Limit Stimmung gemacht.

Unter anderem ließ der Verein Millionen von Aufklebern mit dem Slogan "Freie Fahrt für freie Bürger" verteilen. Mit Erfolg. Die Bundesregierung ließ die Schilder schnell wieder abbauen.

Stand: 27.12.2019, 12:18

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