Junge Menschen nehmen Amtssitz von Bundespräsident ein: "Unsere Stimme ist wichtig"

WDR-Gesprächspartnerin Zöhre Yari

Junge Menschen nehmen Amtssitz von Bundespräsident ein: "Unsere Stimme ist wichtig"

150 junge Menschen übernehmen heute den Amtssitz von Bundespräsident Steinmeier. Eine von ihnen ist Zöhre Yari aus Düsseldorf. Im Interview verrät sie, was sie vorhat.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat seinen Amtssitz im Berliner Schloss Bellevue und seinen Instagram-Kanal für einen Tag an 150 Jugendliche und junge Erwachsene übergeben. Gemeinsam mit dem Bundespräsidenten wollen Sie sich in Workshops unter anderem mit den Folgen der Klima-Krise, der Corona-Pandemie, aber auch über die Bildung von morgen austauschen.

Eine von ihnen ist die 23-jährige Studentin Zöhre Yari aus Düsseldorf. Im Interview erzählt sie, was sie über die Aktion "Takeover Bellevue" denkt und was sie dem Bundespräsidenten gern sagen möchte.

WDR: Der Bundespräsident hat Ihnen ja gerade symbolisch den Schlüssel zu seinem Schloss übergeben. Sie haben also heute das Sagen in Bellevue. Wie fühlt sich das an?

Zöhre Yari: Ich muss sagen: Es ist ein überwältigendes Gefühl. Das ist eine einmalige Chance, die wir vom Bundespräsidenten bekommen. Wir jungen Menschen sind ja "die Zukunft", uns wird mehr zugetraut und wir bekommen hier eine riesengroße Plattform geschenkt, um unsere Ideen vortragen zu dürfen. Mit ganz unterschiedlichen Menschen, aus unterschiedlichen Organisationen, die Experten auf ihren eigenen Gebieten sind. Das ist wunderbar.

WDR: Sie wollten den Bundespräsidenten auch persönlich ansprechen, oder?

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender begrüßen die ca. 150 Teilnehmer von "Takeover Bellevue"

Yari: Ich habe noch keine Chance bekommen, will das aber unbedingt nachholen.

WDR.de: Was würden Sie ihm sagen wollen?

Yari: Ich würde mich vor allem bedanken wollen. Seine Rede hat ja nochmal das Statement gesetzt, dass er uns ernst nimmt. Dass die Probleme der Pandemie, unter denen auch die Jungen zu leiden hatten, ihn auch privat beschäftigen. Ich finde schön, dass er sich die Zeit nimmt, hier zu sein und auch in die einzelnen Workshops zu gehen.

WDR: Die Themen, die die junge Generation beschäftigen, sind vielfältig. Sie selbst engagieren sich auch vor allem zum Thema Integration, zur Einwanderungsgesellschaft. Was beschäftigt Sie da?

Yari: Wir sind ja die Generation "post-migrantisch". Uns ist es wichtig, dass wir mehr Teilhabe-Chancen bekommen, Themen wie Rassismus irgendwann nicht mehr diskutiert, Existenzen nicht mehr hinterfragt werden müssen.

WDR.de: Der Takeover-Tag soll Ihrer Generation mehr Gehör verschaffen. Passiert das bislang zu wenig?

Yari: Ja, ich denke schon. Ich weiß nicht, ob in der Politik richtig angekommen ist, dass junge Menschen sich immer mehr als politische Akteure sehen, ihre Verantwortung ernst nehmen. Und ernst genommen werden wollen. Der heutige Tag, die Möglichkeit zu haben, sich mit dem Bundespräsidenten ganz nah auszutauschen, ist ein riesen Meilenstein für uns.

Ich hoffe, das setzt bei Politikern ein Statement. Unsere Stimme ist wichtig. Wir werden diejenigen sein, die in Zukunft darunter leiden werden, wenn Politiker irgendwelche Entscheidungen treffen, die vielleicht nicht in unserem Sinne sind.

Das Interview führte Lucas Kreling.

Stand: 07.10.2021, 13:48

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