Frühlingsanfang: Die innere Uhr tickt wieder richtig

Eine Reihe Bäume am Rheinufer zeichnet sich während der Morgendämmerung vor dem rosa Himmel ab

Frühlingsanfang: Die innere Uhr tickt wieder richtig

Von Jörn Kießler

  • Tag und Nacht sind am 20. März etwa gleich lang
  • Auswirkung: Innere Uhr synchronisiert mit Tagesablauf
  • Chronobiologe: Zeitumstellung nicht sinnvoll

Die gute Nachricht gleich vorweg: Seit Freitag (20.03.2020) werden die Tage wieder länger als die Nächte. Zudem beginnt mit der heutigen Tag-und-Nacht-Gleiche astronomisch gesehen der Frühling.

Allerdings nicht für alle Menschen in Nordrhein-Westfalen gleichzeitig - zumindest streng genommen. Denn in Höxter, der östlichsten Gemeinde NRWs, geht die Sonne bereits um 6.23 Uhr auf. Während die Bewohner von Selfkant, der westlichsten Gemeinde ganz Deutschlands, noch fast 15 Minuten darauf warten müssen.

Raus aus der Winter-Depression

"Diese Viertelstunde sollte aber verkraftbar sein", sagt Prof. Dr. Christian Cajochen, Leiter des Zentrums für Chronobiologie an der Universität Basel. Die Tag-und-Nacht-Gleiche am 20. März hingegen habe eine wichtige Bedeutung für viele Menschen.

"Sie hat einen großen Einfluss auf die Psyche", sagt Cajochen. "Viele verfallen im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, in den sogenannten Winter Blues oder sogar eine richtige Depression." Die Zeit rund um den astronomischen Frühlingsbeginn hole sie dort wieder heraus.

Helligkeit und soziale Zeit wieder synchron

Hauptgrund dafür sei vor allem das Sonnenlicht. "Die Zeit, in der es hell ist, passt jetzt auch wieder besser zum sozialen Tagesablauf", erklärt der Chronobiologe. Das bedeute: Wenn der Mensch morgens aufstehe, sei es draußen schon wieder hell. "So laufen die innere Uhr, die jeder Mensch hat, und die tatsächliche Uhrzeit wieder synchron."

Dass in der kommenden Woche die Uhren auf Sommerzeit umgestellt werden, sieht er daher als nicht besonders sinnvoll an. "Das bringt viele Menschen wieder aus dem Lot, die darauf empfindlich reagieren", sagt Cajochen. Darüber, wie drastisch die Auswirkungen dadurch seien, ist sich die Wissenschaft jedoch nicht einig.

Zeitumstellung trifft vor allem "Eulen"

"Es gibt Forscher, die sagen, dass diese Menschen bis zur Tag-Nacht-Gleiche im Herbst nicht mehr ins Lot kommen", erklärt der Chronobiologe. Andere seien der Meinung, eine Umstellung dauere nur ein bis zwei Wochen.

Besonders hart trifft die Zeitumstellung sogenannte "Eulen", also Menschen, die lieber spät aufstehen und gegen Abend am Leistungsfähigsten sind. Meist sind das eher jüngere Menschen, da sich der sogenannte Chronotyp mit dem Alter verändert.

Chronotypen: Von der Eule zur Lerche

In der Biologie unterscheidet man zwischen zwei Chronotypen.

Sogenannten Lerchen fällt es leicht, früh aufzustehen und ihren Kreislauf in Schwung zu bringen. Sie sind schon vormittags sehr leistungsfähig, bauen gegen Abend jedoch ab und gehen dann früh zu Bett.

Sogenannte Eulen schlafen Morgens gerne länger. Sie erreichen den Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit gegen Abend und bleiben daher auch gerne länger auf.

Der Chronotyp verändert sich jedoch im Laufe des Lebens. So werden viele Jugendliche, sobald sie in die Pubertät kommen, immer mehr zu "Eulen". "Ihre innere Uhr verspätet sich ab dann jedes Jahr um etwa 20 Minuten", sagt der Chronobiologe Prof. Dr. Christian Cajochen von der Universität Basel.

Dieser Prozess dauere etwa bis zum 19. oder 20. Lebensjahr. Dann dreht sich das Schlafverhalten wieder mehr in Richtung Lerche. Demnach fällt es Menschen leichter, früh aufzustehen, je älter sie sind.

Gerade in deutschen Schulen schafft das Probleme. Denn die Schüler, die dort etwas lernen sollen, sind meist noch nicht fit, wenn der Unterricht beginnt. Die Leistungsfähigkeit der Lehrer nimmt jedoch mit dem fortschreitenden Tag ab.

Schüler fordern späteren Schulbeginn

KiRaKa 06.09.2019 00:47 Min. Verfügbar bis 05.09.2020 KiRaKa

Stand: 20.03.2020, 07:41

Aktuelle TV-Sendungen