Überall Tempo 30: Was bringt das?

Verkehrsschild Tempo 30

Überall Tempo 30: Was bringt das?

Durch Dorf und Stadt mit Tempo 30: Das haben Umweltschützer und Polizei jetzt gefordert, weil es gut fürs Klima und die Sicherheit sein soll. Aber es gibt schon massive Kritik.

Tempo 30 in den Städten und Dörfern? Das könnte genauso schwierig werden wie der Versuch, Tempo 130 auf den Autobahnen einzuführen. Da gilt immer noch das Motto: "Freie Fahrt für freie Bürger". Und wenn man die ersten Reaktionen auf die Forderung der Umwelt- und Verkehrsverbände sieht, scheint es da ähnlich zu sein.

"Ich finde es bescheuert", schreibt katy.ja.27 in die Kommentare des Instagram-Posts der Aktuellen Stunde zeigt. "Es ist extrem einschläfernd und fordert Aufmerksamkeit." Eine anderer User glaubt nicht, dass das langsame Fahren wirklich umweltfreundlich ist: "Bei 30km läuft auch ein moderner Motor nicht im optimalen Effizienzbereich und ist somit durstiger und dreckiger."

Dieses Element beinhaltet Daten von Instagram. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Europäische Metropolen machen es vor

Viel Gegenwind also für das Bündnis, das heute in Berlin von allen Parteien ein klares "Ja" auch zu Tempo 30 gefordert hat. Dabei ist es nicht allein: Die Weltgesundheitsorganisation WHO macht sich auch dafür stark, weil das Limit den C02-Ausstoß deutlich senken und Unfälle verhindern soll.

Der Verkehr am Arc de Triumphe

Paris will die Verkehrswende

Außerdem gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Städten, die die Beschränkung eingeführt haben - im Ausland. In Madrid gilt sie schon seit bald drei Jahren und wurde vor kurzem auf ganz Spanien ausgeweitet. Brüssel hat Anfang des Jahres nachgezogen, in Paris sollen Autos ab Ende August nicht schneller als 30 Stundenkilometer fahren dürfen - mit wenigen Ausnahmen.

Damit wollen die Städte klimafreundlicher und sicherer werden. Dass in Oslo und Helsinki seit der Einführung 2019 weder ein Radfahrer noch ein Fußgänger ums Leben gekommen sind, scheint den Planern Recht zu geben.

In Deutschland und NRW noch die Ausnahme

In Deutschland dagegen tut man sich schwer damit. Immerhin: In Berlin gilt fast durchgängig Tempo 30. Außerdem wollen mehrere NRW-Städte im Rahmen eines bundesweiten Pilotprojekts das Tempo großflächig drosseln. Münster und Aachen sind dabei, Bonn will dazustoßen.

In Bonn gibt es jetzt schon erste Versuche, wenigstens stellenweise die Geschwindigkeit zu senken. So auf der Reuterstraße in Bonn, eine der wichtigsten Adern durch die Stadt. Wie sehr Gestank und Lärm dort seit Anfang 2020 abgenommen haben, steht noch nicht fest. Anwohner berichten aber gerne, dass sie endlich durchatmen können.

Welches Ergebnis ist das richtige?

Das hat auch das Umweltbundesamt schon 2017 festgestellt: "Tempo 30 verbessert überwiegend Umweltqualität, Sicherheit sowie Verkehrsfluss und Anwohnende nehmen die Entlastung wahr." Und: Tempo 50 sei für die meisten Straßen nicht mehr stadtverträglich.

Anders der ADAC. Der Automobilclub hat eigene Messungen angestellt, Fazit: Die Lärm-Frage spielt erst ab Tempo 50 eine Rolle, die Fahrzeit verlängert sich auf einer Strecke von 3,5 Kilometern von acht auf zehn Minuten. Außerdem würden die Autofahrer dann einfach den kürzeren Weg durch die Wohngebiete nehmen.

ADAC-Mitglieder gegen Tempo 30

Diese Untersuchung ist ein paar Jahre alt, aber der Club hat neulich seine Mitglieder befragt: 80 Prozent wollen von Tempo 30 nichts wissen. Dagegen wird auch der User "Goeckinghof" nicht ankommen: "Also ich bin definitiv für die Begrenzung auf Tempo 30 in der Stadt", schreibt er auf Instagram. "Da wäre ein Miteinander zwischen Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger und Rollstuhlfahrer wesentlich entspannter."

Stand: 13.07.2021, 18:12

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen