Tag der Ozeane: Saubere Meere durch Corona?

Korallenriff.

Tag der Ozeane: Saubere Meere durch Corona?

  • 8. Juni ist Tag der Ozeane
  • Küstenregionen sauberer wegen Corona
  • Experte vermutet: Entwicklung nicht nachhaltig

Am Montag (08.06.2020) ist der Welttag der Ozeane. Derzeit beobachten Forscher eine erfreuliche Entwicklung: Insbesondere Küstenregionen sind innerhalb kürzester Zeit sauberer geworden. Martin Visbeck ist Professor für Ozeanographie am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Er erklärt im WDR-Interview die Hintergründe.

Ozeane während Corona: "Erwarte keine Nachhaltigkeit"

WDR 5 Morgenecho - Interview 08.06.2020 06:03 Min. Verfügbar bis 08.06.2021 WDR 5


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WDR: Auf dem Wasser gab es aufgrund der Corona-Beschränkungen weniger Verkehr. Das hat sich in der Lagune von Venedig bemerkbar gemacht, wo zuletzt wieder mehr Delfine gesehen wurden. Professor Martin Viesbeck, war der Corona-Stillstand gut für die Meere?

Martin Visbeck: Das kann man partiell sagen. Vor allem vor Städten, wo sonst viele touristische Aktivitäten auf dem Wasser stattfinden, kommen Meeresorganismen wieder dichter an die Küsten. Das ist ein kleiner Beitrag zu etwas saubereren und ruhigeren Meeren. Aber auf der großen Skala hat sich nicht viel getan.

WDR: Das heißt, wenn man weiter raus aufs Meer schaut, gab es keine Veränderung?

Visbeck: Die großen Stressoren sind der Klimawandel, die Überfischung und die Übernutzung der Meere für Gütertransport. Die sind nicht oder nur wenig heruntergefahren worden während der Corona-Pandemie.

WDR: Welche Rolle spielen denn die Kreuzfahrtschiffe?

Delfin schaut aus dem Wasser.

Vor Venedig wurden mehr Delfine gesehen.

Visbeck: In der Lagune von Venedig spielen die Kreuzfahrtschiffe sicher eine Rolle. Sie sind überflüssig, denn wir brauchen sie nur für den Urlaub. Aber ihre Zahl ist geringer als die Zahl der anderen kommerziellen Schiffe, die auf dem Meer unterwegs sind.

WDR: Wie nachhaltig ist denn der kleine Stillstand, den wir jetzt hatten?

Visbeck: Ich erwarte überhaupt keine Nachhaltigkeit. Die Betreiber der touristischen Unternehmen hoffen ja, dass viele Gäste schon im Sommer wiederkommen.

WDR: Gibt es Gegenden, in denen die Verschmutzung besonders schlimm ist?

Visbeck: Die Verschmutzung in Küstennähe ist natürlich viel größer: Plastik im Meer kommt vom Land, die Schadstoffe kommen fast alle vom Land, die Küstenregionen sind viel mehr genutzt als der offene Ozean. Auch Flussmündungen sind Hochstress-Regionen.

WDR: Was bedeutet Hochstress genau?

Visbeck: Wir machen uns Sorgen, dass Meeresorganismen darunter leiden, dass dort mehrere Faktoren zusammen kommen: ein wärmerer Ozean, ein steigender Meeresspiegel, der Ausbau von Küsten für den Tourismus oder Hafenanlagen, Überfischung. In sensiblen Räumen wie Korallenriffen führen Veränderungen bereits dazu, dass das ganze Ökosystem sich umbaut - beispielsweise zu Seegraswiesen mit ganz wenig Lebewesen.

Dieses Interview erschien im Morgenecho auf WDR 5. Für diese schriftliche Online-Version wurden Aussagen gekürzt.

Extra: Der Mensch und das Meer Planet Wissen 01.04.2020 58:52 Min. Verfügbar bis 14.08.2023 SWR

Stand: 08.06.2020, 11:06

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