Weniger Suizide in NRW-Gefängnissen

Ein Insasse der Justizvollzugsanstalt (JVA) Stuttgart im Stadtteil Stammheim steht in seiner Einzelzelle im Gegenlicht am Fenster.

Weniger Suizide in NRW-Gefängnissen

  • Zahl der Suizide sinkt seit drei Jahren
  • Neue Präventionsmaßnahmen und Psychologen
  • Software soll Gefährdete automatisch erkennen

Die Zahl der Selbsttötungen von Gefangenen in den nordrhein-westfälischen Gefängnissen ist seit drei Jahren rückläufig. 2018 brachten sich in den NRW-Gefängnissen elf Menschen um. Im Vorjahr waren es 13 und davor 19 Suizide. Das hat das NRW-Justizministerium auf Anfrage mitgeteilt.

Um die Zahl der Selbsttötungen weiter zu verringern, seien im vergangenen Jahr zwölf Suizid-Präventionsbeauftragte ernannt und entsprechend viele Stellen für Psychologen geschaffen worden.

Die Zahl der Suizide hinter Gittern ist starken Schwankungen unterworfen. 2015 gab es nur neun Fälle, 1992 und 1997 waren es jeweils 27.

Suizidgefährdete werden nun alle 15 Minuten kontrolliert

Mit zusätzlichen Untersuchungen sollen suizidgefährdete Häftlinge nun besser erkannt werden. Betroffene werden in einem besonders gesicherten Haftraum untergebracht und alle 15 Minuten kontrolliert. Künftig könnte diese Kontrolle kameraunterstützt sein.

Nach Todesfall in JVA: Kritik am NRW-Justizminister

WDR 5 Mittagsecho 19.10.2018 03:52 Min. WDR 5

Download

Als guter Schutz hätten sich auch Gemeinschaftszellen bewährt. Derzeit werde eine Software entwickelt und geprüft, die suizidales Verhalten von Häftlingen erkennen und Alarm auslösen soll. Eine Expertenkommission prüft weitere Maßnahmen.

16.000 Menschen sitzen in NRW im Gefängnis

In NRW saßen im Januar fast 16.000 Menschen im Strafvollzug hinter Gittern. Der Fall des unschuldig in Kleve inhaftierten Syrers, der nach einem Feuer in seiner Zelle starb, ist in der Statistik nicht enthalten.

Haben Sie Suizidgedanken? Hier gibt es Hilfe

Frau am Schreibtisch mit Computermonitor

Wer sich mit Suizidgedanken trägt, empfindet seine persönliche Lebenssituation als ausweglos. Doch es gibt eine Fülle an Angeboten zur Hilfe und Selbsthilfe, auch anonym.

Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist unter den Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 sowie 116 123 rund um die Uhr erreichbar. Sie berät kostenfrei und in jeder Hinsicht anonym. Der Anruf hier findet sich weder auf Ihrer Telefonrechnung noch im Einzelverbindungsnachweis wieder.

Menschen muslimischen Glaubens können sich an das muslimische Seelsorgetelefon wenden. Es ist ebenfalls kostenfrei und anonym 24 Stunden am Tag unter der Rufnummer 030/44 35 09 821 zu erreichen.

Chat der Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge bietet Betroffenen auch die Möglichkeit an, sich Hilfe per Chat zu holen. Dazu meldet man sich auf deren Webseite an.

E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge

Menschen mit Suizidgedanken können sich auch an die E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge wenden. Der E-Mail-Verkehr läuft über die Webseite der Telefonseelsorge und ist deshalb nicht in Ihren digitalen Postfächern zu finden.

Überblick auf Hilfsangebote

Darüber hinaus hat die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) zahlreiche Informationen zu Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und sozialpsychiatrischen Diensten aufgelistet, an die sich Suizidgefährdete und Angehörige wenden können, um Hilfe zu erhalten. Entsprechende Informationen finden Sie unter nachfolgendem Link.

Stand: 14.01.2019, 09:06

Aktuelle TV-Sendungen