Von Bielefeld bis Bonn: Tausende pfeifen auf Abstand

Von Bielefeld bis Bonn: Tausende pfeifen auf Abstand

  • Verstöße gegen Corona-Regeln bei Arminia-Aufstiegsparty
  • Kritik an Bielefelds OB nach Umarmung ohne Maske
  • Corona-Regeln auch in anderen NRW-Städten missachtet

Nichts ist gegen Corona so wirksam wie Abstand halten - es gibt noch immer kein Gegenmittel. In einigen Großstädten in Nordrhein-Westfalen wurde das Abstandsgebot von 1,50 Meter am Wochenende aber tausendfach nicht eingehalten.

In Bielefeld feierten am Sonntag (28.06.2020) mindestens 4.000 Fans von Arminia Bielefeld den Aufstieg ihrer Mannschaft in die Fußball-Bundesliga. Laut Angaben der Polizei hatten sich allein vor dem Stadion rund 3.000 Fans versammelt. Dort jubelten sie der Mannschaft zu, die im Stadionbereich auf einem Treppengeländer stand und die Menge zum Feiern animierte.

Auf Fotos in sozialen Netzwerken ist zu sehen, dass unter den Fans kaum jemand den Mindestabstand einhält oder einen Mund-Nase-Schutz trägt.

Arminia-Fans verärgert über Stadt und Verein

Fußballfans in Bielefeld.

Ähnliche Szenen spielten sich vor dem Bielefelder Rathaus ab. Dort hatten sich nach Behördenangaben rund 1.000 Menschen versammelt, um unerlaubt zu feiern. Für Aufregung sorgt ein Foto, auf dem der Oberbürgermeister der Stadt Bielefeld, Pit Clausen (SPD), und Arminia-Präsident Hans-Jürgen Laufer zusammen vor dem Rathaus einen Fan umarmen – ebenfalls ohne Mund-Nasen-Bedeckung.

Auf sozialen Netzwerken gibt es viele wütende Kommentare von verärgerten Fans, die sich an den Aufruf von Stadt und Verein gehalten hatten, zu Hause zu bleiben.

Der DSC Arminia Bielefeld verweigert für heute eine Stellungnahme zu dem Foto. Auch sage man heute nichts dazu, dass die Mannschaft mit einem Autokorso durch die Stadt gefahren sei und dabei zum Teil Fans umarmt habe. Auch dabei wurden die Corona-Regeln verletzt.

Bielefelds OB: "Corona-Zeit ist keine Partyzeit"

Clausen nahm schriftlich Stellung zu dem Foto und den unerlaubten Feiern. Darin heißt es, der OB sei an der Party vor dem Rathaus vorbei gegangen, hätte dort zufällig den Arminia-Präsidenten getroffen und habe auf ein Taxi gewartet. Dabei hätten ihn Fans um ein Foto gebeten:

"Diesem Wunsch sind wir gerne nachgekommen, dabei haben wir für diese kurzen Fotomomente keine Maske getragen und keinen Abstand gewahrt. Ich habe aber nicht mitgefeiert (…). Ich kann verstehen, dass durch die Fotos ein anderer Eindruck entstanden ist. Corona-Zeit ist keine Partyzeit – dazu stehe ich."

Die unerlaubten Feiern könnten für Arminia Bielefeld noch ein Nachspiel haben. Die DFL hatte in einem ähnlichen Fall Union Berlin bestraft.

Kein Bußgeld, weil die Party zu groß war

Bußgelder wegen Verstößen gegen die Corona-Regeln haben die Behörden am Sonntag nicht gegen die Fans verhängt. Laut einer Sprecherin der Polizei habe das mit der Größe der Versammlungen zu tun. Einen Einsatz bei mehreren tausenden Verstößen auf einem Platz nannte sie "unverhältnismäßig". Die Behörden können demnach nur gegen kleinere Gruppen vorgehen.

Auch in anderen Städten in NRW gab es am Wochenende massive Verstöße gegen das Corona-Abstandsgebot. In Düsseldorf musste die Polizei die große Freitreppe am Rheinufer an beiden Tagen räumen. In der Altstadt wurden ebenfalls Menschenversammlungen aufgelöst. Zahlreiche Verstöße gab es ebenso in Köln am Stadtgarten und in Bonn am Rheinufer.

NRW-Innenminister Reul (CDU) hält derweil kein härteres Durchgreifen der Polizei für nötig, um die angesichts der Corona-Pandemie gebotenen Abstandsregeln auch bei Feiernden in Stadtparks oder in Ausgehvierteln durchzusetzen. "Wir greifen schon hart genug durch", sagte Reul am Montag in der "Aktuellen Stunde“. Aus seiner Sicht sind Teile der Bevölkerung trotz Corona viel zu sorglos geworden. Ein "großes Problem" sei allerdings die zunehmende Gewalt, mit der Feiernde reagierten, wenn die Polizei zum Beispiel Platzverweise ausspreche.

Maskenpflicht nur "in Kombination mit Abstand"

WDR 5 Morgenecho - Interview 24.04.2020 05:54 Min. Verfügbar bis 24.04.2021 WDR 5

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Stand: 29.06.2020, 15:55

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