NRW will Tele-Notärzte überall im Land

NRW will Tele-Notärzte überall im Land

  • Tele-Notärzte sollen per Video helfen
  • Einsatz ergänzend zum "Rendezvoussystem" geplant
  • Planstellen sollen nicht gestrichen werden

Die NRW-Regierung bereitet den flächendeckenden Einsatz von Tele-Notärzten vor. Das sind Notärzte, die nicht mehr persönlich zu Notfällen ausrücken, sondern per Video in die Rettungswagen am Einsatzort geschaltet werden. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) geht davon aus, "dass wir das bis 2022 in der Regel in Nordrhein-Westfalen haben werden". Das sagte er am Donnerstag (11.10.2018) im WDR-Interview.

Gute Erfahrungen in der Region Aachen

In der Region Aachen, wo man den Tele-Notarzt "erfunden" habe und er bereits seit einigen Jahren im Einsatz ist, "hat man damit sehr gute Erfahrungen gemacht", so Laumann. Das Angebot sei ergänzend: "Es soll nicht den physisch anwesenden Rettungsarzt ersetzen", versichert der Christdemokrat. Rettungsassistenten sollten unterstützt werden, wenn ein Arzt nicht oder noch nicht vor Ort sei.

Einsparpotenzial sieht Laumann durch die Einsätze von Tele-Notärzten nicht: "Ich glaube nicht, dass wir damit Geld sparen. Wir wollen da ja auch keine Planstellen abbauen."

Das "Rendezvoussystem" bleibt

In NRW gilt das "Rendezvoussystem": Zu medizinischen Notfällen rückt ein Rettungswagen (meist der Feuerwehr) aus, der nicht mit Ärzten besetzt ist, aber mit notfallmedizinisch ausgebildetem Personal. Bei schweren Fällen stößt ein Notarzt hinzu. Über dessen Einsatz entscheidet in der Regel die Leitstelle. An dieser Praxis werde festgehalten.

Dr. Andreas Staufer, der als Anwalt nicht nur auf Medizinrecht spezialisiert, sondern selbst in der Münchner Notfallrettung tätig ist, sieht den Tele-Notarzt positiv. Natürlich müssten Patientensicherheit oder etwa auch der Datenschutz gewährleistet sein, aber wenn "alle qualitativen Anforderungen erfüllt sind, ist das ein gutes Hilfsmittel".

Tele-Notarzt - ein Gewinn in Spitzenzeiten

An der Haftung werde sich durch das System nichts ändern. Auch aus der Ferne sei ein Arzt für seine Diagnose verantwortlich. Genau wie die Sanitäter vor Ort für ihr Handeln und die an den Tele-Notarzt übermittelten Informationen verantwortlich seien. "Wichtig ist, dass alle gut ausgebildet sind und die Maßnahmen beherrschen, dann kann der Tele-Notarzt gerade in Spitzenzeiten ein großer Gewinn sein", sagt Staufer.

Wo der Tele-Notarzt in NRW letztlich unterwegs sein wird, liege letztlich an den Kreisen und kreisfreien Städten, so Laumann. Diese müssten es "auch wollen". Zudem sei die Umsetzung des Konzepts von der Verfügbarkeit von Ärzten abhängig. Ärzte seien knapp, und man müsse die Stellen rund um die Uhr besetzen.

Stand: 11.10.2018, 16:05

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