Tempolimits vermindern Unfälle

Tempolimits vermindern Unfälle

  • Tempolimit auf etwa 30 Prozent der Autobahnen
  • Unfallgefahr steigt mit Geschwindigkeit
  • Autobahnen sind im Straßenvergleich aber sicher

Autobahnen sind im Vergleich mit anderen Straßen der sicherste Straßentyp der Welt. Allerdings steigt mit höherer Geschwindigkeit das Risiko, einen tödlichen Unfall zu verursachen: Laut Weltgesundheitsorganisation wächst das Risiko mit jedem Prozent mehr Tempo um vier Prozent.

Auf wie vielen Autobahnen in NRW gilt ein Tempolimit?

Grafik: Auf 70 Prozent der Autobahn in Deutschland gibt's kein Tempolimit

70 Prozent der Autobahnen ohne Tempolimit

Die Länge der Autobahnen in NRW beträgt rund 2.220 Autobahn-Kilometer, also 4.440 Kilometer pro Richtung. Davon sind nach Angaben von Straßen-NRW auf 1.708,3 Kilometern Tempolimits angeordnet.

Damit liegt NRW etwas über dem Bundesdurchschnitt, wonach etwa 30 Prozent aller Autobahnkilometer mit Tempolimits belegt sind.

Gibt es Erfahrungen für Abschnitte mit und ohne Tempolimit in NRW?

Es gibt hier zwar keine aktuellen Studien, aber: "Wir haben Vorher-Nachher-Vergleiche", erklärt Christian Kellner vom Deutschen Verkehrs-Sicherheitsrat (DVR). Und diese zeigten etwa bei Strecken in NRW, dass es überall dort zu weniger Unfällen gekommen sei, wo ein Tempolimit eingeführt wurde.

Christian Kellner vom Deutschen Verkehrs-Sicherheitsrat (DVR)

Kellner: Gibt nur Vorher-Nachher-Vergleiche

So hatte die Unfallkommission der Bezirksregierung Köln erst vor wenigen Monaten beschlossen, dass das auf der A4 bei Merzenich eingeführte Tempolimit dauerhaft bestehen bleiben soll. Dort wurde 2017 nach mehreren schweren Unfällen ein Tempolimit von 130 km/h eingeführt. In der Testphase danach hat es keine schweren Unfälle gegeben.

Nach einer Untersuchung in Brandenburg ist die Zahl der Unfälle dort von 654 in drei Jahren ohne Tempolimit auf 337 Unfälle in drei Jahren mit 130 km/h gefallen.

Was spricht gegen ein Tempolimit?

Prof. Michael Schreckenberg (Uni Duisburg-Essen)

Verkehrsexperte Schreckenberg für "angepasste Geschwindigkeit"

Abgesehen von der Zahl der Unfälle offenbar nicht viel: "Die Staugefahr wird nicht größer, wenn ich 160 statt 120 km/h fahren darf", erklärt Verkehrsexperte Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg-Essen. "Und auch der CO2-Ausstoß ist bei hohen Geschwindigkeiten nur wenig mehr."

Was spricht für ein Tempolimit?

Die Autobahnen werden sicherer. "Dafür ist die vorgeschriebene Geschwindigkeit ein wichtiger Parameter", erklärt Christian Kellner vom DVR. Allerdings seien auch die infrastrukturellen Gegebenheiten wie Zahl der Spuren, Baustellen, Gestaltung der Auf- und Abfahrt wichtige Faktoren.

Wann endet das Chaos in der Verkehrspolitik?

WDR 5 Presseclub 27.01.2019 57:04 Min. Verfügbar bis 27.01.2020 WDR 5

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Der entscheidende Faktor ist für Verkehrsexperte Schreckenberg allerdings, wie Autofahrer ihr Fahrzeug beherrschen. Eine jeweils an die Begebenheiten angepasste Geschwindigkeit sei wichtiger als jede Tempobeschränkung, so Schreckenberg. "Wenn jeder Autofahrer sich daran halten würde, würden wir überhaupt keine Geschwindigkeitsbegrenzungen brauchen."

Stand: 29.01.2019, 16:24

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