Katholische Sexualmoral: Kommen nun Reformen - oder nicht?

Stand: 05.02.2022, 19:39 Uhr

Segnung homosexueller Paare, verheiratete Priester - dafür und noch für einiges mehr will die deutsche katholische Kirche den Weg freimachen. Nur: Wie wahrscheinlich ist es, dass die angestrebten Reformen Realität werden?

Veraltete Ansichten, viele Fälle sexualisierter Gewalt: Die katholische Kirche in Deutschland steht massiv unter Druck. Zumal die Zahl der Kirchenaustritte zuletzt auf einem Rekordhoch war. Es muss sich also etwas verändern.

Gelingt dies über den Synodalen Weg? Hierbei handelt es sich um ein Diskussionsforum, in dem Bischöfe und Laien gemeinsam Reformvorschläge für die katholische Kirche machen. Am Samstag ging in Frankfurt am Main die dritte Synodalversammlung zu Ende - beschlossen wurden weitreichende Reformen.

Keine arbeitsrechlichen Konsequenzen für kirchliche Mitarbeiter bei Scheidung

So soll unter anderem die Segnung homosexueller Paare möglich werden. Zudem sollen verheiratete Priester zugelassen werden, Frauen sollen als Diakoninnen tätig sein dürfen.

Deutlich befürwortete die Synodalversammlung auch eine Änderung des geltenden Arbeitsrechts. Eine Mehrheit verlangte, die Diskriminierung und drohende Kündigung homosexueller kirchlicher Mitarbeiter zu beenden. Auch sollten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Falle einer Scheidung oder des Kirchenaustritts ihres Partners keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen fürchten müssen.

Deutsche Kirche als Speerspitze im Reformprozess weltweit?

Allerdings müssen viele Punkte noch auf den beiden nächsten Synodalversammlungen endgültig beschlossen werden. Ein weiterer Knackpunkt ist die Frage, ob Rom die Reformen absegnen wird. Das Arbeitsrecht könnten die deutschen Bischöfe zwar eigenständig ändern. Doch in vielen anderen Punkten müsste der Papst zustimmen.

Ob der Papst das macht? "Die deutsche Kirche ist die Speerspitze im Reformprozess der katholischen Kirche weltweit", sagt der WDR-Religionsredakteur Theo Dierkes. In der Vergangenheit habe man immer wieder erleben müssen, dass aus Rom gemauert werde. So habe es noch im vergangenen Jahr mit Blick auf homosexuelle Paare geheißen, dass Sünde nicht gesegnet werden dürfe. Dierkes zeigte sich überzeugt, dass die deutsche Kirche "in einem gewissen Ungehorsam erste Schritte gehen" werde.

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